AkdÄ2022

COVID-19-Impfung: Nebenwirkungen, Myokarditis und TTS

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AkdÄ (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) fasst die gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach COVID-19-Impfungen in Deutschland zusammen. Der Beobachtungszeitraum erstreckt sich vom Beginn der Impfkampagne im Dezember 2020 bis Ende November 2021.

In diesem Zeitraum wurden über 123 Millionen Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty und Spikevax sowie den Vektor-Impfstoffen Vaxzevria und COVID-19 Vaccine Janssen durchgeführt. Die allgemeine Melderate betrug 1,6 Verdachtsfälle pro 1.000 Impfdosen.

Schwerwiegende Reaktionen wurden mit einer Häufigkeit von 0,2 Meldungen pro 1.000 Impfdosen erfasst. Der Bericht betont, dass die ganz überwiegende Mehrzahl der Nebenwirkungen vorübergehende lokale und systemische Reaktionen darstellt.

Empfehlungen

Der Bericht des PEI beschreibt spezifische, sehr seltene Risikosignale für die zugelassenen Impfstoffe.

Myokarditis und Perikarditis

Nach der Gabe von mRNA-Impfstoffen wird ein erhöhtes Risiko für Myokarditis und Perikarditis beschrieben. Dies betrifft laut Bericht insbesondere junge Männer nach der zweiten Impfdosis.

Die Daten zeigen folgende Charakteristika:

  • Ein Auftreten der ersten Beschwerden typischerweise innerhalb weniger Tage nach der Impfung

  • Eine höhere Melderate nach Spikevax im Vergleich zu Comirnaty bei jüngeren Menschen

  • Einen zumeist milden Verlauf, der gut auf Behandlung und Ruhe anspricht

Aufgrund dieser Datenlage wird auf die Empfehlung der STIKO verwiesen, Personen unter 30 Jahren vorsorglich mit Comirnaty zu impfen.

Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS)

Für die Vektor-Impfstoffe Vaxzevria und COVID-19 Vaccine Janssen wird ein sehr seltenes Syndrom aus venösen oder arteriellen Thrombosen und Thrombozytopenie beschrieben. Die Thrombosen treten oftmals an ungewöhnlichen Lokalisationen wie zerebralen Hirnvenen auf.

Der Bericht hebt folgende diagnostische Marker hervor:

  • Hohe Konzentrationen von Antikörpern gegen Plättchenfaktor 4 (Anti-PF4-Antikörper)

  • Eine starke Aktivierung von Thrombozyten in entsprechenden Gerinnungstests

  • Ein Muster, das der atypischen Heparin-induzierten Thrombozytopenie (aHIT) ähnelt

Es wird betont, dass die frühzeitige Diagnose und Behandlung dieses Syndroms von besonderer Wichtigkeit ist.

Anaphylaktische Reaktionen

Anaphylaktische Reaktionen werden als sehr seltene Komplikationen aller vier Impfstoffe eingestuft. Die Melderate liegt bei weniger als einem Fall pro 100.000 Impfungen.

Es wird berichtet, dass diese Reaktionen bei Frauen und nach der ersten Impfdosis etwas häufiger auftreten. Erste Studien weisen darauf hin, dass es sich oft um nicht-IgE-vermittelte Pseudoallergien handelt.

Auffrischungsimpfungen (Booster)

Erste Daten zur dritten Impfung mit Comirnaty oder Spikevax deuten auf ein günstiges Sicherheitsprofil hin. Die Melderaten für Verdachtsfälle sind hierbei deutlich geringer als nach der Grundimmunisierung.

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren entspricht die Verträglichkeit der mRNA-Impfstoffe weitgehend der von jungen Erwachsenen. Am häufigsten werden Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Ermüdung gemeldet.

Kontraindikationen

Der Bericht ordnet bestimmte schwerwiegende Risiken spezifischen Impfstoffklassen zu.

ImpfstoffklasseSpezifisches RisikosignalBetroffene Personengruppe
mRNA-Impfstoffe (Comirnaty, Spikevax)Myokarditis und PerikarditisInsbesondere junge Männer (18-29 Jahre) nach der 2. Dosis
Vektor-Impfstoffe (Vaxzevria, Janssen)Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS)Sehr selten, oftmals ungewöhnliche Lokalisationen
Vektor-Impfstoffe (Vaxzevria, Janssen)Guillain-Barré-Syndrom (GBS)Sehr selten
Alle COVID-19-ImpfstoffeAnaphylaxieSehr selten (< 1/100.000), häufiger bei Frauen und nach 1. Dosis

Bei Personen mit einer Immunthrombozytopenie (ITP) in der Vorgeschichte wird laut Bericht empfohlen, vor der Impfung mit einem Vektor-Impfstoff das Risiko für niedrige Blutplättchenwerte zu bedenken. Nach der Impfung wird in diesen Fällen eine Überwachung der Thrombozytenzahl angeraten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Bericht betont die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnose bei Verdacht auf ein Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) nach Vektor-Impfstoffen, welches sich durch Thrombosen an ungewöhnlichen Orten und Anti-PF4-Antikörper auszeichnet. Bei jungen Männern, die sich wenige Tage nach einer mRNA-Impfung mit Brustschmerzen vorstellen, wird eine klinische Abklärung hinsichtlich einer Myokarditis angeraten.

Häufig gestellte Fragen

Laut PEI-Bericht ist das Risiko sehr selten, tritt aber gehäuft bei jungen Männern zwischen 18 und 29 Jahren nach der zweiten Dosis eines mRNA-Impfstoffs auf. Die Melderate ist nach Spikevax höher als nach Comirnaty, weshalb die STIKO für Personen unter 30 Jahren Comirnaty empfiehlt.

Die Daten zeigen, dass die Melderaten für Nebenwirkungen nach der dritten Impfdosis mit mRNA-Impfstoffen deutlich geringer ausfallen als nach der Grundimmunisierung. Es werden vorwiegend vorübergehende lokale Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle gemeldet.

Ein Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) ist charakterisiert durch Thrombosen an ungewöhnlichen Lokalisationen, wie Sinusvenen, bei gleichzeitiger Thrombozytopenie. Diagnostisch wegweisend ist laut Bericht der Nachweis von Antikörpern gegen den Plättchenfaktor 4 (Anti-PF4).

Eine statistische Analyse des PEI ergab für keinen der eingesetzten Impfstoffe ein Risikosignal für eine erhöhte Sterblichkeit. Die Anzahl der gemeldeten Todesfälle lag nicht über der statistisch zufällig zu erwartenden Hintergrundinzidenz.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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