Memantin bei Autismus-Spektrum-Störung: Cochrane Review
Hintergrund
Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine Entwicklungsstörung, die typischerweise bei etwa ein bis zwei Prozent der Kinder auftritt. Sie ist durch Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation sowie durch repetitive und eingeschränkte Verhaltensweisen gekennzeichnet.
Diese Symptome können die Lebensqualität, die schulischen Leistungen und die sozialen Interaktionen der betroffenen Kinder negativ beeinflussen.
Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass Memantin, ein klassisches Demenzmedikament, die Kernsymptome von Autismus lindern könnte. Zudem wird ein möglicher Nutzen bei Begleitsymptomen wie Hyperaktivität und Sprachschwierigkeiten diskutiert.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review fasst die Evidenz zur Behandlung von Autismus mit Memantin zusammen.
Wirksamkeit auf Kernsymptome
-
Es gibt keine klare Evidenz für einen Unterschied zwischen Memantin und Placebo hinsichtlich der Schwere der Autismus-Kernsymptome.
-
Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird als sehr gering eingestuft.
-
Bisherige Studien weisen ein hohes Verzerrungsrisiko (Risk of Bias) auf.
Sekundäre Endpunkte und Nebenwirkungen
-
Bei den unerwünschten Ereignissen zeigt sich laut Review möglicherweise kein Unterschied zwischen Verum und Placebo (geringe Evidenz).
-
Auch bei sekundären Endpunkten wie Sprache, Gedächtnis, adaptivem Verhalten, Hyperaktivität oder Irritabilität lässt sich kein klarer Vorteil von Memantin belegen.
Studienpopulation
Die eingeschlossenen Studien untersuchten ausschließlich Kinder und Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 9,4 Jahren. Zur Wirksamkeit von Memantin bei Erwachsenen mit Autismus liegen derzeit keine Daten vor.
Dosierung
In den untersuchten Studien wurde die Dosierung von Memantin an das Körpergewicht der Kinder angepasst.
| Medikament | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Memantin | 3 bis 15 mg pro Tag (gewichtsabhängig) | Autismus-Spektrum-Störung (Studienbedingung) |
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass der Off-Label-Einsatz von Memantin zur Behandlung von Kern- oder Begleitsymptomen bei autistischen Kindern aktuell nicht durch belastbare Evidenz gestützt wird. Es wird darauf hingewiesen, dass die bisherigen Studien ein hohes Verzerrungsrisiko aufweisen und keine Wirksamkeitsdaten für erwachsene Personen vorliegen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine klare Evidenz dafür, dass Memantin die Kernsymptome der Autismus-Spektrum-Störung lindert. Die Qualität der bisherigen Studien wird als sehr gering eingestuft.
Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse zeigte möglicherweise keinen Unterschied zwischen Memantin und Placebo. Die Evidenz hierfür ist jedoch gering, sodass keine abschließende Aussage zur Sicherheit getroffen werden kann.
Der Review fand keinen belegten Unterschied zwischen Memantin und Placebo bezüglich sekundärer Endpunkte. Dies schließt Hyperaktivität, Irritabilität und Sprachschwierigkeiten ein.
In den untersuchten Studien erhielten die Kinder gewichtsadaptierte Dosierungen. Diese lagen zwischen 3 mg und 15 mg Memantin pro Tag.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Memantine for autism spectrum disorder (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.