Stationäres Diabetesmanagement: DDG-Leitlinie
Hintergrund
Die DDG-Leitlinie (2026) fokussiert sich auf die Sicherstellung einer optimalen Stoffwechselkontrolle bei hospitalisierten Menschen mit Diabetes mellitus.
Sowohl bei elektiven als auch bei akuten Krankenhausaufenthalten sollen Komplikationen durch Hyper- oder Hypoglykämien strikt vermieden werden.
Besondere Herausforderungen im stationären Setting umfassen perioperative Nüchternphasen, den Einsatz von Glukokortikoiden sowie die Anpassung der bestehenden oralen Antidiabetika an die akute Erkrankungssituation.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den stationären Bereich:
Diagnostik und Monitoring
Bei stationärer Aufnahme wird für alle Personen mit bekanntem Diabetes eine Blutglukose- und HbA1c-Bestimmung empfohlen.
Die Frequenz der Routine-Blutglukosemessungen richtet sich laut Leitlinie nach der Ernährungssituation:
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Vor den Mahlzeiten bei normaler Nahrungsaufnahme
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Alle 4 bis 6 Stunden bei fehlender oraler Nahrungsaufnahme
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Alle 30 Minuten bis 2 Stunden unter intravenöser Insulintherapie
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Mindestens alle 2 bis 4 Stunden in der Nüchternphase vor operativen Eingriffen
Ein bestehendes kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) soll bei nicht kritischen Erkrankungen fortgeführt werden. Kapilläre Messungen bleiben jedoch bei akuter Erkrankung, Diskrepanzen zu Symptomen oder postoperativ erforderlich.
Blutglukoseziele
Für alle hospitalisierten Personen, einschließlich kritisch Kranker, wird ein Zielbereich von 140-180 mg/dl (7,8-10,0 mmol/l) angestrebt.
Bei ausgewählten Personen können niedrigere Zielwerte von 100-180 mg/dl festgelegt werden, sofern Hypoglykämien sicher vermieden werden. Werte unter 70 mg/dl sind laut Leitlinie streng zu vermeiden und erfordern eine sofortige Behandlung.
Perioperatives Management
Vor elektiven Eingriffen wird eine Optimierung der Blutglukosewerte empfohlen. Der HbA1c-Wert sollte idealerweise unter 7,0 % liegen, mindestens jedoch unter 8,0 %.
Eingriffe bei HbA1c-Werten über 10 % oder akuten Entgleisungen über 300 mg/dl (16,7 mmol/l) sollten gemäß Leitlinie verschoben werden. Ab vier Stunden vor und während der Operation wird ein Zielbereich von 100-180 mg/dl empfohlen.
Anpassung der Medikation
Die Leitlinie empfiehlt eine kritische Überprüfung der Vormedikation:
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Sulfonylharnstoffe: Aufgrund des hohen Hypoglykämierisikos ist der Einsatz im Krankenhaus äußerst zurückhaltend zu gestalten und bei Nüchternphasen zu pausieren.
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GLP-1-Rezeptoragonisten: Diese können bei kardiovaskulären oder renalen Erkrankungen fortgeführt werden, sollten aber bei gastrointestinalen Beschwerden wie Erbrechen pausiert werden.
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Glukokortikoide: Da der Insulinbedarf hierbei um ca. 20 % steigt, wird eine engmaschige Kontrolle und Dosisanpassung (z. B. mit NPH-Insulin bei Prednisolon) empfohlen.
Entlassungsmanagement
Etwa 1 bis 2 Tage vor der Entlassung sollte bei fehlenden Kontraindikationen die Rückkehr zur vorbestehenden glukosesenkenden Therapie angestrebt werden. Eine strukturierte Planung der diabetologischen Nachsorge wird als essenziell erachtet.
