HCC & Biliäre Karzinome: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Leberzirrhose bleibt der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung eines HCC.
- •Bei chronischer HBV-Infektion wird ein Screening ab einem PAGE-B-Score von 10 empfohlen.
- •Kaffeekonsum (ab 3 Tassen/Tag) und Metformin (bei Diabetikern) senken das HCC-Risiko.
- •Das HCC-Screening erfolgt mittels Ultraschall alle 6 Monate (Child-Pugh A/B).
- •Die Bestimmung des Tumormarkers AFP kann das sonographische Screening ergänzen.
Hintergrund
Das primäre Leberzellkarzinom (HCC) ist der weltweit häufigste maligne Lebertumor. Die Inzidenz steigt, insbesondere bedingt durch chronische HCV-Infektionen sowie die Zunahme der metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) und Steatohepatitis (MASH). Eine Leberzirrhose bleibt der wichtigste Risikofaktor.
Risikofaktoren und Risikostratifizierung
Prinzipiell weist jeder Patient mit einer Leberzirrhose ein erhöhtes HCC-Risiko auf (jährliche Inzidenz 1-8 %).
| Grunderkrankung | Risikofaktoren & Besonderheiten | Jährliche HCC-Inzidenz |
|---|---|---|
| HCV | Erhöhtes Risiko bei Zirrhose, auch nach erfolgreicher Viruseradikation (SVR). | 1,5 - 8 % (bei Zirrhose) |
| HBV | Risiko auch ohne Zirrhose erhöht. Stratifizierung mittels PAGE-B-Score. | 0,01 - 5,4 % |
| MASLD / MASH | Risiko steigt mit fortgeschrittener Fibrose/Zirrhose. FIB-4-Score zur Einschätzung. | 0,001 - 3,78 % |
| Alkohol (ALD) | Regelmäßiger Konsum ist ein starker Kofaktor. | ca. 1,0 % (bei Zirrhose) |
- Empfehlung (Empfehlungsgrad B): Patienten mit chronischer HBV haben ein erhöhtes Risiko. Ab einem PAGE-B-Score von 10 sollte eine regelmäßige Früherkennung angeboten werden.
- Expertenkonsens: Bei fortgeschrittener Fibrose durch HCV sollte eine Früherkennung erfolgen.
Prävention des HCC
Die Prävention ruht auf mehreren Säulen, von der Impfung bis zur Lebensstiländerung.
| Maßnahme | Indikation / Zielgruppe | Bemerkung / Evidenz |
|---|---|---|
| HBV-Impfung | Säuglinge, Kinder, Risikogruppen | Primärprävention nach STIKO-Empfehlung (Expertenkonsens) |
| Antivirale Therapie | Chronische HBV/HCV | Verhindert Progression und senkt HCC-Risiko (Expertenkonsens) |
| Kaffeekonsum | Chronische Lebererkrankungen | Senkt HCC-Risiko dosisabhängig, optimal ab 3 Tassen/Tag (Empfehlungsgrad B) |
| Metformin | Diabetiker mit Lebererkrankung | Senkt HCC-Risiko, keine Kontraindikation bei Zirrhose (Expertenkonsens) |
| Alkoholabstinenz | Alle chronischen Lebererkrankungen | Alkohol ist ein starker Kofaktor für HCC (Expertenkonsens) |
Früherkennung (Screening)
Ziel ist die Diagnose in einem frühen, therapierbaren Stadium.
- Empfehlungsgrad A: Patienten mit Leberzirrhose im Stadium Child-Pugh A und B soll die Teilnahme an einer HCC-Früherkennung angeboten werden.
- Expertenkonsens: Patienten auf der Warteliste zur Lebertransplantation sollen ebenfalls gescreent werden.
- Empfehlungsgrad A: Die Früherkennung erfolgt alle 6 Monate mittels Ultraschalluntersuchung der Leber.
- Empfehlungsgrad 0: Die Früherkennung kann durch eine AFP-Bestimmung ergänzt werden.
- Empfehlungsgrad B: Das Fibrosestadium sollte wiederholt erhoben werden, um das Risiko besser einzuschätzen.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei Patienten mit chronischer Hepatitis B den PAGE-B-Score: Ab einem Wert von 10 ist ein HCC-Screening indiziert, auch wenn noch keine Zirrhose vorliegt. Empfehlen Sie zudem Ihren Leberpatienten aktiv Kaffeekonsum (ab 3 Tassen täglich) zur Risikoreduktion.