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Memantin bei Demenz: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Memantin bei Menschen mit Demenz. Memantin ist ein unkompetitiver Antagonist von Glutamat-NMDA-Rezeptoren.

Das Medikament ist primär für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Alzheimer-Krankheit zugelassen. In der Praxis wird es häufig auch zulassungsüberschreitend (Off-Label-Use) bei leichten Formen der Alzheimer-Demenz eingesetzt.

Die vorliegende Meta-Analyse wertet Daten aus 44 klinischen Studien mit knapp 10.000 Teilnehmern aus. Dabei wird unter anderem untersucht, ob die zusätzliche Gabe von Memantin bei Personen, die bereits Acetylcholinesterase-Hemmer einnehmen, einen Zusatznutzen bietet.

Empfehlungen

Der Review formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit von Memantin:

Mittelschwere bis schwere Alzheimer-Demenz

Laut Review zeigt sich ein kleiner, aber konsistenter klinischer Nutzen gegenüber Placebo (hohe Evidenzqualität). Dieser positive Effekt betrifft folgende Bereiche:

  • Kognitive Funktion

  • Alltagsaktivitäten (Activities of Daily Living)

  • Verhalten und Stimmung

  • Klinischer Gesamteindruck

Es wird beschrieben, dass dieser Nutzen unabhängig davon auftritt, ob die Betroffenen zusätzlich einen Acetylcholinesterase-Hemmer einnehmen oder nicht.

Leichte Alzheimer-Demenz

Für Personen mit leichter Alzheimer-Krankheit (MMSE 20 bis 23) zeigt die Auswertung wahrscheinlich keinen Unterschied zu Placebo (moderate Evidenzqualität).

Der Review betont, dass es keine Evidenz dafür gibt, dass Memantin das Fortschreiten der Erkrankung in diesem frühen Stadium stärker verzögert als ein Placebo. Zudem wird auf eine möglicherweise erhöhte Abbruchrate aufgrund von unerwünschten Ereignissen hingewiesen.

Vaskuläre Demenz und Agitation

Bei leichter bis mittelschwerer vaskulärer Demenz wird ein wahrscheinlicher kleiner Nutzen für die kognitive Funktion und das Verhalten beschrieben.

Bezüglich Agitation zeigt die Auswertung ein differenziertes Bild:

  • Memantin reduziert das Risiko, Agitation als unerwünschtes Ereignis neu zu entwickeln.

  • Es ist jedoch nicht als gezielte Therapie zur Behandlung einer bereits bestehenden Agitation wirksam.

Dosierung

Der Review schließt Studien ein, die folgende zugelassene Dosierungen von Memantin untersuchen:

WirkstoffDarreichungsformTagesdosis
MemantinStandard-Freisetzung20 mg
MemantinRetard-Formulierung (Extended Release)28 mg

Kontraindikationen

Der Review nennt keine absoluten Kontraindikationen, hebt jedoch spezifische unerwünschte Ereignisse hervor.

Laut Auswertung erhöht Memantin im Vergleich zu Placebo das Risiko für bestimmte Nebenwirkungen:

  • Schwindel (6,1 % vs. 3,9 %, moderate Evidenzqualität)

  • Kopfschmerzen (5,5 % vs. 4,3 %, niedrige Evidenzqualität)

Es wird jedoch betont, dass es keinen Unterschied in der Gesamtzahl der Stürze zwischen Memantin und Placebo gibt (hohe Evidenzqualität).

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💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis des Reviews ist der fehlende Nutzen von Memantin bei leichter Alzheimer-Demenz. Obwohl der Off-Label-Einsatz in diesem frühen Stadium in der Praxis häufig vorkommt, rät die Evidenzlage davon ab, da kein klinischer Vorteil besteht und das Risiko für Therapieabbrüche durch Nebenwirkungen steigt. Zudem wird hervorgehoben, dass Memantin nicht zur Behandlung einer bereits bestehenden Agitation geeignet ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review gibt es keinen klinischen Nutzen von Memantin bei Personen mit leichter Alzheimer-Krankheit. Die Auswertung zeigt keinen Unterschied zu Placebo, weist aber auf mögliche vermehrte Therapieabbrüche durch Nebenwirkungen hin.

Ja, der Review bestätigt, dass der kleine klinische Nutzen von Memantin bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz auch dann bestehen bleibt, wenn die Betroffenen bereits mit Acetylcholinesterase-Hemmern behandelt werden.

Die Auswertung zeigt, dass Memantin zwar das Neuauftreten von Agitation als Nebenwirkung reduzieren kann. Es ist jedoch nicht als Therapie zur Behandlung einer bereits bestehenden Agitation wirksam.

Der Review identifiziert Schwindel und Kopfschmerzen als die Nebenwirkungen, die unter Memantin häufiger auftreten als unter Placebo. Es wird jedoch hervorgehoben, dass das Medikament das Sturzrisiko nicht erhöht.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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