DGIMS12025Innere Medizin

Nachhaltigkeit in der Intensivmedizin: S1-Leitlinie DGIM

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGIM (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Krankenhäuser weisen einen enormen Energiebedarf auf. Laut dem vorliegenden Text der DGIM ist das Gesundheitswesen für gut 25 % des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Unter dem bestehenden Kostendruck muss der ökologische Fußabdruck verkleinert werden, ohne medizinische Standards zu gefährden.

Die S1-Leitlinie zur Nachhaltigkeit in der Intensiv- und Notfallmedizin wurde unter Federführung der DGIIN und Beteiligung der DGIM entwickelt. Sie bewertet den Nutzen verfügbarer Methoden zur Ressourcenschonung im klinischen Alltag.

Ab dem Jahr 2025 fordert die EU-Richtlinie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) von größeren Krankenhäusern die Vorlage von Nachhaltigkeitsberichten. Die Etablierung von abteilungsübergreifenden Nachhaltigkeitskriterien und lokalen "Green Teams" wird daher zunehmend relevant.

Empfehlungen

Die S1-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:

Abfallmanagement und Energieeffizienz

Es wird eine konsequente Mülltrennung in Patientenzimmern, Operationssälen und Interventionsräumen empfohlen. Abfälle, die nicht unter den Abfallschlüssel AS 18 01 03* fallen, sollten konsequent nicht als infektiös deklariert werden.

Zur Reduktion des Energieverbrauchs wird zunächst eine differenzierte Erfassung der Verbrauchsdaten angeraten. Die Leitlinie empfiehlt zudem folgende operative Maßnahmen:

  • Ausschalten ungenutzter Beatmungsgeräte bei Erhalt der zügigen Einsatzbereitschaft

  • Berücksichtigung von Lebenszyklusanalysen (LCA) bereits bei der Beschaffung

  • Indikationsgerechte Isolierungen und konservative Lagerhaltung zur Müllvermeidung

Rationale Diagnostik und Digitalisierung

Die Vermeidung von Doppeluntersuchungen durch die Integration elektronischer Akten in Managementsysteme wird empfohlen. Dabei muss jedoch der hohe Energiebedarf digitaler Lösungen und künstlicher Intelligenz berücksichtigt werden.

Eine rationale Labordiagnostik mit indikationsbasierten Testanforderungen wird angeraten. Dies reduziert das Analysevolumen und wirkt sich laut Leitlinie auch günstig auf den Transfusionsbedarf aus.

Therapieoptimierung und Sedierung

Die Wahl der Sedierung und der Applikationsform hat direkten Einfluss auf den CO2-Fußabdruck. Eine zügige Umstellung von intravenöser auf orale Medikation wird als ökologisch vorteilhaft bewertet.

Maßnahme / MedikamentCO2-Emission / KlimawirkungEmpfehlung der Leitlinie
Sevofluran (inhalativ)Geringere KlimawirkungBevorzugt für Kurzzeitsedierungen
Isofluran (inhalativ)Höhere KlimawirkungNicht als erste Wahl für Kurzzeitsedierungen empfohlen
Paracetamol (intravenös)310–628 g CO2Zügige Umstellung auf orale Gabe prüfen
Paracetamol (oral)38 g CO2Ökologisch vorteilhaftere Alternative

Vermeidung von Überversorgung

Da die Intensivversorgung enorm ressourcenintensiv ist, wird eine korrekte und sparsame Indikationsstellung gefordert. Es wird empfohlen, unnötige Intensivbehandlungen proaktiv zu vermeiden.

Folgende strategische Maßnahmen werden hierfür empfohlen:

  • Etablierung von Therapiezielfindungsgesprächen als Routine auf Normalstationen und im ambulanten Bereich

  • Einsatz von Frühwarnsystemen und Outreach-Teams zur rechtzeitigen Identifikation gefährdeter Personen

  • Integration der Palliativmedizin zur Bewertung von Therapiezielen und Begrenzung der Therapiedauer

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Aufbereitung von Mehrwegprodukten nicht pauschal klimafreundlicher ist als die Nutzung von Einwegartikeln. In Ländern mit einem hohen Anteil fossiler Energien kann die Aufbereitung sogar höhere Treibhausgasemissionen verursachen. Es wird daher empfohlen, vor der Beschaffung die Lebenszyklusanalysen der Hersteller kritisch zu prüfen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Text werden pro Quadratmeter Krankenhausfläche durchschnittlich 119 kWh Strom verbraucht. Dies entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von drei bis vier Einfamilienhäusern pro Klinikbett.

Die Leitlinie empfiehlt für Kurzzeitsedierungen die Verwendung von Sevofluran. Es weist gegenüber Isofluran eine deutlich geringere Klimawirkung auf.

Intravenöse Medikamente verursachen in der Herstellung und Logistik oft deutlich mehr Emissionen. Der Text nennt als Beispiel Paracetamol, bei dem eine Infusion bis zu 628 g CO2 verursacht, während eine Tablette nur mit 38 g CO2 zu Buche schlägt.

Green Teams sind lokale Gruppen, die sich für die Sensibilisierung und operative Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen vor Ort einsetzen. Sie grenzen sich laut Leitlinie von strategisch arbeitenden Stabsstellen für Nachhaltigkeit ab.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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