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Autismus-Spektrum-Störung (ASS): Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf SIGN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein generelles Populationsscreening auf ASS wird nicht empfohlen; stattdessen sollte eine aufmerksame Überwachung (Surveillance) erfolgen.
  • Ein Sprach- oder Sozialkompetenzverlust bei Kindern unter 3 Jahren ist ein starker Prädiktor und erfordert eine sofortige Überweisung.
  • Mädchen und Frauen mit ASS können ein abweichendes Symptomprofil aufweisen und werden oft später oder seltener diagnostiziert.
  • Die Diagnosestellung sollte durch ein erfahrenes, multidisziplinäres Team basierend auf aktuellen ICD- oder DSM-Kriterien erfolgen.
  • Routineuntersuchungen wie MRT oder EEG sind ohne spezifische klinische Indikation nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine komplexe Entwicklungsstörung, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch stereotype, repetitive Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Die Diagnose sollte basierend auf den aktuellen Kriterien des DSM (z.B. DSM-5) oder der ICD erfolgen.

Erkennung und Screening

Ein allgemeines Populationsscreening auf ASS wird nicht empfohlen. Stattdessen sollte die Erkennung im Rahmen der regulären kindlichen Entwicklungsüberwachung (Surveillance) stattfinden.

  • Red Flag: Ein Verlust (Regression) von Sprach- oder Sozialkompetenzen bei Kindern unter 3 Jahren ist ein starker Prädiktor und sollte zu einer sofortigen Überweisung zur ASS-Diagnostik führen.
  • Risikogruppen: Geschwister von Kindern mit ASS haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Auch bei Vorliegen von Entwicklungsverzögerungen, emotionalen Problemen oder genetischen Syndromen sollte an ASS gedacht werden.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Mädchen und Frauen mit ASS präsentieren sich häufig mit einem abweichenden Symptomprofil, was zu Unter- oder Fehldiagnosen führen kann:

MerkmalBesonderheiten bei Mädchen/Frauen mit ASS
Soziales VerhaltenOft stärkerer Wunsch nach Freundschaften; soziale Defizite werden durch Imitation von Gleichaltrigen besser maskiert.
InteressenSpezialinteressen liegen oft in sozial akzeptierteren Bereichen (z.B. Pferde, Popstars).
Repetitives VerhaltenZeigen oft weniger ausgeprägte repetitive und eingeschränkte Verhaltensweisen als Jungen.
KomorbiditätenHöhere Inzidenz von Essstörungen.

Diagnostik

Die Diagnosestellung sollte durch ein erfahrenes, multidisziplinäres Team erfolgen. Ein umfassendes Assessment beinhaltet:

Diagnostik-BausteinBeschreibung
AnamneseDetaillierte Entwicklungsanamnese (inkl. pränatal/perinatal), Familienanamnese. Einsatz strukturierter Instrumente (z.B. ADI-R, DISCO) kann hilfreich sein.
Klinische BeobachtungDirekte Interaktion und Beobachtung des Verhaltens und der Kommunikation (z.B. mittels ADOS).
Funktionelle InformationenEinholen von Informationen aus verschiedenen Umgebungen (Schule, Arbeitsplatz, Familie).
Individuelles ProfilingBeurteilung von Sprachkompetenz, kognitiven Fähigkeiten und adaptiven Funktionen zur Interventionsplanung.

Begleiterkrankungen und medizinische Diagnostik

Personen mit ASS leiden häufiger an Begleiterkrankungen wie Schlafstörungen, Angstzuständen, Depressionen, ADHS und Epilepsie.

Routineuntersuchungen wie MRT des Schädels oder EEG werden nicht empfohlen, es sei denn, es liegen spezifische klinische Indikationen vor. Auch genetische Tests sollten nicht routinemäßig, sondern gezielt erfolgen:

StufeEmpfohlene genetische Untersuchungen (bei klinischer Indikation)
Basis (Tier 1)3-Generationen-Stammbaum, Untersuchung auf Dysmorphien, Chromosomen-Microarray (CGH), DNA-Test auf Fragiles X (nur bei Jungen routinemäßig).
Erweitert (Tier 2)MECP2-Sequenzierung (alle Mädchen mit ASS), PTEN-Testung (bei Makrozephalie >2,5 SD).

Nicht-pharmakologische Therapie

Interventionen sollten individuell angepasst werden und die Stärken sowie Schwächen der Person berücksichtigen.

  • Elternvermittelte Interventionen: Sollten für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen in Betracht gezogen werden, um die Interaktion zu fördern und elterlichen Stress zu reduzieren.
  • Kommunikation: Der Einsatz von visuellen Hilfen und Systemen wie dem Picture Exchange Communication System (PECS) kann die Kommunikation unterstützen.
  • Verhaltenstherapie: Intensive verhaltenstherapeutische und entwicklungsfördernde Programme (z.B. EIBI) können bei einigen Kindern kognitive und sprachliche Fähigkeiten verbessern und sollten im Einzelfall geprüft werden.
  • Erwachsene: Psychosoziale Interventionen sollten zur Behandlung von Begleiterkrankungen in Betracht gezogen werden.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Mädchen auf subtilere ASS-Symptome, da diese oft bessere Kompensationsstrategien besitzen und sozial akzeptiertere Spezialinteressen aufweisen. Ein Sprachverlust bei Kindern unter 3 Jahren ist ein absolutes Warnsignal (Red Flag).

Häufig gestellte Fragen

Nein, ein Populationsscreening wird nicht empfohlen. Die Erkennung sollte stattdessen über die reguläre kindliche Entwicklungsüberwachung erfolgen.
Erfahrene Fachkräfte können eine zuverlässige Diagnose oft schon im Alter von 2 bis 3 Jahren stellen.
Routineuntersuchungen werden nicht empfohlen. Bei klinischem Verdacht (z.B. Dysmorphien) ist ein Chromosomen-Microarray (CGH) Teil der Basisdiagnostik.
Sie zeigen oft weniger repetitive Verhaltensweisen und können soziale Defizite besser maskieren, was zu Fehldiagnosen führen kann.
Weder MRT noch EEG werden als Routineuntersuchungen bei ASS empfohlen, es sei denn, es liegen spezifische klinische Indikationen (wie Krampfanfälle) vor.

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