Pharmakotherapie bei Trichotillomanie: Cochrane Review
Hintergrund
Trichotillomanie ist eine psychische Störung, die durch das wiederholte Ausreißen der eigenen Haare gekennzeichnet ist. Dies führt bei den Betroffenen oft zu erheblichem Leidensdruck und Einschränkungen im Alltag.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Wirksamkeit verschiedener medikamentöser Ansätze. Es wurden Daten von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ausgewertet, um die Effekte im Vergleich zu Placebo oder anderen Medikamenten zu bewerten.
Insgesamt wurden zwölf randomisiert-kontrollierte Studien mit meist kleinen Fallzahlen eingeschlossen. Die Evidenzlage wird von den Autoren aufgrund der geringen Studiengrößen und methodischen Einschränkungen insgesamt als limitiert eingestuft.
Empfehlungen
Der Cochrane Review kommt zu dem Schluss, dass die Evidenz aus Meta-Analysen nicht ausreicht, um die Wirksamkeit einer bestimmten Medikamentenklasse abschließend zu bestätigen. Es gibt jedoch vorläufige Hinweise auf den Nutzen einzelner Substanzen bei Erwachsenen.
Vergleich der untersuchten Wirkstoffklassen bei Erwachsenen
Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der Vergleiche mit Placebo bei erwachsenen Personen nach einer Behandlungsdauer von 5 bis 13 Wochen zusammen:
| Wirkstoffklasse (Beispiel) | Ansprechrate Verum | Ansprechrate Placebo | Evidenzgrad (Cochrane) |
|---|---|---|---|
| Glutamat-Modulatoren (N-Acetylcystein) | 56 % | 16 % | Moderat |
| Antipsychotika (Olanzapin) | 85 % | 17 % | Niedrig |
| Trizyklische Antidepressiva (Clomipramin) | 40 % | 0 % | Sehr niedrig |
| Antioxidantien (Silymarin) | 35,7 % | 28,6 % | Niedrig |
| Zellsignal-Transduktoren (Inositol) | 42,1 % | 31,6 % | Niedrig |
| Opioid-Antagonisten (Naltrexon) | 37,5 % | 25 % | Sehr niedrig |
Kinder und Jugendliche
Die Datenlage für pädiatrische Kohorten wird als stark limitiert beschrieben. In einer Studie zu N-Acetylcystein bei Kindern und Jugendlichen zeigte sich kein Unterschied in der Ansprechrate im Vergleich zu Placebo.
Sicherheit und Therapieabbruch
Laut Review gibt es kaum verwertbare Daten zu Therapieabbrüchen aufgrund unerwünschter Ereignisse. Bei Clomipramin wird auf eine möglicherweise erhöhte Abbruchrate im Vergleich zu Placebo hingewiesen (sehr niedrige Evidenz).
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review betont, dass es derzeit keine medikamentöse Standardtherapie für die Trichotillomanie mit hoher Evidenz gibt. Es wird darauf hingewiesen, dass N-Acetylcystein, Olanzapin und Clomipramin bei Erwachsenen die vielversprechendsten Ansätze darstellen. Bei Kindern und Jugendlichen konnte bisher für kein Medikament ein signifikanter Nutzen belegt werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es keine Substanz mit ausreichend hoher Evidenz für eine generelle Empfehlung. Vorläufige Daten deuten jedoch auf einen möglichen Nutzen von N-Acetylcystein, Olanzapin und Clomipramin bei Erwachsenen hin.
Bei Erwachsenen zeigt N-Acetylcystein laut Review eine wahrscheinlich höhere Ansprechrate als Placebo (moderate Evidenz). Bei Kindern und Jugendlichen konnte hingegen kein Unterschied zu Placebo festgestellt werden.
Der Review fand keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) bezüglich der Ansprechrate. Es zeigte sich lediglich, dass die Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen ähnlich wie bei Placebo waren.
Die Auswertung einer einzelnen Studie zu Olanzapin zeigte ein möglicherweise deutlich besseres Ansprechen im Vergleich zu Placebo. Die Autoren stufen die Evidenz hierfür jedoch als niedrig ein.
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Quelle: Cochrane Review: Pharmacotherapy for trichotillomania (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.