Aggressives Verhalten bei intellektueller Behinderung: Cochrane
Hintergrund
Nach außen gerichtetes aggressives Verhalten bei Menschen mit intellektueller Behinderung stellt eine erhebliche klinische Herausforderung dar. Es kann zu einer verminderten Lebensqualität, sozialer Ausgrenzung und stationären psychiatrischen Aufnahmen führen.
Zur Bewältigung dieses Verhaltens wurden verschiedene kognitive und verhaltenstherapeutische Ansätze entwickelt. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines aktuellen Cochrane-Reviews, der die Wirksamkeit dieser Interventionen untersucht.
Empfehlungen
Der Cochrane-Review fasst die Evidenz zu verschiedenen verhaltenstherapeutischen und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Interventionen zusammen.
Anti-Aggressions-Training (Anger Management)
Laut Review gibt es Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, dass Anti-Aggressions-Training auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie die Schwere des aggressiven Verhaltens nach der Behandlung verringern kann.
Für eine verbesserte Selbstkontrolle von Wut, eine bessere adaptive Funktion und die Reduktion psychiatrischer Symptome liegt lediglich Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit vor.
Zudem zeigt die Evidenz, dass sich die Lebensqualität oder die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen durch diese Intervention wahrscheinlich nicht signifikant verbessern.
Positive Behaviour Support (PBS)
Der Review beschreibt Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit, dass PBS aggressives Verhalten unmittelbar nach der Behandlung reduzieren kann.
Für den Langzeitverlauf nach 12 Monaten besteht jedoch Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass PBS das aggressive Verhalten wahrscheinlich nicht nachhaltig verringert.
Auch eine Verbesserung des psychischen Zustands nach der Behandlung konnte nicht sicher nachgewiesen werden.
Achtsamkeitsbasierte Ansätze
Achtsamkeitsbasierte Interventionen (Mindfulness) können laut Review möglicherweise Vorfälle von physischer Aggression reduzieren, wobei die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz sehr niedrig ist.
Für die Kombination aus Achtsamkeit und PBS (MBPBS) liegt Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit vor, dass diese Vorfälle von Aggression nach der Behandlung verringert werden können.
Übersicht der Interventionseffekte
Die folgende Tabelle vergleicht die untersuchten Interventionen hinsichtlich ihres kurzfristigen Effekts auf aggressives Verhalten:
| Intervention | Effekt auf aggressives Verhalten (kurzfristig) | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|
| Anti-Aggressions-Training | Reduktion der Schwere | Moderat |
| Positive Behaviour Support (PBS) | Reduktion des Verhaltens | Moderat |
| Achtsamkeit (Mindfulness) | Mögliche Reduktion physischer Aggression | Sehr niedrig |
| Achtsamkeitsbasiertes PBS (MBPBS) | Mögliche Reduktion von Aggressionsvorfällen | Niedrig |
Langzeiteffekte und Kombinationstherapien
Die Autoren schlussfolgern, dass kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze kurzfristig wirksam sind, die Evidenz für mittel- und langfristige Effekte jedoch unsicher bleibt.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Kombination mehrerer Interventionen kumulative Vorteile bieten kann.
Der Review betont den Bedarf an größeren, robusten randomisiert-kontrollierten Studien, insbesondere bei Kindern und zur Frage, ob psychologische Interventionen den Einsatz von Psychopharmaka reduzieren können.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze zwar kurzfristig das aggressive Verhalten reduzieren können, die langfristigen Effekte jedoch oft nicht anhalten. Es wird hervorgehoben, dass die Kombination verschiedener Interventionen möglicherweise kumulative Vorteile bietet und in der Praxis als multimodaler Ansatz erwogen werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane-Review können kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze wie Anti-Aggressions-Training und Positive Behaviour Support (PBS) das aggressive Verhalten kurzfristig reduzieren. Die Evidenz hierfür ist von moderater Vertrauenswürdigkeit.
Der Review zeigt, dass PBS kurzfristig wirksam ist, jedoch gibt es Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass es aggressives Verhalten nach 12 Monaten wahrscheinlich nicht mehr signifikant reduziert. Die langfristige Wirksamkeit bleibt somit unsicher.
Gemäß der ausgewerteten Studien gibt es Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass Anti-Aggressions-Training die Lebensqualität nach der Behandlung nicht signifikant verbessert. Auch die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen wird dadurch nicht zwingend reduziert.
Ja, der Review beschreibt, dass Achtsamkeit (Mindfulness) und achtsamkeitsbasiertes PBS Vorfälle von physischer Aggression möglicherweise reduzieren können. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
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Quelle: Cochrane Review: Behavioural and cognitive-behavioural interventions for outwardly directed aggressive behaviour in people with intellectual disabilities (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.