Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: DDG-Leitlinie 2025
Hintergrund
Die DDG-Praxisempfehlung 2025 behandelt die Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. Der Typ-1-Diabetes macht in Europa über 90 Prozent der Diabetesfälle im jungen Lebensalter aus.
Die Inzidenz des Typ-1-Diabetes ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch der Typ-2-Diabetes verzeichnet bei Kindern und Jugendlichen eine steigende Tendenz, insbesondere assoziiert mit Übergewicht und Adipositas.
Die Leitlinie unterteilt die Entstehung des Typ-1-Diabetes in drei Stadien. Diese reichen vom präsymptomatischen Nachweis von Autoantikörpern (Stadium 1 und 2) bis hin zur symptomatischen Manifestation mit Hyperglykämie (Stadium 3).
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:
Diagnostik
Für die Diagnosestellung eines Diabetes mellitus muss laut Leitlinie mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:
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HbA1c-Wert ≥ 6,5 Prozent
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Gelegenheits-Glukose ≥ 200 mg/dl bei vorliegender Symptomatik
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Nüchtern-Glukose ≥ 126 mg/dl
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2-Stunden-Glukose im oGTT ≥ 200 mg/dl
Zur Differenzierung des Typ-1-Diabetes wird die Bestimmung von diabetesassoziierten Autoantikörpern (ICA, IAA, GAD65A, IA-2, ZnT8) empfohlen. Bei negativen oder nur einem positiven Antikörper sollte gemäß Leitlinie immer auch eine andere Diabetesform, wie beispielsweise MODY, in Betracht gezogen werden.
Therapie und Technologie
Der Behandlungsstandard bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes ist die intensivierte Insulintherapie. Es wird empfohlen, diese wenn möglich mit einer Insulinpumpe und einem kontinuierlichen Glukosesensor (CGM) als Automated Insulin Delivery (AID)-System durchzuführen.
Die Leitlinie betont, dass AID-Systeme die Zeit im Zielbereich (Time in Range) signifikant verbessern und das Risiko für Hypoglykämien reduzieren. Eine strukturierte und altersgerechte Diabetesschulung wird als integraler Bestandteil jeder Therapieform angesehen.
Therapieziele
Es werden klare glykämische Zielwerte definiert, um akute Entgleisungen und Langzeitkomplikationen zu vermeiden. Der angestrebte HbA1c-Wert soll unter 7,0 Prozent liegen, sofern dies ohne schwere Hypoglykämien erreichbar ist.
Zusätzlich werden folgende CGM-basierte Zielwerte empfohlen:
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Time in Range (TiR 70-180 mg/dl): > 70 Prozent
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Time below Range (TbR < 70 mg/dl): < 4 Prozent
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Time below Range (TbR < 54 mg/dl): < 1 Prozent
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Glykämische Variabilität (CV): < 36 Prozent
Langzeitmonitoring und Komorbiditäten
Aufgrund des erhöhten Risikos für assoziierte Autoimmunerkrankungen wird ein regelmäßiges Screening empfohlen. Bei Manifestation und im Verlauf sollen Schilddrüsenwerte (TSH, fT4, TPO-Antikörper) sowie Zöliakie-Marker (tTG-IgA-Antikörper) kontrolliert werden.
Zur Prävention mikrovaskulärer Folgeschäden wird ein jährliches Screening auf Mikroalbuminurie ab dem 11. Lebensjahr oder nach 5 Jahren Diabetesdauer empfohlen. Ebenso sollte ab diesem Zeitpunkt ein regelmäßiges Retinopathie- und Neuropathie-Screening erfolgen.
Dosierung
Die Leitlinie gibt spezifische Dosierungsempfehlungen für die Akutbehandlung der diabetischen Ketoazidose (DKA) sowie für die Initialtherapie des Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen vor.
Medikamentöse Behandlung der Ketoazidose
| Medikament | Dosis | Indikation / Zeitraum |
|---|---|---|
| NaCl 0,9 % | 10-20 ml/kg i.v. | Initiale Kreislaufstabilisierung (sofort über 1-2 Stunden) |
| Normalinsulin | 0,1 IE/kg/h i.v. (bei jüngeren Kindern 0,05 IE/kg/h) | Glukosesenkung (Beginn 1-2 h nach Volumengabe) |
| Glukose (5 %) | Endkonzentration in 0,45 % NaCl-Lösung | Vermeidung von Hypoglykämie (ab BZ < 270 mg/dl) |
| Kaliumchlorid (KCl) | 3-6 mmol/kg/Tag i.v. (max. 0,5 mmol/kg/h) | Kaliumausgleich (Start abhängig vom initialen Kaliumwert) |
Initialtherapie bei Typ-2-Diabetes
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Metformin | Anpassung bis 2000 mg/Tag (wenn toleriert) | Basistherapie bei HbA1c < 8,5 % ohne Azidose |
| Basalinsulin | Start mit 0,5 IE/kg/Tag s.c. | Bei HbA1c ≥ 8,5 % ohne Azidose (Anpassung alle 2-3 Tage) |
| Normalinsulin | i.v. Gabe nach DKA-Schema | Bei manifester Azidose oder HHS |
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass SGLT2-Hemmer bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes in der Regel nicht verwendet werden sollen und nicht zugelassen sind. Es wird ausdrücklich vor einem deutlich erhöhten Risiko für euglykämische Ketoazidosen unter dieser Medikamentenklasse gewarnt.
Bei Patienten mit einem Diabetes bei cystischer Fibrose (CFRD) ist eine Kalorienreduktion kontraindiziert. Es wird stattdessen eine hochkalorische, fettreiche Diät empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich vor der Entwicklung eines Hirnödems im Rahmen einer diabetischen Ketoazidose. Es wird betont, bei Warnzeichen wie Kopfschmerzen, anhaltendem Herzfrequenzabfall oder neurologischen Veränderungen umgehend eine Therapie mit Mannitol oder hypertoner Kochsalzlösung einzuleiten, noch bevor eine weiterführende Bildgebung erfolgt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfolgt zunächst eine Kreislaufstabilisierung mit isotoner Kochsalzlösung (10-20 ml/kg). Erst 1 bis 2 Stunden nach Beginn der Volumengabe wird eine intravenöse Insulintherapie mit 0,1 IE/kg/h (bei jüngeren Kindern 0,05 IE/kg/h) empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Time in Range (70-180 mg/dl) von über 70 Prozent. Gleichzeitig sollte die Zeit im hypoglykämischen Bereich (unter 70 mg/dl) weniger als 4 Prozent betragen.
Es wird empfohlen, Kinder und Jugendliche bei der Diabetesmanifestation und im weiteren Verlauf alle 2 Jahre auf Zöliakie zu untersuchen. Hierfür wird die Bestimmung von tTG-IgA-Antikörpern in Kombination mit dem Gesamt-IgA angeraten.
Gemäß Leitlinie soll allen Kindern und Jugendlichen direkt nach der Manifestation eine Insulinpumpentherapie oder eine intensivierte konventionelle Therapie (ICT) angeboten werden. Die Nutzung eines kontinuierlichen Glukosemonitorings (CGM), idealerweise als AID-System, wird stark befürwortet.
Ein Stadium 1 liegt vor, wenn mindestens zwei diabetesassoziierte Autoantikörper bei normaler Blutglukose nachweisbar sind. Im Stadium 2 kommen zu den Antikörpern erhöhte Blutglukosewerte (Dysglykämie) hinzu, klinische Symptome fehlen jedoch noch.
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Quelle: DDG: PE Diabetes im Kindes- & Jugendalter pdf (DDG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.