Dosierung
Schweregrade der diabetischen Ketoazidose (DKA)
| Parameter | Leicht | Mittel | Schwer |
|---|---|---|---|
| pH-Wert | ≤ 7,3 | ≤ 7,2 | ≤ 7,1 |
| Bikarbonat | ≤ 270 mg/dl (15 mmol/l) | ≤ 180 mg/dl (10 mmol/l) | ≤ 90 mg/dl (5 mmol/l) |
Therapie der Hypoglykämie
| Schweregrad | Situation | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|---|
| Level 2 | Therapie durch Betroffenen möglich | 20 g Kohlenhydrate (vorzugsweise Glukose oder 200 ml Fruchtsaft) |
| Level 3 | Bewusstlos, ohne i.v. Zugang | 1 mg Glukagon i.m./s.c. ODER 3 mg Glukagon intranasal |
| Level 3 | Bewusstlos, mit i.v. Zugang | 50 ml 40%ige Glukose als i.v. Bolus |
| Level 3 | Bei Bewusstsein, Fremdhilfe nötig | 30 g Kohlenhydrate (Glukose) oral |
NPH-Insulindosierung bei Prednisolon-Therapie
| Äquivalenzdosis zu Prednisolon [mg/d] | Körpergewichtsangepasste Insulindosis (I.E./kg KG) |
|---|---|
| 10 | 0,1 |
| 20 | 0,2 |
| 30 | 0,3 |
| >40 | 0,4 |
Korrekturschema bei parenteraler Ernährung
| Blutglukose [mg/dl] | Blutglukose [mmol/l] | Schnellwirkendes Analoginsulin [I.E.] |
|---|---|---|
| <180 | <10,0 | 0 |
| 180-220 | 10,0-12,2 | 2 |
| 221-260 | 12,3-14,4 | 4 |
| 261-300 | 14,5-16,7 | 6 |
| >300 | >16,7 | 8 |
Metformin und jodhaltige Kontrastmittel
| Nierenfunktion (eGFR) | Intravenöse Kontrastmittelgabe | Intraarterielle Kontrastmittelgabe |
|---|---|---|
| > 60 ml/min | Fortführung ohne Unterbrechung | 48 Stunden vorher pausieren |
| 45-60 ml/min | Fortführung ohne Unterbrechung | 48 Stunden vorher pausieren |
| 30-44 ml/min | 48 Stunden vorher pausieren | 48 Stunden vorher pausieren |
Kontraindikationen
Kontraindikationen für Metformin im Krankenhaus
Laut Leitlinie muss Metformin zwingend pausiert werden bei:
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Schweren Infektionen (z. B. Pneumonie, Harnwegsinfekt mit Fieber > 38,5 °C)
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Akutem Leber- und Nierenversagen
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Instabiler oder dekompensierter Herzinsuffizienz
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Schwerer Diarrhö oder Exsikkose
Sick-Day-Regelung für SGLT2-Inhibitoren
Eine Therapie mit SGLT2-Inhibitoren muss pausiert werden bei:
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Schweren Infektionen und schwerwiegenden Akuterkrankungen
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Längeren Fastenperioden (insbesondere vor Operationen, hier 3-4 Tage vorher absetzen)
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Vorliegen von Ketonkörpern
Einschränkungen für CGM-Systeme und Insulinpumpen
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Bildgebung: CGM-Geräte und Insulinpumpen müssen vor MRT- und CT-Untersuchungen sowie Strahlentherapien entfernt werden.
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Medikamenten-Interferenzen: CGM-Werte können durch Medikamente wie Paracetamol, Ascorbinsäure (Vitamin C), Heparin oder Salicylsäure verfälscht werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich vor dem Risiko einer euglykämischen diabetischen Ketoazidose unter SGLT2-Inhibitoren bei stationären Akuterkrankungen oder Nüchternphasen. Es wird empfohlen, diese Medikamente bei schweren Infektionen oder vor Operationen rechtzeitig zu pausieren und bei unklaren klinischen Symptomen stets eine venöse Blutgasanalyse zum Ausschluss einer Ketoazidose durchzuführen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für alle hospitalisierten Personen, auch auf Intensivstationen, einen Zielbereich von 140-180 mg/dl. Niedrigere Ziele (100-180 mg/dl) sind nur bei ausgewählten Personen vertretbar, sofern Hypoglykämien sicher vermieden werden.
Bei einer eGFR über 45 ml/min kann Metformin bei intravenöser Gabe fortgeführt werden. Bei intraarterieller Gabe oder einer eGFR zwischen 30 und 44 ml/min wird empfohlen, Metformin 48 Stunden vor der Untersuchung zu pausieren.
Laut Leitlinie erfolgt die Therapie durch Flüssigkeitssubstitution und eine Low-Dose-Insulintherapie (0,05 bis 0,1 I.E./kg Körpergewicht pro Stunde i.v.). Der Blutzucker sollte in den ersten 24 Stunden nicht unter 250 mg/dl gesenkt werden.
Ja, bei stabilen und selbstversorgungsfähigen Personen kann die Pumpentherapie fortgeführt werden. Ist die Person jedoch nicht in der Lage, die Pumpe sicher zu bedienen, wird eine Umstellung auf subkutane oder intravenöse Insulintherapie empfohlen.
Glukokortikoide erhöhen den Insulinbedarf um etwa 20 %. Bei kürzer wirksamen Präparaten wie Prednisolon wird der Einsatz von NPH-Insulin empfohlen, da dessen Wirkprofil gut zur Glukokortikoid-Wirkung passt.
Die Leitlinie empfiehlt, SGLT2-Inhibitoren 3 bis 4 Tage vor einem operativen Eingriff oder einer Koloskopie zu pausieren. Dies dient der Vermeidung einer euglykämischen Ketoazidose.
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Quelle: DDG: Wissenskarten_Diabetes_im_Krankenhaus.pdf pdf (DDG, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.