Antisoziale Persönlichkeitsstörung: Cochrane Review
Hintergrund
Die antisoziale Persönlichkeitsstörung (AsPD) geht häufig mit einer schlechten psychischen Gesundheit, Kriminalität, Substanzkonsum und Beziehungsproblemen einher.
Ein systematischer Cochrane Review (2020) untersuchte die potenziellen Vorteile und unerwünschten Wirkungen psychologischer Interventionen bei Erwachsenen mit AsPD.
Die analysierten Studien verglichen verschiedene Therapieansätze mit der Standardbehandlung (Treatment-as-usual, TAU) oder Wartelisten. Die primären Endpunkte umfassten Aggression, erneute Verurteilungen, den globalen Zustand sowie die soziale Funktionsfähigkeit.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews betonen, dass die verfügbare Evidenz zu psychologischen Interventionen bei Erwachsenen mit AsPD stark limitiert ist.
Vergleich der Therapieansätze
Die Auswertung von 19 Studien ergab für die meisten Interventionen keine signifikanten Vorteile gegenüber der Standardbehandlung. Die Ergebnisse stellen sich wie folgt dar:
| Intervention | Vergleichsgruppe | Endpunkt / Ergebnis | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) | TAU | Keine Differenz bei Aggression oder sozialer Funktion | Niedrig / Sehr niedrig |
| Impulsive Lifestyle Counselling (ILC) | TAU | Keine Differenz bei Aggression, Tod oder Inhaftierung | Sehr niedrig |
| Contingency Management (CM) | Standard Maintenance | Mögliche Verbesserung der sozialen Funktionsfähigkeit | Niedrig |
| Schema-Therapie (ST) | TAU | Mögliche Verbesserung der sozialen Funktion; keine Differenz bei Rückfälligkeit | Sehr niedrig |
| Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) | TAU | Mögliche Reduktion von Selbstverletzungen | Sehr niedrig |
| Social Problem-Solving (SPS) + Psychoedukation | TAU | Keine Differenz bei sozialer Funktionsfähigkeit | Sehr niedrig |
| Psychosocial Risk Management (PSRM) | TAU | Keine Differenz bei Straftaten oder Mortalität | Sehr niedrig |
Zentrale Schlussfolgerungen
Basierend auf den Daten formuliert der Review folgende Kernaussagen:
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Es gibt keine überzeugende Evidenz dafür, dass eine der untersuchten Interventionen antisoziales Verhalten signifikant verändert.
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Lediglich drei Ansätze (Contingency Management, Schema-Therapie und Dialektisch-Behaviorale Therapie) zeigten Hinweise auf eine mögliche Überlegenheit gegenüber der Kontrollbedingung.
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Die allgemeine Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wird als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
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Laut den Studienautoren besteht ein dringender Bedarf an methodisch rigorosen Studien und möglicherweise völlig neuen Therapieansätzen.
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass etablierte psychologische Interventionen bei Erwachsenen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung kaum nachweisbare Effekte auf das Kernverhalten haben. Es wird hervorgehoben, dass Ansätze wie Schema-Therapie oder Dialektisch-Behaviorale Therapie zwar punktuell soziale Funktionen verbessern oder Selbstverletzungen reduzieren können, die Gesamtevidenz für einen klinischen Nutzen jedoch sehr schwach bleibt.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Therapie mit starker Evidenz für eine Verhaltensänderung. Lediglich Contingency Management, Schema-Therapie und Dialektisch-Behaviorale Therapie zeigten sehr schwache Hinweise auf positive Effekte.
Die analysierten Daten zeigen keinen signifikanten Unterschied zwischen kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) und der Standardbehandlung. Die Evidenz für eine Reduktion von physischer Aggression wird als niedrig eingestuft.
Es gibt laut Review keine Evidenz dafür, dass Schema-Therapie die Rate an erneuten Verurteilungen im Vergleich zur Standardbehandlung senkt. Sie kann jedoch möglicherweise die soziale Funktionsfähigkeit der Betroffenen verbessern.
Der Review liefert narrative Evidenz von sehr niedriger Qualität, dass DBT die Anzahl der Tage mit Selbstverletzungen reduzieren könnte. Weitere robuste Effekte auf das antisoziale Verhalten wurden nicht nachgewiesen.
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Quelle: Cochrane Review: Psychological interventions for antisocial personality disorder (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.