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Glutenfreie Ernährung und Herz-Kreislauf-Risiko: Cochrane

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit eine der Haupttodesursachen und gehen mit einer hohen Morbidität einher. Eine suboptimale Ernährung gilt als wesentlicher modifizierbarer Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In der Allgemeinbevölkerung erfreuen sich glutenreduzierte oder glutenfreie Ernährungsweisen zunehmender Beliebtheit. Es wird von vielen Menschen vermutet, dass der Verzicht auf Gluten gesundheitliche Vorteile bietet und chronischen Krankheiten vorbeugen kann.

Gleichzeitig bestehen Bedenken, dass eine glutenfreie Ernährung zu einem Mangel an Ballaststoffen und essenziellen Mikronährstoffen führen könnte. Der vorliegende Cochrane Review (2022) evaluiert die Evidenz zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine glutenreduzierte Diät bei Personen ohne Zöliakie.

Empfehlungen

Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zur glutenfreien Ernährung in der Primärprävention:

Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse

Laut der Übersichtsarbeit gibt es derzeit keine belastbare Evidenz für einen kardiovaskulären Nutzen durch den Verzicht auf Gluten. Es wird betont, dass die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz insgesamt niedrig bis sehr niedrig ist.

  • Es zeigt sich kein Zusammenhang zwischen dem Glutenkonsum und der kardiovaskulären Sterblichkeit (niedrige Evidenz).

  • Ein Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit ist derzeit unklar (sehr niedrige Evidenz).

  • Für das Auftreten von nicht-tödlichen Herzinfarkten lässt sich kein schützender Effekt einer glutenreduzierten Diät nachweisen.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

Die Auswertung der Beobachtungsstudien liefert wichtige Hinweise bezüglich der Entwicklung von Stoffwechselerkrankungen.

  • Ein geringerer Glutenkonsum ist möglicherweise mit einem leicht erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden (niedrige Evidenz).

  • Es gibt keine nachweisbaren Unterschiede bezüglich des systolischen oder diastolischen Blutdrucks.

  • Auswirkungen auf den Body-Mass-Index (BMI) oder die LDL-Cholesterinwerte sind laut der Datenlage nicht feststellbar.

Klinische Schlussfolgerung

Aufgrund der methodischen Einschränkungen und der überwiegend auf Beobachtungsstudien basierenden Datenlage können keine Empfehlungen für die Praxis abgeleitet werden. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung wird als fraglich eingestuft.

Übersicht der Endpunkte nach Evidenzgrad

Die folgende Tabelle fasst die Auswirkungen eines niedrigen Glutenkonsums im Vergleich zu einem hohen Konsum zusammen:

EndpunktEffekt durch niedrigen GlutenkonsumVertrauenswürdigkeit der Evidenz
Kardiovaskuläre SterblichkeitKein Zusammenhang nachweisbarNiedrig
GesamtsterblichkeitUnklarer ZusammenhangSehr niedrig
Nicht-tödlicher HerzinfarktKein Zusammenhang nachweisbarNiedrig
Typ-2-DiabetesMöglicherweise leicht erhöhtes RisikoNiedrig
Systolischer BlutdruckUnklarer EffektSehr niedrig
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💡Praxis-Tipp

Es wird darauf hingewiesen, dass eine glutenfreie Ernährung bei herzgesunden Personen ohne Zöliakie keinen nachweisbaren kardiovaskulären Nutzen bietet. Vielmehr deutet die Datenlage darauf hin, dass ein Verzicht auf glutenhaltige Getreideprodukte das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes leicht erhöhen könnte, was möglicherweise auf eine geringere Ballaststoffaufnahme zurückzuführen ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass eine glutenreduzierte oder glutenfreie Ernährung das Risiko für einen Herzinfarkt in der Allgemeinbevölkerung senkt. Die Studienlage zeigt keinen Zusammenhang zwischen Glutenkonsum und kardiovaskulären Ereignissen.

Die Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass ein geringerer Glutenkonsum möglicherweise mit einem leicht erhöhten Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes verbunden ist. Dies könnte auf einen reduzierten Verzehr von ballaststoffreichen Vollkornprodukten zurückzuführen sein.

Es lassen sich laut der aktuellen Datenlage keine signifikanten Unterschiede zwischen einer glutenfreien und einer herkömmlichen Ernährung in Bezug auf Blutdruck, LDL-Cholesterin oder den BMI feststellen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.

Der Review kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der unzureichenden und qualitativ schwachen Datenlage keine Empfehlungen für eine glutenfreie Ernährung zur Primärprävention ausgesprochen werden können. Bei Personen ohne Zöliakie oder Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität ist ein präventiver Nutzen nicht belegt.

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Quelle: Cochrane Review: Effects of a gluten-reduced or gluten-free diet for the primary prevention of cardiovascular disease (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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