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Schutz vor Über- und Unterversorgung: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Für die patientenzentrierte Versorgung multimorbider Patienten muss zwingend ausreichend Zeit eingeplant werden.
  • Bei KHK-Verdacht und einer Vortestwahrscheinlichkeit bis 50 % ist die Koronar-CT das bevorzugte bildgebende Verfahren.
  • Auf eine invasive Koronarangiographie soll verzichtet werden, wenn keine therapeutische Konsequenz (z.B. Bypass-OP) zu erwarten ist.
  • Asthma-Patienten sollten nach fachärztlicher Stabilisierung primär hausärztlich im DMP weiterbetreut werden.
  • Die Vermeidung von Überversorgung reduziert unnötige CO2-Emissionen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Planetary Health.
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Hintergrund

Die S2e-Leitlinie der DEGAM adressiert den Schutz vor Über- und Unterversorgung in der primärärztlichen Praxis. Überversorgung entsteht durch Leistungen ohne hinreichenden Netto-Nutzen, die zu vermeidbaren Schäden führen. Unterversorgung bezeichnet das Vorenthalten indizierter, nutzbringender Maßnahmen.

Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist Planetary Health: Der Gesundheitssektor verursacht rund 5,2 % der CO2-Emissionen in Deutschland. Überversorgung schadet nicht nur dem Patienten, sondern durch unnötige Emissionen (z.B. durch Medikamentenproduktion, Bildgebung, Transporte) auch dem Klima. Ressourcenschonung ist somit aktiver Gesundheitsschutz.

Multimorbidität und Koordination

Bei multimorbiden Patienten steht oft der Erhalt der Autonomie und Lebensqualität im Vordergrund. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der hausärztlichen Steuerung zur Vermeidung von Polypharmazie und unkoordinierter Diagnostik.

  • Zeitmanagement: Für die patientenzentrierte Versorgung und gemeinsame Entscheidungsfindung soll ausreichend Zeit eingeplant werden (Empfehlungsgrad A).
  • Versorgungskoordination: Bei Beteiligung mehrerer Disziplinen sollten sich alle Akteure (Hausarzt, Spezialist, Pflege, Angehörige) abstimmen (Empfehlungsgrad B).
VersorgungsbereichHausärztliche AufgabeSpezialistische Rolle
DiagnostikGezielte Anforderung (Bildgebung, Endoskopie)Konsiliarische Beratung
TherapieKoordination der Medikation, Vermeidung von PolypharmazieEmpfehlung von Therapieänderungen nach Rücksprache
StationärGemeinsame EinweisungsentscheidungMitbeurteilung bei komplexen Verläufen

Chronische KHK: Diagnostik und Herzkatheter

Ein erhebliches Potenzial für Überversorgung besteht bei der perkutanen Koronarintervention (PCI) bei stabiler KHK, da diese oft keinen prognostischen Nutzen (Lebensverlängerung) bringt.

  • Bevorzugung der Koronar-CT: Ist bei einer Vortestwahrscheinlichkeit (VTW) bis 50 % eine bildgebende Untersuchung indiziert, soll bevorzugt die Koronar-CT angeboten werden (Empfehlungsgrad A).
  • Entscheidungshilfe nutzen: Vor weiteren Untersuchungen soll die Entscheidungshilfe "Brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?" eingesetzt und dies dokumentiert werden (Empfehlungsgrad A).
  • Aufklärung über PCI: Patienten sollen darüber aufgeklärt werden, dass für einen möglichen Überlebensvorteil der PCI keine Evidenz aus randomisierten Studien vorliegt (Empfehlungsgrad A).

Verzicht auf invasive Koronarangiographie

Eine invasive Koronarangiographie soll nicht durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A), wenn:

  • eine niedrige Wahrscheinlichkeit für eine stenosierende KHK vorliegt.
  • bei mittlerer VTW (15–85 %) kein Ischämie-Nachweis in der nicht-invasiven Diagnostik erbracht wurde.
  • das Risiko durch hohe Komorbidität den Nutzen übersteigt.
  • Patienten zu einer Bypass-OP aus prognostischer Indikation nicht bereit sind.
  • nach Intervention keine erneute Angina pectoris oder kein Ischämie-Nachweis vorliegt.

Asthma und COPD

Auch in der Pneumologie ist die hausärztliche Steuerung essenziell, um Überversorgung (z.B. unnötige Therapieeskalationen) und lange fachärztliche Wartezeiten zu vermeiden.

  • Hausärztliche Langzeitbetreuung: Die Betreuung von Asthma-Patienten sollte im Rahmen eines DMP durch den Hausarzt oder Pädiater erfolgen (Empfehlungsgrad B).
  • Rücküberweisung: Bei stabilisierten Patienten in fachärztlicher Betreuung sollte geprüft werden, ob die hausärztliche Weiterbehandlung möglich ist (Empfehlungsgrad B).
  • CT bei COPD: Eine Computertomographie soll nur bei diagnostischen Diskrepanzen, Diskrepanzen zwischen Lungenfunktion und Beschwerden oder inadäquatem Therapieansprechen durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei KHK-Verdacht konsequent die Entscheidungshilfe 'Brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?' und klären Sie Patienten aktiv darüber auf, dass eine Stent-Implantation bei stabiler KHK in der Regel nicht lebensverlängernd wirkt.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von bis zu 50 % soll die Koronar-CT bevorzugt als bildgebendes Verfahren eingesetzt werden, da sie invasive Eingriffe signifikant reduzieren kann.
Unter anderem bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit, fehlendem Ischämie-Nachweis, zu hohem Risiko durch Komorbiditäten oder wenn der Patient eine Bypass-OP ohnehin ablehnt.
Überversorgung erzeugt unnötige CO2-Emissionen (z.B. durch Medikamente, Bildgebung, Transporte). Die Vermeidung von Überdiagnostik und -therapie ist somit aktiver Klimaschutz im Sinne von Planetary Health.
Die Langzeitbetreuung sollte primär hausärztlich oder pädiatrisch im Rahmen eines strukturierten Behandlungsprogramms (DMP) erfolgen.
Ein CT soll nur bei diagnostischen Diskrepanzen, Diskrepanzen zwischen Lungenfunktion und Symptomen oder bei inadäquatem Therapieansprechen durchgeführt werden.

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