HCC & Biliäre Karzinome: Leitlinie zur Früherkennung (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Leberzirrhose ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines HCC.
- •Eine sonographische Früherkennung soll bei Leberzirrhose (Child-Pugh A/B) alle 6 Monate erfolgen.
- •Bei chronischer HBV-Infektion wird ein Screening ab einem PAGE-B Score von 10 empfohlen.
- •Kaffeekonsum und Metformin (bei Diabetes) können das HCC-Risiko bei chronischen Lebererkrankungen senken.
- •Alkoholabstinenz wird für alle Patienten mit chronischen Lebererkrankungen dringend empfohlen.
Hintergrund
Das Hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist der weltweit häufigste maligne Lebertumor. Die Inzidenz in der westlichen Welt steigt, bedingt durch chronische HCV-Infektionen sowie die Zunahme von metabolische Dysfunktion-assoziierter steatotischer Lebererkrankung (MASLD) und Steatohepatitis (MASH). Eine Leberzirrhose ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines HCC, unabhängig von der zugrunde liegenden Ätiologie.
Risikofaktoren
Das relative HCC-Risiko unterscheidet sich je nach Ursache der Lebererkrankung erheblich:
| Erkrankung | HCC-Risiko (jährliche Inzidenz) | Bemerkung |
|---|---|---|
| HCV ohne Zirrhose (SVR nach DAAD) | 0,4 % - 1,6 % | Abhängig von Fibrose-Regression |
| HCV-Zirrhose (SVR nach DAAD) | 1,9 % - 6,5 % | Trotz SVR weiterhin erhöhtes Risiko |
| Chronische HBV ohne Zirrhose | 0,01 % - 1,4 % | Risiko sinkt unter antiviraler Therapie |
| Chronische HBV mit Zirrhose | 0,9 % - 5,4 % | Risiko sinkt unter antiviraler Therapie |
| MASH mit Zirrhose | 0,48 % - 1,36 % | Abhängig vom FIB-4-Score |
| MASLD mit Zirrhose | 3,78 % | Deutlich erhöhtes Risiko bei Zirrhose |
| Alkohol-assoziierte Leberzirrhose | 1,0 % |
Seltene Erkrankungen wie Porphyrie, Glykogenspeicherkrankheit, M. Gaucher und Tyrosinämie Typ I weisen ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines HCC auf.
Prävention und Risikoreduktion
Primäre und Sekundäre Prävention
- HBV-Impfung: Entsprechend den STIKO-Empfehlungen sollen Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Risikogruppen gegen das Hepatitis-B-Virus geimpft werden.
- Kausaltherapie: Die Ursachen einer chronischen Lebererkrankung sollen behandelt werden (z.B. antivirale Therapie), um eine Progression zu verhindern.
- Kaffeekonsum: Patienten mit chronischen Lebererkrankungen sollte der Konsum von Kaffee empfohlen werden (protektiver Effekt, am deutlichsten ab 3 Tassen/Tag).
- Metformin: Bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung und nichtinsulinabhängigem Diabetes mellitus sollte eine Behandlung mit Metformin geprüft werden, um das HCC-Risiko zu senken.
- Alkoholabstinenz: Patienten mit chronischen Lebererkrankungen sollen keinen Alkohol trinken.
Tertiäre Prävention
- Patienten mit chronischer HBV und HCC sollte eine antivirale Therapie angeboten werden.
- Patienten mit chronischer HCV und HCC, bei denen eine kurativ intendierte Tumorbehandlung durchgeführt wird, soll eine DAAD-Behandlung angeboten werden.
Früherkennung
Die Früherkennung zielt darauf ab, das HCC in einem frühen Stadium zu diagnostizieren und die Mortalität zu senken.
Indikationen zur Früherkennung
- Patienten mit Leberzirrhose im Stadium Child-Pugh A und B soll die Teilnahme an einer HCC-Früherkennung angeboten werden.
- Patienten mit Leberzirrhose, die zur Lebertransplantation gelistet sind, soll die Teilnahme angeboten werden.
- Patienten mit chronischer HBV-Infektion sollte ab einem PAGE-B Score von 10 eine regelmäßige Früherkennung angeboten werden.
- Bei fortgeschrittener Fibrose mit chronischer HCV-Infektion sollte eine regelmäßige Früherkennung angeboten werden.
Der PAGE-B Score zur Risikostratifizierung bei HBV:
| Parameter | Ausprägung | Punkte |
|---|---|---|
| Alter | 16-29 Jahre | 0 |
| 30-39 Jahre | 2 | |
| 40-49 Jahre | 4 | |
| 50-59 Jahre | 6 | |
| 60-69 Jahre | 8 | |
| ≥ 70 Jahre | 10 | |
| Geschlecht | Weiblich | 0 |
| Männlich | 6 | |
| Thrombozytenzahl | ≥ 200/nl | 0 |
| 100-199/nl | 6 | |
| < 100/nl | 9 |
Diagnostik in der Früherkennung
- Ultraschall: Im Rahmen der HCC-Früherkennung soll alle 6 Monate eine Ultraschalluntersuchung der Leber durchgeführt werden.
- Tumormarker: Die Früherkennung kann durch eine AFP-Bestimmung ergänzt werden.
- Risikoeinschätzung: Bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung sollte das Fibrosestadium wiederholt erhoben werden, um das HCC-Risiko besser einzuschätzen.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie den PAGE-B Score bei Patienten mit chronischer Hepatitis B zur Risikostratifizierung. Empfehlen Sie Patienten mit chronischen Lebererkrankungen den Konsum von mindestens 3 Tassen Kaffee täglich zur Risikoreduktion.