Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: DDG Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DDG (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Typ-1-Diabetes stellt mit über 90 Prozent die häufigste Diabetesform im Kindes- und Jugendalter dar. In Deutschland leben schätzungsweise über 32.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit dieser Erkrankung.

Die Inzidenz des Typ-1-Diabetes ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch der Typ-2-Diabetes verzeichnet bei Kindern und Jugendlichen eine steigende Neuerkrankungsrate, insbesondere bei Vorliegen von Adipositas.

Die DDG-Praxisempfehlung 2025 liefert evidenzbasierte Vorgaben für die altersgerechte Betreuung. Im Fokus stehen dabei moderne Diabetestechnologien sowie die Prävention von Akut- und Langzeitkomplikationen.

Empfehlungen

Die DDG-Praxisempfehlung 2025 formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik und Klassifikation

Laut Leitlinie wird die Diagnose eines Diabetes mellitus bei Vorliegen mindestens eines der folgenden Kriterien gestellt:

  • HbA1c-Wert von mindestens 6,5 Prozent (48 mmol/mol Hb)

  • Gelegenheits-Plasmaglukose von mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l) bei klinischer Symptomatik

  • Nüchtern-Plasmaglukose von mindestens 126 mg/dl (7,0 mmol/l)

  • 2-Stunden-Plasmaglukose im oGTT von mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l)

Es wird empfohlen, bei Manifestation diabetesassoziierte Autoantikörper (ICA, IAA, GAD65A, IA-2, ZnT8) zu bestimmen. Bei negativen Antikörpern sollte gemäß Leitlinie eine andere Diabetesform (wie Typ-2-Diabetes oder MODY) in Betracht gezogen werden.

Therapieziele

Die Leitlinie empfiehlt für alle Kinder und Jugendlichen mit Diabetes einen HbA1c-Zielwert von unter 7,0 Prozent (< 53 mmol/mol). Dabei sollen schwere Hypoglykämien vermieden werden.

Zusätzlich werden folgende CGM-basierte Zielwerte (Auswertung über 14 Tage) empfohlen:

  • Time-in-Range (70-180 mg/dl): > 70 Prozent

  • Time-below-Range (< 70 mg/dl): < 4 Prozent

  • Time-above-Range (> 180 mg/dl): < 25 Prozent

  • Glykämische Variabilität (CV): < 36 Prozent

Insulintherapie und Technologie

Als Behandlungsstandard bei Typ-1-Diabetes wird die intensivierte Insulintherapie empfohlen. Wenn möglich, sollte diese laut Leitlinie als sensorgestützte Pumpentherapie oder als Automated Insulin Delivery (AID)-System erfolgen.

Es wird empfohlen, allen Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes ein kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) anzubieten. Die Leitlinie betont, dass AID-Systeme die Zeit im Zielbereich signifikant verbessern und das Hypoglykämierisiko senken.

Screening auf Folge- und Begleiterkrankungen

Die Leitlinie empfiehlt ein regelmäßiges Screening auf mikrovaskuläre Komplikationen ab dem 11. Lebensjahr oder nach 5 Jahren Diabetesdauer. Dies umfasst:

  • Jährliches Screening auf Mikroalbuminurie

  • Zweijährliche binokulare Funduskopie in Mydriasis

  • Jährliche Untersuchung auf Neuropathie (Anamnese, Fußpulse, Sensibilität)

Zusätzlich wird bei Typ-1-Diabetes ein Screening auf assoziierte Autoimmunerkrankungen empfohlen. Dazu zählen die Bestimmung von TSH und TPO-Antikörpern sowie die Untersuchung auf Zöliakie (tTG-IgA-Antikörper und Gesamt-IgA).

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende Dosierungsempfehlungen für die medikamentöse Behandlung der diabetischen Ketoazidose (DKA):

BehandlungszielMedikamentDosisZeitliche Abfolge
Initiale KreislaufstabilisierungNaCl 0,9 %10-20 ml/kg i.v.sofort über 1-2 Stunden
FlüssigkeitsausgleichNaCl 0,9 % oder balancierte Vollelektrolytlösungmax. 1,5- bis 2-fache des Erhaltungsbedarfsüber 24-48 Stunden
GlukosesenkungNormalinsulin0,1 IE/kg/h i.v. (bei jüngerem Kind 0,05 IE/kg/h)Beginn 1-2 h nach Volumengabe
Vermeidung von HypoglykämieGlukose (Endkonzentration 5 % in 0,45 % NaCl)nach BedarfBeginn ab BZ 270 mg/dl oder BZ-Senkung > 90 mg/dl/h
KaliumausgleichKaliumchlorid (KCl)3-6 mmol/kg/Tag i.v. (max. 0,5 mmol/kg/h)Startinfusion mit 40 mmol/l

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät vom Einsatz adjunktiver medikamentöser Therapien wie Metformin oder SGLT2-Hemmern bei Typ-1-Diabetes im Kindes- und Jugendalter ab. Es wird ausdrücklich vor SGLT2-Hemmern gewarnt, da ein deutlich erhöhtes Risiko für eine euglykämische Ketoazidose besteht.

Bei Vorliegen eines Diabetes bei cystischer Fibrose (CFRD) ist eine Kalorienreduktion laut Leitlinie kontraindiziert. Es wird stattdessen eine hochkalorische, fettreiche Diät empfohlen.

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💡Praxis-Tipp

Bei Kindern und Jugendlichen mit neu diagnostiziertem Diabetes und negativen diabetesassoziierten Autoantikörpern wird empfohlen, stets an andere Diabetesformen wie einen Typ-2-Diabetes oder MODY zu denken. Insbesondere bei einer Manifestation im ersten Lebenshalbjahr sollte gemäß Leitlinie zeitnah eine molekulargenetische Diagnostik auf einen neonatalen Diabetes erfolgen, da hier oft eine Umstellung auf orale Sulfonylharnstoffe möglich ist.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, ab dem 11. Lebensjahr oder nach einer Diabetesdauer von 5 Jahren mit dem Screening auf mikrovaskuläre Komplikationen zu beginnen. Dies umfasst unter anderem jährliche Urinuntersuchungen auf Mikroalbuminurie und zweijährliche augenärztliche Kontrollen.

Es wird eine Time-in-Range (70-180 mg/dl) von über 70 Prozent empfohlen. Gleichzeitig sollte laut Leitlinie die Zeit im hypoglykämischen Bereich (< 70 mg/dl) unter 4 Prozent und die glykämische Variabilität unter 36 Prozent liegen.

Gemäß Leitlinie steht die Kreislaufstabilisierung mit einem initialen Volumenbolus (isotonische Kochsalzlösung) im Vordergrund. Die intravenöse Insulintherapie zur Glukosesenkung sollte erst 1 bis 2 Stunden nach Beginn der Volumengabe gestartet werden.

Die Leitlinie rät bei erhöhten Glukosewerten (≥ 250 mg/dl) in Kombination mit erhöhten Blutketonen (≥ 1,5 mmol/l) strikt von sportlicher Betätigung ab. Bei Ketonwerten zwischen 0,6 und 1,4 mmol/l wird empfohlen, diese vor dem Sportbeginn zu behandeln.

Es wird auf ein erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis und Zöliakie hingewiesen. Daher empfiehlt die Leitlinie ein regelmäßiges Screening auf Schilddrüsenfunktionsstörungen und Zöliakie-spezifische Antikörper.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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