ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

PCI-Manual: Durchführung & Strategien (DGK-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Provisional Stenting ist die bevorzugte Standardmethode bei Bifurkationsstenosen.
  • Bei Hauptstammstenosen mit einem SYNTAX-Score ≤ 22 ist die PCI eine gleichwertige Alternative zur Bypass-OP.
  • Für stark kalzifizierte Läsionen wird eine Läsionspräparation mittels Non-compliant-Ballons, Rotablation oder Lithotripsie empfohlen.
  • Die Behandlung von In-Stent-Restenosen sollte primär mit medikamentenbeschichteten Ballons (DCB) oder Drug-Eluting-Stents (DES) erfolgen.
  • Intravaskuläre Bildgebung (IVUS/OCT) wird besonders bei Hauptstamm- und ostialen Läsionen empfohlen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Dieses Manual der Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie (AGIK) der DGK dient als praxisnahe Entscheidungshilfe für die Durchführung der perkutanen Koronarintervention (PCI). Es fasst aktuelle Strategien für komplexe Koronaranatomien und Läsionsmorphologien zusammen.

Vorbereitung und Materialauswahl

Eine adäquate Vorbereitung umfasst die Überprüfung der Nierenfunktion, Hydrierung, EKG-Monitoring und die Einleitung einer dualen Plättchenhemmung.

  • Führungskatheter: In den meisten Fällen ist ein 6F-Katheter ausreichend. Für das linke Koronarsystem werden Extra-Back-up-Katheter (XB oder EBU) empfohlen, für das rechte System meist Judkins-Katheter. Beim radialen Zugang wird die Kurvengröße oft 0,5 kleiner gewählt als beim femoralen Zugang.
  • Ballonsysteme: Die Wahl des Ballons ist essenziell für die Läsionsvorbereitung und Stentoptimierung.
BallontypEigenschaftenBevorzugte Indikation
Semi-compliantFlexibler, leichter vorbringbar, Größenzunahme bei hohem DruckStandard-Prädilatation
Non-compliant (NC)Hoher Berstdruck, kaum Größenzunahme über NominalwertKalzifizierte/rigide Läsionen, Postdilatation
Scoring/CuttingFokussierte Kraftübertragung durch Klingen/DrähteHarte, schwer dilatierbare Stenosen
Medikamentenbeschichtet (DCB)Antiproliferative Wirkung (Paclitaxel/Sirolimus)In-Stent-Restenosen (ISR)

Spezielle Läsionen und Interventionsstrategien

Bifurkationsstenosen

Die Einteilung erfolgt nach der Medina-Klassifikation. Die Standardstrategie ist das Provisional Stenting (Stent im Hauptast). Eine primäre 2-Stent-Strategie wird bei komplexer Anatomie gewählt.

Anatomie / KriteriumBevorzugte Technik
Nur Hauptast betroffenProvisional Stenting (Klasse I, A)
Echte Bifurkation, Winkel < 70°, Kaliberunterschied < 1 mmCulotte-Technik
Echte Bifurkation, Winkel < 70°, Kaliberunterschied > 1 mmDK-Crush-Technik
Echte Bifurkation, Winkel > 70°DK-Crush oder T-Stent / TAP

Wichtig: Nach jedem Kissing-Balloon-Manöver sollte eine proximale Optimierungstechnik (POT) im Hauptast erfolgen.

Chronische Koronarverschlüsse (CTO)

Die Indikation zur CTO-PCI besteht bei medikamentenresistenter Angina pectoris oder großem Ischämiegebiet (Klasse IIa, B). Die Komplexität wird mit dem J-CTO-Score bewertet (Punkte für: stumpfer Verschluss, Verkalkung, Biegung ≥ 45°, Länge > 20 mm, frustraner Vorversuch).

  • Strategie: Der antegrade Versuch ist der Eckpfeiler (ca. 75 % Erfolgsrate). Retrograde Techniken (über septale oder epikardiale Kollateralen) sind bei fehlendem antegradem Erfolg zu erwägen.
  • Material: Mikrokatheter sind entscheidend für die Drahtführung und den Drahtwechsel.

Hauptstammstenosen

Die PCI des ungeschützten Hauptstamms erfordert oft den Einsatz intravaskulärer Bildgebung (IVUS/OCT, Klasse IIa, B). Die Wahl zwischen PCI und Bypass-OP (ACB) richtet sich nach dem SYNTAX-Score:

SYNTAX-ScoreEmpfehlung PCIEmpfehlung ACB
0 - 22Gleichwertige Alternative (I, A)Indiziert (I, A)
23 - 32Kann erwogen werden (IIa, A)Indiziert (I, A)
≥ 33Nicht empfohlenIndiziert (I, A)

Bei Hauptstamm-Bifurkationen ist das Provisional Stenting die Methode der Wahl, wenn nur ein Tochtergefäß betroffen ist. Bei einer 2-Stent-Strategie ist die DK-Crush-Technik vorzuziehen (IIb, B).

Kalzifizierte Stenosen

Stark verkalkte Läsionen (Zirkumferenz > 270° in der Bildgebung) erfordern spezielle Debulking-Verfahren, da eine alleinige Ballondilatation oft ungenügend ist.

  • Rotablation: Plaquemodifikation durch Diamantbohrkopf. Ein passagerer Schrittmacher wird bei Hauptstamm, RCA oder niedriger Herzfrequenz empfohlen (I, C).
  • Lithotripsie: Zertrümmerung von Kalk durch akustische Pulswellen.
  • Vordilatation: Immer mit Non-compliant-Ballons (I, C).

In-Stent-Restenosen (ISR)

Eine alleinige Ballondilatation hat eine hohe Rezidivrate und wird nicht empfohlen (III, C). Die Behandlung sollte mit medikamentenbeschichteten Ballons (DCB) oder Drug-Eluting-Stents (DES) erfolgen. Bei massiver Unterexpansion kann in Einzelfällen eine Rotablation durch erfahrene Untersucher erwogen werden (I, C).

Aortokoronare Venenbypässe (SVG)

Die PCI von Venenbypässen birgt ein hohes Risiko für distale Embolisationen (Slow-Flow/No-Flow). Die Verwendung von distalen Protektionssystemen (Filtern) sollte erwogen werden (IIa, B). Bioresorbierbare Scaffolds werden hier nicht empfohlen (III, C).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei stark kalzifizierten Läsionen primär Non-compliant-Ballons zur Vordilatation. Bei unzureichender Entfaltung sollten Sie frühzeitig Debulking-Verfahren wie die Rotablation oder Lithotripsie einsetzen, um eine Stentunterexpansion zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

In den meisten Fällen ist ein 6F-Katheter ausreichend. Für das linke Koronarsystem eignen sich Extra-Back-up-Katheter (XB/EBU), für das rechte System meist Judkins-Katheter.
Bei einem SYNTAX-Score von 0-22 ist die PCI gleichwertig zur Bypass-OP (Klasse I, A). Bei 23-32 kann sie erwogen werden, ab 33 wird primär die Bypass-OP empfohlen.
Eine alleinige Ballondilatation wird nicht empfohlen. Es sollten medikamentenbeschichtete Ballons (DCB) oder Drug-Eluting-Stents (DES) verwendet werden.
Bei Interventionen am Hauptstamm, der RCA oder bei einer niedrigen Ausgangsherzfrequenz wird die Anlage eines passageren Schrittmachers empfohlen (Klasse I, C).
Das 'Provisional Stenting' (zunächst Stent nur im Hauptast) ist die bevorzugte Methode. Eine primäre 2-Stent-Strategie bleibt komplexen Anatomien vorbehalten.

Verwandte Leitlinien