HCC und CCA: S3-Leitlinie DGIM
Hintergrund
Die S3-Leitlinie der DGIM (2024) behandelt die Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms (HCC) und biliärer Karzinome (CCA). Primäre Tumoren der Leber und Gallenwege nehmen kontinuierlich zu. Das HCC stellt mit etwa 9000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Form dar.
In 80 bis 90 Prozent der Fälle entwickelt sich ein HCC auf dem Boden einer Leberzirrhose. Als Hauptursachen gelten metabolische Faktoren, Alkoholkonsum sowie chronische Virushepatitiden.
An einem biliären Karzinom erkranken jährlich etwa 7000 Menschen in Deutschland. Wichtige Risikofaktoren umfassen Cholelithiasis, chronische Lebererkrankungen, Diabetes mellitus und chronische Cholangitiden.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Ablauf:
Früherkennung und Überwachung
Für die Früherkennung von Lebertumoren werden spezifische Überwachungsintervalle empfohlen:
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Bei Leberzirrhose (Child-Pugh A und B) soll eine halbjährliche Sonografie erfolgen, optional ergänzt durch die AFP-Bestimmung.
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Bei primär sklerosierender Cholangitis (PSC) wird eine halbjährliche Bildgebung mittels Sonografie oder MRCP angeraten.
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Bei Gallenblasenpolypen ab einer Größe von 1 cm wird eine Cholezystektomie empfohlen.
Diagnostik
Die bildgebende Diagnostik des HCC in der zirrhotischen Leber stützt sich auf die typische Kontrastmitteldynamik. Es wird ein kontrastverstärktes MRT oder eine Kontrastmittelsonografie (CEUS) empfohlen.
Vor einer palliativen Therapie oder bei unklarem Bildbefund in der kurativen Situation wird eine bioptische Sicherung angeraten.
Beim Verdacht auf ein Cholangiokarzinom sollen ein mehrphasisches hepatisches MRT sowie ein kontrastverstärktes CT von Thorax und Abdomen durchgeführt werden.
Lokale und chirurgische Therapie
Bei kurativem Ansatz des HCC sollte eine Vorstellung in einem Lebertransplantationszentrum erfolgen. Bei einem Tumorstadium innerhalb der Mailand-Kriterien wird die Evaluation zur Lebertransplantation empfohlen.
Für die Resektion und Ablation gelten folgende Grundsätze:
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Bei einem singulären Knoten über 3 cm ist die Resektion das präferierte Verfahren.
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Bei Tumoren bis 3 cm gelten Resektion und Ablation als äquivalent.
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Cholangiokarzinome sollen bei R0-Möglichkeit komplett reseziert werden.
Systemtherapie
Die medikamentöse Tumortherapie richtet sich nach der Entität und der Therapielinie. Bei biliären Karzinomen wird zudem eine molekulare Charakterisierung empfohlen, da ab der Zweitlinie zielgerichtete Therapien einsetzbar sind.
| Karzinom | Therapielinie | Empfohlene Wirkstoffe |
|---|---|---|
| HCC | 1. Linie | Atezolizumab + Bevacizumab ODER Durvalumab + Tremelimumab |
| HCC | 1. Linie (Alternative) | Lenvatinib ODER Sorafenib |
| HCC | 2. Linie | Sorafenib, Cabozantinib, Regorafenib, Ramucirumab (bei AFP ≥ 400 ng/ml) |
| CCA | 1. Linie | Durvalumab + Gemcitabin + Cisplatin |
| CCA | 2. Linie | FOLFOX ODER Irinotecan-haltige Therapie |
Nachsorge
Nach einer Resektion oder Ablation eines HCC wird eine fünfjährige Nachsorge mit MRT oder CT empfohlen. Diese soll im ersten Jahr alle drei Monate und anschließend alle drei bis sechs Monate stattfinden.
Bei biliären Karzinomen erfolgt die erste Kontrolle nach vier bis zwölf Wochen. Anschließend wird ein ähnliches Intervall wie beim HCC angeraten.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis (PSC) die Erstmanifestation einer dominanten Stenose immer malignomsuspekt ist. Es wird eine umgehende Abklärung mittels MRT/MRCP und ERCP mit histologischer Sicherung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine halbjährliche Ultraschalluntersuchung der Leber. Diese kann optional durch die Bestimmung des Tumormarkers AFP im Serum ergänzt werden.
Nach einer erfolgreichen R0-Resektion wird allen Patienten eine adjuvante Chemotherapie mit Capecitabin angeboten. Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt sechs Monate.
Eine histologische Sicherung wird vor einer palliativen Systemtherapie empfohlen. In der kurativen Situation ist eine Biopsie laut Leitlinie nur bei unklarem Kontrastmittelverhalten in zwei unabhängigen Bildgebungen erforderlich.
Als Standardtherapie in der Erstlinie wird die Kombination aus dem Immuncheckpoint-Inhibitor Durvalumab mit Gemcitabin und Cisplatin empfohlen. Zudem wird eine molekulare Charakterisierung angeraten, um zielgerichtete Therapien für die Zweitlinie zu identifizieren.
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Quelle: DGIM Keyfacts: S3-LL HCC CCA (DGIM, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.