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Biliäre Karzinome: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die R0-Resektion ist der einzige potenziell kurative Therapieansatz für die Stadien I-III.
  • Nach kurativer Resektion wird eine adjuvante Therapie mit Capecitabin über 6 Monate empfohlen.
  • Im Stadium IV ist die Erstlinientherapie eine Chemoimmuntherapie aus Gemcitabin, Cisplatin und Durvalumab oder Pembrolizumab.
  • Eine frühzeitige molekularpathologische Testung (z.B. FGFR2, IDH1, MSI-H) ist im metastasierten Stadium essenziell für zielgerichtete Therapien.
  • Die Bismuth-Corlette- und MSK-Klassifikationen dienen der chirurgischen Beurteilung perihilärer Tumoren (Klatskin-Tumoren).
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Hintergrund

Biliäre Karzinome (Cholangiokarzinome und Gallenblasenkarzinome) sind seltene Tumoren, die weniger als 2 % aller malignen Tumoren ausmachen. Sie werden nach ihrer Lokalisation in intrahepatische, perihiläre (Klatskin-Tumoren), distale extrahepatische Gallengangskarzinome und Gallenblasenkarzinome unterteilt.

Risikofaktoren

Die Risikofaktoren variieren je nach Lokalisation. Zu den wichtigsten gehören:

  • Primär sklerosierende Cholangitis (PSC): Lebenszeitrisiko 5-10 %
  • Chronische Infektionen: Parasitenbefall (z. B. Opisthorchis viverrini)
  • Gallenblasensteine: Deutlich erhöhtes Risiko ab einer Steingröße von > 3 cm
  • Lebererkrankungen: Leberzirrhose und chronische Hepatitis B/C (vor allem für intrahepatische Tumoren)

Diagnostik

Die kontrastmittelgestützte Schnittbilddiagnostik (MRT und/oder CT) ist die Methode der ersten Wahl zur Abklärung.

UntersuchungIndikation / Bemerkung
CT Thorax/AbdomenMethode der ersten Wahl zur Ausbreitungsdiagnostik und Gefäßdarstellung
MRT Abdomen / MRCPMethode der ersten Wahl zur Darstellung der Gallenwege
ERCPTherapeutisch bei Cholestase/Cholangitis; diagnostisch bei unklaren Fällen
TumormarkerCA 19-9, CEA (ergänzend)

Klassifikationen perihilärer Tumoren (Klatskin)

Zur Beurteilung der Resektabilität perihilärer Tumoren werden spezifische Klassifikationen herangezogen, da die TNM-Klassifikation hierfür oft nicht ausreicht.

Einteilung nach Bismuth-Corlette

TypBeschreibung
ITumor betrifft Ductus hepaticus communis, nicht die Hepatikusgabel
IITumor befällt zusätzlich die Hepatikusgabel
IIIaBefall der Hepatikusgabel und des rechten Hauptastes
IIIbBefall der Hepatikusgabel und des linken Hauptastes
IVBefall der Hepatikusgabel und beider Hauptäste

Jarnagin-Blumgart / MSK-Klassifikation

TumorAusbreitung
T1Unilateral bis in Gallengänge 2. Ordnung
T2Unilateral bis Gallengänge 2. Ordnung + ipsilaterale Pfortaderbeteiligung/Atrophie
T3Bilateral bis Gallengänge 2. Ordnung ODER unilateral + kontralaterale Pfortaderbeteiligung/Atrophie ODER Pfortaderhauptstamm (gilt als nicht resektabel)

Therapie Stadium I-III (Kurativer Ansatz)

Die komplette chirurgische Resektion (R0) ist der einzige potenziell kurative Therapieansatz.

  • Intrahepatisch: Leberteilresektion (Segmentresektion, Hemihepatektomie)
  • Perihilär: Meist (erweiterte) Hemihepatektomie, oft mit präoperativer Pfortaderembolisation
  • Distal extrahepatisch: Pyloruserhaltende Pankreatikoduodenektomie (PPPD) oder Kausch-Whipple

Adjuvante Therapie: Nach kurativ intendierter Resektion (R0/R1) sollte eine adjuvante Chemotherapie mit Capecitabin über 6 Monate angeboten werden (basierend auf der BILCAP-Studie). Vor einer Fluoropyrimidin-Therapie muss zwingend eine DPD-Defizienz ausgeschlossen werden.

Therapie Stadium IV (Palliativer Ansatz)

Im metastasierten oder inoperablen Stadium ist die systemische Therapie die primäre Behandlungsform. Eine frühzeitige molekularpathologische Testung ist essenziell, um zielgerichtete Therapieoptionen zu prüfen.

Standard-Chemotherapie

LinieTherapieschemaBemerkung
1. LinieGemcitabin + Cisplatin + Durvalumab (oder Pembrolizumab)Aktueller Standard (Chemoimmuntherapie)
2. LiniemFOLFOXStandard nach ABC-06-Studie
Alternativen5-FU/LV, Capecitabin, IrinotecanAls Monotherapie oder in Kombination

Zielgerichtete Therapien (Molekular stratifiziert)

AlterationHäufigkeitZielgerichtete Therapie
FGFR2-Fusionenca. 15 % (intrahepatisch)Pemigatinib, Futibatinib
IDH1-Mutationenca. 15 % (intrahepatisch)Ivosidenib
NTRK-Fusionensehr seltenLarotrectinib, Entrectinib
MSI-H / dMMRca. 1 %Pembrolizumab
BRAF V600Eca. 5 %Dabrafenib + Trametinib (Off-Label)
HER2-Überexpression10-27 % (extrahepatisch/Gallenblase)Trastuzumab-basierte Therapien (Off-Label/Studien)

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei inoperablen oder metastasierten biliären Karzinomen frühzeitig eine molekularpathologische Testung (NGS) durch. Für Alterationen wie FGFR2-Fusionen oder IDH1-Mutationen stehen hochwirksame, zugelassene zielgerichtete Therapien zur Verfügung.

Häufig gestellte Fragen

Der aktuelle Standard in der Erstlinie ist eine Chemoimmuntherapie bestehend aus Gemcitabin, Cisplatin und einem PD-L1-Inhibitor (Durvalumab oder Pembrolizumab).
Nach einer kurativ intendierten Resektion (R0/R1) wird eine adjuvante Chemotherapie mit Capecitabin über 6 Monate empfohlen.
Eine ERCP sollte primär therapeutisch zur Dekompression bei Cholestase oder Cholangitis eingesetzt werden, oder diagnostisch bei unklaren Fällen. Bei resektablen Tumoren ohne Cholangitis sollte sie erst nach chirurgischer Rücksprache erfolgen.
Als Klatskin-Tumoren bezeichnet man Karzinome der perihilären Gallengänge, also Tumoren, die im Bereich der Hepatikusgabel lokalisiert sind.

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