Dapagliflozin bei Typ-2-Diabetes: Indikation und Nutzen
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Nutzenbewertung von Dapagliflozin. Bewertet wird das Teilanwendungsgebiet der Add-on-Kombinationstherapie mit Metformin bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, deren Blutzucker durch Metformin, Diät und Bewegung nicht ausreichend kontrolliert wird.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der G-BA eine Kombination aus Metformin und einem Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid), Empagliflozin oder Liraglutid (bei manifester kardiovaskulärer Erkrankung) fest. Der pharmazeutische Unternehmer wählte für seine Studien den Vergleich mit Sulfonylharnstoffen.
Zur Bewertung wurden die randomisierten kontrollierten Studien DapaZu (Vergleich mit Glimepirid) und D1690C00004 (Vergleich mit Glipizid) herangezogen. Laut IQWiG-Bericht lässt sich aus den vorgelegten Daten jedoch kein Zusatznutzen für Dapagliflozin ableiten.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Das IQWiG kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Dapagliflozin in Kombination mit Metformin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt ist. Aus den vorgelegten Studien lässt sich laut Bericht kein Vorteil für Dapagliflozin ableiten.
Kritik an der Studiendurchführung
Die Ergebnisse der Hauptstudie DapaZu zum Endpunkt Hypoglykämien werden vom IQWiG als nicht interpretierbar eingestuft. Die Gründe hierfür sind:
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Eine nicht sachgerechte Titration des Vergleichsmedikaments Glimepirid, bei der regelhaft auf bis zu 6 mg/Tag aufdosiert wurde, was nicht der Fachinformation entspricht.
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Deutliche Unterschiede in der Blutzuckersenkung zwischen den Studienarmen, wobei die Nichtunterlegenheit von Dapagliflozin im Studienverlauf nicht erreicht wurde.
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Eine intransparente Festlegung der individuellen Blutzuckertherapieziele, die unter Dapagliflozin seltener erreicht wurden.
Nebenwirkungsprofil
Bei einer ergänzenden Betrachtung der Studienergebnisse zeigt sich laut IQWiG kein genereller Vorteil für Dapagliflozin. Der Bericht stellt folgende Beobachtungen gegenüber:
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Unter Dapagliflozin traten weniger nicht schwere Hypoglykämien auf.
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Demgegenüber kam es unter Dapagliflozin häufiger zu Genitalinfektionen und Harnwegsinfektionen.
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Zudem wurden im Dapagliflozin-Arm mehr Therapieabbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen verzeichnet.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation / Besonderheit |
|---|---|---|
| Dapagliflozin | 10 mg 1-mal täglich | Standarddosierung zur Blutzuckerkontrolle |
| Dapagliflozin | 5 mg 1-mal täglich | Startdosis bei schwerer Leberfunktionsstörung (Erhöhung auf 10 mg bei guter Verträglichkeit möglich) |
Kontraindikationen
Laut Fachinformation und IQWiG-Bericht gelten folgende Warnhinweise und Einschränkungen für Dapagliflozin:
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Nierenfunktion: Die Anwendung wird bei moderater bis schwerer Nierenfunktionsstörung nicht empfohlen.
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Alter: Der Beginn einer Therapie bei Patientinnen und Patienten ab 75 Jahren wird nicht empfohlen.
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Begleitmedikation: Die gleichzeitige Anwendung von Schleifendiuretika wird nicht empfohlen.
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Warnhinweise: Es bestehen Warnhinweise bezüglich Volumenmangel, Hypotonie, diabetischer Ketoazidose, Harnwegsinfektionen, Herzinsuffizienz und Amputationen der unteren Gliedmaßen.
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Kontraindikation: Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht weist nachdrücklich darauf hin, dass eine schrittweise Titration von Glimepirid laut Fachinformation nur bis zu einer Dosis von 4 mg/Tag erfolgen sollte. Dosen von mehr als 4 mg täglich verbessern die Wirkung nur in Einzelfällen, erhöhen jedoch das Risiko für Hypoglykämien signifikant. Es wird betont, dass Therapieziele stets patientenindividuell unter Abwägung von Nutzen und Risiken festgelegt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut der IQWiG-Nutzenbewertung ist ein Zusatznutzen von Dapagliflozin als Add-on zu Metformin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vorgelegten Studiendaten zeigten keinen eindeutigen Vorteil.
Die empfohlene Standarddosis beträgt laut Bericht 10 mg einmal täglich. Bei Vorliegen einer schweren Leberfunktionsstörung wird eine Startdosis von 5 mg empfohlen.
Der Bericht hält fest, dass die Anwendung von Dapagliflozin bei Patientinnen und Patienten mit moderater bis schwerer Nierenfunktionsstörung nicht empfohlen wird.
Die Auswertung der Studiendaten durch das IQWiG zeigt, dass unter Dapagliflozin vermehrt Genitalinfektionen und Harnwegsinfektionen auftreten. Zudem kam es häufiger zu Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Ereignissen.
Gemäß den im Bericht zitierten Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung wird die Gabe von Dapagliflozin bei Patientinnen und Patienten, die Schleifendiuretika erhalten, nicht empfohlen.
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Quelle: IQWiG A17-65: Dapagliflozin (Diabetes mellitus Typ 2) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (neue wissenschaftliche Erkenntnisse) (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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