KVT bei sexuell übergriffigen Jugendlichen: Cochrane Review
Hintergrund
Etwa einer von 1000 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren zeigt ein problematisches oder sexuell übergriffiges Verhalten. Dieses Verhalten tritt häufiger auf als entwicklungsgerecht wäre, ist mit Zwang verbunden oder betrifft Kinder unterschiedlichen Alters.
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) basiert auf dem Ansatz, durch eine Veränderung der Denkmuster und die Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien eine Verhaltensänderung herbeizuführen.
Der vorliegende Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit der KVT bei männlichen Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren. Die eingeschlossenen Studien weisen jedoch sehr kleine Stichprobengrößen und eine kurze Beobachtungsdauer auf.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die Ergebnisse aus vier randomisiert-kontrollierten Studien zusammen. Die Evidenz für alle untersuchten Parameter wird als sehr gering (very low-certainty evidence) eingestuft.
Primäre Endpunkte
Laut den Autoren gibt es keine ausreichenden Daten zu den primären Endpunkten wie Rückfälligkeit, Selbstverletzung oder suizidalem Verhalten beim Vergleich von KVT mit keiner Behandlung.
Beim Vergleich von KVT mit alternativen Therapien zeigt sich kein wesentlicher Unterschied bei den posttherapeutischen Werten für sexuelle Aggression.
Vergleich der Therapieansätze
Die Übersichtsarbeit vergleicht die KVT mit verschiedenen Kontrollbedingungen hinsichtlich der sekundären Endpunkte:
| Vergleichsgruppe | Kognitive Verzerrungen | Opferempathie |
|---|---|---|
| Keine Behandlung | Keine Daten | Mögliche Verbesserung durch KVT |
| Standardbehandlung (TAU) | Kein wesentlicher Unterschied | Keine Daten |
| Sexualaufklärung | Mögliche Reduktion durch KVT | Keine Daten |
Sekundäre Endpunkte im Detail
Die Auswertung der sekundären Endpunkte zeigt folgende Tendenzen:
-
Eine gruppenbasierte KVT kann im Vergleich zu keiner Behandlung die Opferempathie verbessern.
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Im Vergleich zur reinen Sexualaufklärung kann die KVT kognitive Verzerrungen bezüglich Rechtfertigung und Verantwortungsübernahme reduzieren.
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Bei unangemessenen sexuellen Fantasien zeigt sich kein Unterschied zwischen KVT und Sexualaufklärung.
Studienqualität und Ausblick
Die Autoren betonen, dass es ungewiss ist, ob KVT das sexuell übergriffige Verhalten bei männlichen Jugendlichen im Vergleich zu anderen Behandlungen reduziert.
Es wird darauf hingewiesen, dass alle eingeschlossenen Studien ein unklares oder hohes Verzerrungsrisiko (Risk of Bias) aufweisen. Der Review fordert robustere Evaluationen von Einzel- und Gruppen-KVT mit diverseren Teilnehmergruppen.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review verdeutlicht, dass die Evidenz für die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie bei sexuell übergriffigen Jugendlichen aktuell sehr schwach ist. Es wird darauf hingewiesen, dass in der Praxis nicht von einer gesicherten Reduktion der Rückfälligkeit ausgegangen werden kann. Die Therapieentscheidung sollte daher individuell und unter Berücksichtigung der unklaren Datenlage getroffen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist es aktuell ungewiss, ob die kognitive Verhaltenstherapie das sexuell übergriffige Verhalten im Vergleich zu anderen Behandlungen reduziert. Die vorhandene Evidenz wird als sehr gering eingestuft.
Es gibt Hinweise von sehr geringer Sicherheit, dass eine gruppenbasierte KVT die Opferempathie im Vergleich zu keiner Behandlung verbessern kann. Weitere Forschung könnte diese Einschätzung jedoch ändern.
Der Review stellt fest, dass in den eingeschlossenen Studien keine Daten zu primären Endpunkten wie der Rückfälligkeit beim Vergleich von KVT mit keiner Behandlung oder Standardtherapie vorliegen. Eine verlässliche Aussage ist daher nicht möglich.
Die Autoren bewerten das Verzerrungsrisiko (Risk of Bias) der eingeschlossenen Studien überwiegend als unklar oder hoch. Zudem werden die sehr kleinen Stichprobengrößen und die kurze Studiendauer kritisiert.
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Quelle: Cochrane Review: Cognitive-behavioural therapy (CBT) interventions for young people aged 10 to 18 with harmful sexual behaviour (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.