CochraneIa2020

Kognitive Verhaltenstherapie bei kindlicher Angst: Cochrane

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Angststörungen im Kindes- und Jugendalter können zu erheblichen Einschränkungen im familiären und schulischen Umfeld führen. Zudem erhöhen sie das Risiko für die Entwicklung weiterer psychischer Erkrankungen im späteren Leben.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als etabliertes Verfahren zur Behandlung dieser Störungen. Ein umfassender Cochrane Review (2020) untersuchte die aktuelle Evidenz zur relativen Wirksamkeit und Akzeptanz der KVT.

Dabei wurde die KVT mit verschiedenen Kontrollbedingungen wie Wartelisten, der Regelversorgung sowie Aufmerksamkeitskontrollen verglichen. Die Metaanalyse schloss 87 randomisierte, kontrollierte Studien mit fast 6000 Teilnehmern unter 19 Jahren ein.

Empfehlungen

Der Review formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit der KVT:

Vergleich mit Warteliste und Kontrollgruppen

Die KVT zeigt laut Review eine deutliche Überlegenheit gegenüber einer Warteliste oder keiner Behandlung. Es wird eine signifikant höhere Remissionsrate der primären Angststörung nach der Behandlung beschrieben (OR 5,45, moderate Evidenzqualität).

Die Number Needed to Treat (NNTB) für ein zusätzliches positives Ergebnis liegt bei 3. Im Vergleich zu einer reinen Aufmerksamkeitskontrolle kann die KVT die Remissionsraten ebenfalls erhöhen (niedrige Evidenzqualität).

Vergleich mit Regelversorgung und Alternativen

Der Review zeigt auf, dass die KVT im Vergleich zur Regelversorgung (Treatment as Usual) keinen signifikanten Unterschied bei der Remission der primären Angststörung aufweist. Sie könnte jedoch die Remission aller vorliegenden Angststörungen erhöhen.

Gegenüber alternativen psychologischen Behandlungen gibt es laut den Autoren unzureichende Daten. Die vorliegende Evidenz von niedriger Qualität deutet auf geringe bis keine Unterschiede hin.

Übersicht der Therapieeffekte

Die folgende Tabelle fasst die Effekte der KVT im Vergleich zu verschiedenen Kontrollbedingungen zusammen:

VergleichsgruppeEffekt auf primäre AngststörungEvidenzqualität
Warteliste / Keine BehandlungDeutliche Erhöhung der Remission (OR 5,45)Moderat
AufmerksamkeitskontrolleMögliche Erhöhung der Remission (OR 2,28)Niedrig
Regelversorgung (TAU)Kein signifikanter Unterschied belegtNiedrig
Alternative BehandlungenUnzureichende DatenlageNiedrig

Therapieformat und Dauer

Die Auswertung zeigt keine konsistenten Unterschiede im Behandlungserfolg in Abhängigkeit vom Therapieformat. Folgende Faktoren zeigten laut Review keinen signifikanten Einfluss auf die Wirksamkeit:

  • Einzeltherapie im Vergleich zur Gruppentherapie

  • Einbezug der Eltern im Vergleich zu rein kindzentrierten Ansätzen

  • Umfang der Kontaktzeit mit dem Therapeuten (unter 10 Stunden vs. intensivere Betreuung)

Spezielle Patientengruppen

Der Review stellt fest, dass die KVT bei Kindern mit und ohne Autismus-Spektrum-Störung (ASS) vergleichbar wirksam ist. Für Kinder mit intellektuellen Beeinträchtigungen lagen keine Studien vor.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Der Review hebt hervor, dass der Therapieerfolg nicht zwingend von der Dauer des Therapeutenkontakts abhängt. Da Behandlungen mit weniger als 10 Stunden Kontaktzeit ähnliche Effekte erzielten wie intensivere Therapien, wird ein Stepped-Care-Modell als sinnvoller Ansatz beschrieben. Hierbei können zunächst kurze Interventionen angeboten und intensivere Therapien für Non-Responder reserviert werden, um die begrenzten Therapieplätze effizienter zu nutzen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review führt die KVT im Vergleich zu einer Warteliste zu einer signifikant höheren Remissionsrate. Etwa 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen erholen sich nach einer KVT von ihrer primären Angststörung.

Der Review fand keine konsistenten Unterschiede in den Endpunkten zwischen individueller Therapie und Gruppentherapie. Beide Formate werden als vergleichbar wirksam beschrieben.

Die Metaanalyse zeigt, dass die KVT bei Kindern mit und ohne Autismus-Spektrum-Störung ähnliche Behandlungseffekte erzielt. Es wurden keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit festgestellt.

Pharmakologische Interventionen werden laut den Autoren aufgrund von Patientenpräferenzen, Abbruchraten und möglichen Nebenwirkungen meist nicht als Erstlinientherapie empfohlen. Die vergleichende Evidenz zwischen Medikation und KVT wird als sehr begrenzt beschrieben.

Die Auswertung der Abbruchraten zeigte keinen Unterschied in der Akzeptanz zwischen der KVT und den verschiedenen Kontrollgruppen. Die Therapie wird von den Patienten generell gut angenommen.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Cochrane Review: Cognitive behavioural therapy for anxiety disorders in children and adolescents (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien