Diabetes im Krankenhaus: DDG-Praxisempfehlung 2025
Hintergrund
Jeder fünfte Klinikpatient in Deutschland hat einen Diabetes mellitus. Die Erkrankung erfordert aufgrund akuter Stoffwechseldekompensationen, der Mitbehandlung von Komplikationen und perioperativer Besonderheiten spezifische Behandlungspfade.
Eine Stresshyperglykämie bei schweren Erkrankungen geht mit einer besonders ungünstigen Prognose einher. Sowohl Hyper- als auch Hypoglykämien sowie eine hohe Glukosevariabilität sind mit einem schlechteren Genesungsverlauf und erhöhten Komplikationsraten assoziiert.
Laut Leitlinie weisen Menschen mit Diabetes im Krankenhaus eine längere Verweildauer und eine erhöhte Mortalität auf. Oftmals wird die Diagnose eines Diabetes erst während des stationären Aufenthaltes gestellt, weshalb ein Screening empfohlen wird.
Empfehlungen
Die DDG-Praxisempfehlung 2025 formuliert folgende Kernempfehlungen für den stationären Bereich:
Diagnostik und Zielwerte
Bei stationärer Aufnahme wird für alle Patienten mit Diabetes eine Bestimmung von Blutglukose und HbA1c empfohlen. Bei elektiven Eingriffen sollte der HbA1c-Wert idealerweise unter 7,0 %, mindestens jedoch unter 8,0 % liegen.
Für hospitalisierte Patienten definiert die Leitlinie folgende Blutglukosezielwerte:
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Genereller Zielbereich: 140 bis 180 mg/dl (7,8–10,0 mmol/l).
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Perioperativ (ab 4 Stunden vor OP): 100 bis 180 mg/dl (5,6–10,0 mmol/l).
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Vermeidung von Hypoglykämien < 70 mg/dl (< 3,9 mmol/l).
Medikamentenmanagement
Bei nicht kritisch kranken Patienten kann eine bestehende Therapie mit oralen Antidiabetika (OAD) oder GLP-1-Rezeptoragonisten oft weitergeführt werden. Bei kritisch Kranken wird eine passagere intravenöse Insulintherapie empfohlen.
Für spezifische Substanzklassen gelten laut Leitlinie folgende Besonderheiten:
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Metformin: Bei Kontrastmittelgabe und eGFR 30–44 ml/min/1,73 m² 48 Stunden vorher pausieren. Bei schweren Infektionen oder Organversagen absetzen.
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SGLT2-Inhibitoren: Wegen des Risikos einer euglykämischen Ketoazidose bei schweren Akuterkrankungen, Fastenperioden oder vor Operationen pausieren.
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Sulfonylharnstoffe: Wegen des erhöhten Hypoglykämierisikos im stationären Setting äußerst zurückhaltend einsetzen.
Perioperatives Vorgehen
Die Leitlinie empfiehlt, elektive Eingriffe bei Blutglukosewerten > 300 mg/dl oder einem HbA1c > 10 % nach Möglichkeit zu verschieben. Die Nahrungskarenz sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
Am Operationstag wird bei insulinbehandelten Patienten empfohlen, die Basalinsulintherapie um 25 % zu reduzieren. SGLT2-Hemmer sollen 3 bis 4 Tage vor der Operation abgesetzt werden.
Diabetestechnologie
Bestehende Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und Insulinpumpen (CSII) sollen bei klinisch stabilen Patienten fortgeführt werden. Bei kritisch kranken Patienten auf der Intensivstation ist CGM derzeit kontraindiziert.
Dosierung
Die Leitlinie gibt spezifische Dosierungsschemata für Akutsituationen vor.
Therapie der Hypoglykämie
| Schweregrad | Situation | Maßnahme |
|---|---|---|
| Level 2 (< 54 mg/dl) | Patient ansprechbar | 20 g Kohlenhydrate (vorzugsweise Glukose oder 200 ml Fruchtsaft) |
| Level 3 (Fremdhilfe nötig) | Ohne i.v. Zugang | 1 mg Glukagon i.m./s.c. oder 3 mg intranasal |
| Level 3 (Fremdhilfe nötig) | Mit i.v. Zugang | 50 ml 40 %ige Glukose im Bolus i.v. |
Diabetische Ketoazidose (DKA) - Kaliumsubstitution
Die Kaliumspiegel sollten laut Leitlinie aus Heparinplasma bestimmt werden, um artifiziell erhöhte Werte zu vermeiden.
| Kaliumspiegel (mmol/l) | Kaliumzugabe pro 1000 ml Infusionslösung (mval/l) |
|---|---|
| > 4,5 | Keine Zugabe |
| 3,5–4,5 | 20 |
| < 3,5 | 40 (ggf. zusätzlich orale Gabe) |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie ist die Anwendung von CGM-Systemen bei kritisch kranken Patienten auf der Intensivstation kontraindiziert.
Metformin ist bei schweren Infektionen, instabiler Herzinsuffizienz, akutem Leber- oder Nierenversagen sowie schwerer Diarrhö und Exsikkose kontraindiziert und muss pausiert werden.
GLP-1-Rezeptoragonisten sollten bei Aufnahmen aufgrund gastrointestinaler Ursachen (z.B. Übelkeit, Erbrechen) pausiert werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer zu schnellen Blutglukosesenkung bei der diabetischen Ketoazidose (DKA), da dies zu einem lebensbedrohlichen Hirnödem führen kann. Es wird empfohlen, die Blutglukose in den ersten 24 Stunden nicht unter 250 mg/dl (13,9 mmol/l) abzusenken und die Insulininfusion nicht zu pausieren, sondern gegebenenfalls mit 10 %iger Glukoselösung gegenzusteuern. Zudem wird betont, dass SGLT2-Inhibitoren bei akuten Erkrankungen wegen des Risikos einer euglykämischen Ketoazidose zwingend pausiert werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für alle hospitalisierten Patienten, einschließlich kritisch Kranker auf der Intensivstation, einen Blutglukosezielwert von 140 bis 180 mg/dl. Niedrigere Zielwerte können individuell erwogen werden, sofern keine Hypoglykämien auftreten.
Es wird empfohlen, SGLT2-Inhibitoren 3 bis 4 Tage vor einem operativen Eingriff zu pausieren. Dies dient laut Leitlinie der Vermeidung einer perioperativen euglykämischen Ketoazidose.
Bei einer eGFR über 60 ml/min/1,73 m² kann Metformin laut Leitlinie fortgeführt werden. Bei einer eGFR von 30–44 ml/min/1,73 m² und intravenöser oder intraarterieller Kontrastmittelgabe sollte Metformin 48 Stunden vorher pausiert werden.
Bei klinisch stabilen Patienten, die zur Selbstversorgung in der Lage sind, wird die Fortführung der Insulinpumpentherapie (CSII) befürwortet. Bei kritisch kranken Patienten oder fehlender Fähigkeit zur sicheren Bedienung sollte auf eine intravenöse oder subkutane Insulintherapie umgestellt werden.
Die Diagnose erfolgt laut Leitlinie mittels einer venösen Blutgasanalyse. Bei klinischen Symptomen und bestehender Therapie mit SGLT2-Inhibitoren wird diese Untersuchung dringend empfohlen.
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Quelle: DDG: PE_Diabetes_im_Krankenhaus_2025.pdf pdf (DDG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.