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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

ESC/DGK-Leitlinie: Periphere Arterielle Erkrankungen (PAE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Strikte Sekundärprävention: LDL-Ziel <70 mg/dl und Blutdruck <140/90 mmHg.
  • Asymptomatische pAVK erfordert keine routinemäßige Thrombozytenaggregationshemmung.
  • Bei symptomatischer pAVK wird eine Monotherapie (bevorzugt Clopidogrel) empfohlen.
  • Supervidiertes Gehtraining ist bei Claudicatio intermittens stark empfohlen.
  • Symptomatische Karotisstenosen (70-99 %) sollten innerhalb von 14 Tagen operiert werden.
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Hintergrund

Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zu peripheren arteriellen Erkrankungen (PAE), verfasst in Kooperation mit der Europäischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (ESVS), fasst die Diagnostik und Therapie atherosklerotischer Manifestationen zusammen. Die Atherosklerose wird hierbei als Erkrankung des gesamten Gefäßbaumes betrachtet. Die klassische TASC-Klassifikation findet für die Therapieentscheidung keine Berücksichtigung mehr.

Sekundärprävention

Patienten mit peripherer Atherosklerose gelten als Hochrisikopatienten. Das Management der kardiovaskulären Risikofaktoren ist essenziell:

MaßnahmeZielwert / EmpfehlungEmpfehlungsgradEvidenzgrad
RauchenStrikter VerzichtIB
StatineLDL <70 mg/dl oder ≥50 % Reduktion (bei Ausgangswert 70-135 mg/dl)IA/C
Blutdruck<140/90 mmHgIA
BlutzuckerNormoglykämie bei DiabetikernIC

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Diagnostik

Zum Screening wird die Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI) empfohlen. Zur Differenzierung dient primär die Duplexsonographie. Ist eine Therapieplanung damit nicht möglich, sollte eine Schnittbilddiagnostik (MRA, CTA) erfolgen. Bei kritischer Extremitätenischämie wird zur Beurteilung von Wunden die WIFI-Klassifikation favorisiert:

BuchstabeBedeutung
WWunde (Wound)
IIschämie (Ischemia)
FIFußinfektion (Foot Infection)

Therapie und Revaskularisation

Die Therapieentscheidung richtet sich nach der Klinik und der Läsionslänge:

IndikationMaßnahmeEmpfehlungsgradEvidenzgrad
Claudicatio intermittensSupervidiertes GehtrainingIA
Kurze Verschlüsse (<25 cm femoropopliteal)Primär endovaskuläre TherapieIC
Lange Verschlüsse A. femoralis superficialis (>25 cm)Bypassoperation (autologes Venenmaterial) bei niedrigem OP-RisikoIB
Stenose A. femoralis communisHybrideingriffIIaC

Thrombozytenaggregationshemmung bei pAVK

PatientenprofilEmpfehlungEmpfehlungsgradEvidenzgrad
Asymptomatische pAVKKeine routinemäßige ThrombozytenhemmungIIIA
Symptomatische pAVKLangfristige Monotherapie (Clopidogrel bevorzugt vor ASS)I (IIb für Clopidogrel)A (B)
pAVK + Vorhofflimmern (CHA2DS2-VASc ≥2)Alleinige orale AntikoagulationIA
Nach StentimplantationDuale Plättchenhemmung für mind. 1 Monat erwägenIIaC
Nach Kunststoffbypass (kniegelenksüberschreitend)Duale Plättchenhemmung erwägenIIbB

Karotisstenose

Diagnostik

Die Duplexsonographie ist die Methode der ersten Wahl (I, B). Vor einer operativen oder interventionellen Therapie ist eine zusätzliche Bildgebung (MRA/CTA) indiziert.

Therapie

Die Indikation zur Revaskularisation hängt maßgeblich von der Symptomatik (TIA/Schlaganfall) ab. Wenn indiziert, sollte der Eingriff bei symptomatischen Patienten innerhalb von 14 Tagen erfolgen.

Stenosegrad & KlinikTherapieempfehlungEmpfehlungsgradEvidenzgrad
Symptomatisch 70-99 %CEA (wenn OP-Risiko <6 %)IA
Symptomatisch 50-69 %CEA erwägen (wenn OP-Risiko <6 %)IIaA
Symptomatisch 50-99 %CAS erwägen (bei hohem OP-Risiko/schwieriger Anatomie)IIaB
Symptomatisch <50 %Keine RevaskularisationIIIA
Asymptomatisch ≥50 %Thrombozytenhemmung bei niedrigem BlutungsrisikoIIaC

(CEA = Karotisendarteriektomie, CAS = Karotisarterienstenting)

Bei asymptomatischen 60-99 %igen Stenosen kann eine Revaskularisation erwogen werden (IIa, B), wenn die Lebenserwartung >5 Jahre beträgt, das OP-Risiko <3 % liegt und zusätzliche Kriterien für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko vorliegen (z. B. stumme Insulte, Stenoseprogression >20 %, instabile Plaques).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei asymptomatischen pAVK-Patienten ohne weitere kardiovaskuläre Manifestationen auf eine routinemäßige ASS-Gabe. Bei symptomatischer pAVK ist Clopidogrel gegenüber ASS zu bevorzugen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine Reduktion auf <70 mg/dl oder um mindestens 50 %, wenn der Ausgangswert zwischen 70 und 135 mg/dl liegt.
Nach einer Stentimplantation sollte als Konsensus eine duale Plättchenhemmung für mindestens 1 Monat erwogen werden. Auch nach einem kniegelenksüberschreitenden Kunststoffbypass kann sie eingesetzt werden.
Nein, bei Patienten mit pAVK und Vorhofflimmern (CHA2DS2-VASc-Score ≥2) wird die alleinige orale Antikoagulation ohne zusätzliche antithrombozytäre Therapie empfohlen.
Wenn eine Indikation zur Revaskularisation einer symptomatischen 50- bis 99 %igen Stenose besteht, sollte diese so rasch wie möglich, am besten innerhalb von 14 Tagen erfolgen.
Bei kurzen Verschlüssen (z. B. femoropopliteal <25 cm) ist primär eine endovaskuläre Therapie indiziert. Bei langen Verschlüssen der A. femoralis superficialis (>25 cm) wird bei niedrigem OP-Risiko ein venöser Bypass empfohlen.

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