pAVK bei Diabetes: DDG-Praxisempfehlung 2025
Hintergrund
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) entwickelt sich bei Menschen mit Diabetes mellitus im Vergleich zu Stoffwechselgesunden früher und schreitet schneller voran. Anatomisch zeigen sich häufig langstreckige, kalzifizierte Stenosen der Unterschenkelarterien mit unzureichender Kollateralbildung.
Aufgrund der diabetischen Polyneuropathie bleiben typische Warnsignale wie die Claudicatio intermittens oder ischämische Ruheschmerzen oft lange Zeit maskiert. Dies führt dazu, dass sich Betroffene häufig erst im Stadium der kritischen Extremitätenischämie (CLTI) präsentieren.
Die Kombination aus pAVK und Diabetes geht mit einem stark erhöhten Risiko für Fußläsionen und Amputationen einher. Eine frühzeitige Diagnostik und interdisziplinäre Therapie sind daher essenziell für den Extremitätenerhalt und die Reduktion der kardiovaskulären Mortalität.
Empfehlungen
Die Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) aus dem Jahr 2025 formuliert folgende Kernempfehlungen:
Diagnostik
Bei Menschen mit Diabetes und Verdacht auf pAVK oder Vorliegen einer Fußläsion wird eine großzügige nichtinvasive Gefäßdiagnostik empfohlen. Dazu gehören die klinische Untersuchung (Pulsstatus, Kapillarpuls) sowie die Doppler-Druckmessung.
-
Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABI) als Basisdiagnostik
-
Bei Verdacht auf Mediasklerose (ABI > 1,3) zwingende Bestimmung des Zehen-Arm-Index (TBI) oder Pulskurvenanalyse
-
Farbkodierte Duplexsonografie als primäres bildgebendes Verfahren
Konservative und medikamentöse Therapie
Die Basisbehandlung bis zum Stadium der Claudicatio intermittens umfasst laut Leitlinie ein strukturiertes, idealerweise angeleitetes Gehtraining. Begleitend wird eine konsequente Therapie der kardiovaskulären Risikofaktoren empfohlen.
-
Gabe von Statinen in allen pAVK-Stadien zur Senkung des Amputations- und Mortalitätsrisikos (Ziel-LDL < 55 mg/dl)
-
Bevorzugung von Clopidogrel gegenüber ASS bei symptomatischer pAVK
-
Blutdruckeinstellung auf Zielwerte zwischen 120 und 130 mmHg (bzw. < 140 mmHg bei über 65-Jährigen)
Im Bereich der antidiabetischen Therapie bleibt Metformin das Mittel der ersten Wahl. Als Ergänzung wird die Hinzunahme eines GLP-1-Rezeptoragonisten oder SGLT2-Inhibitors empfohlen.
Revaskularisation
Bei einer Claudicatio intermittens wird zunächst ein 3- bis 6-monatiger konservativer Therapieversuch mit Gehtraining empfohlen. Bei Stagnation oder Verschlechterung kann eine Revaskularisation erwogen werden.
Liegt eine chronische Extremitäten-bedrohende Ischämie (CLTI) vor, ist primär eine rasche Revaskularisation anzustreben. Die Wahl zwischen endovaskulärem und offen-chirurgischem Vorgehen sollte interdisziplinär anhand von Gefäßmorphologie und Begleiterkrankungen getroffen werden.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Clopidogrel | 75 mg täglich | Symptomatische pAVK (bevorzugt) |
| Acetylsalicylsäure (ASS) | 100 mg täglich | Symptomatische pAVK (Alternative) |
| Rivaroxaban + ASS | 2x 2,5 mg täglich + 100 mg täglich | Symptomatische pAVK mit hohem Risiko für ischämische Ereignisse |
| Semaglutid | 1 mg pro Woche s.c. | Verbesserung der Gehleistung bei Claudicatio intermittens |
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass Thiazolidindione (Pioglitazon) bei bestehender Herzinsuffizienz kontraindiziert sind. Zudem wird vor dem Einsatz von Saxagliptin bei Personen mit vorbekannter Herzinsuffizienz gewarnt, da in Studien eine erhöhte Hospitalisierungsrate beobachtet wurde.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass ein normaler Knöchel-Arm-Index (ABI) bei Menschen mit Diabetes eine pAVK nicht sicher ausschließt. Aufgrund einer häufig vorliegenden Mediasklerose können falsch hohe Werte (ABI > 1,3) gemessen werden. In diesen Fällen wird zwingend die Bestimmung des Zehen-Arm-Index (TBI) oder eine Pulskurvenanalyse empfohlen, um eine Ischämie nicht zu übersehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist Clopidogrel gegenüber ASS bei symptomatischer pAVK zu bevorzugen. Bei hohem Ischämierisiko kann eine Kombination aus Rivaroxaban und ASS erwogen werden.
Die Leitlinie empfiehlt einen LDL-Zielwert von unter 55 mg/dl. Zudem wird eine Senkung um mindestens 50 % des Ausgangswertes angestrebt.
Semaglutid kann laut aktuellen Daten die schmerzfreie Gehstrecke bei Personen mit Claudicatio intermittens signifikant verbessern. Metformin bleibt jedoch das orale Antidiabetikum der ersten Wahl.
Bei Claudicatio intermittens wird zunächst ein 3- bis 6-monatiger konservativer Therapieversuch empfohlen. Bei kritischer Extremitätenischämie (CLTI) ist hingegen eine rasche Revaskularisation indiziert.
Die Leitlinie betont, dass tastbare Fußpulse das Vorhandensein einer pAVK nicht ausschließen. Umgekehrt wird bei fehlenden Pulsen die Häufigkeit der pAVK oft überschätzt, weshalb apparative Messungen notwendig sind.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: DDG: PE_Diagnostik & Therapie der pAVK pdf (DDG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.