Kognitive Verhaltenstherapie bei Erstpsychose: Cochrane
Hintergrund
Schizophrenie und verwandte psychotische Störungen beginnen meist im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter. Die Erkrankung geht mit einer hohen Krankheitslast, Einschränkungen der Lebensqualität und hohen gesellschaftlichen Kosten einher.
Die Behandlung in der Anfangsphase, der sogenannten Erstepisode, ist von entscheidender Bedeutung. Ein frühzeitiges Eingreifen kann dazu beitragen, einen chronischen Verlauf zu verhindern und die funktionelle Erholung zu fördern.
Die medikamentöse Therapie mit Antipsychotika stellt die Basisversorgung dar. Da jedoch viele Betroffene weiterhin unter Symptomen leiden, wird die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als ergänzende psychologische Intervention untersucht.
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2024) fasst die Evidenz zur kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) als Ergänzung zur Regelversorgung bei Erst- und Folgepsychosen zusammen.
Klinische Wirksamkeit
Die Meta-Analyse zeigt, dass die KVT zusätzlich zur Standardversorgung zu einer signifikanten Verbesserung verschiedener klinischer Endpunkte führt. Die Effekte wurden hauptsächlich für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr nach Interventionsbeginn nachgewiesen.
Es wird eine überlegene Wirksamkeit der KVT-Kombinationstherapie gegenüber der alleinigen Regelversorgung in folgenden Bereichen beschrieben:
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Reduktion der Gesamtsymptomatik der Schizophrenie (niedrige Evidenz)
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Linderung von Positivsymptomen wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
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Besserung von Negativsymptomen wie Apathie und Motivationsverlust
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Verringerung depressiver Begleitsymptome
Funktionelle Endpunkte und Rückfälle
Laut Review ist die ergänzende KVT mit einer stärkeren Verbesserung des globalen klinischen Zustands assoziiert. Zudem wird eine signifikante Steigerung der allgemeinen Funktionsfähigkeit im Alltag beobachtet (moderate Evidenz).
Bezüglich der Rückfallquote (Relapse) zeigt die Datenlage keinen signifikanten Unterschied zwischen der KVT-Gruppe und der Kontrollgruppe. Auch bei der Therapieabbrecherquote ergaben sich keine relevanten Differenzen.
Vergleich der Endpunkte
| Endpunkt | Effekt der KVT + Regelversorgung | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Gesamtsymptomatik | Signifikante Reduktion | Niedrig |
| Positiv- und Negativsymptome | Signifikante Reduktion | Moderat bis Hoch |
| Funktionsfähigkeit im Alltag | Signifikante Verbesserung | Moderat |
| Rückfallquote (Relapse) | Kein signifikanter Unterschied | Niedrig |
| Therapieabbrüche | Kein signifikanter Unterschied | Moderat |
Implementierung in der Praxis
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse bestehende Leitlinienempfehlungen stützen. Diese empfehlen bereits den Einsatz der KVT bei Schizophrenie und Erstpsychosen.
Es wird ein partizipativer Entscheidungsfindungsprozess (Shared Decision-Making) empfohlen. Dabei sollten die individuellen Vorteile einer KVT-Einleitung gemeinsam mit dem Betroffenen abgewogen werden.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass mögliche unerwünschte Wirkungen der kognitiven Verhaltenstherapie in den bisherigen Studien nur unzureichend erfasst wurden. Es wird empfohlen, im klinischen Alltag dennoch auf potenzielle negative Effekte der psychotherapeutischen Intervention zu achten und diese im Rahmen der partizipativen Entscheidungsfindung transparent zu thematisieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review führt die KVT als Ergänzung zur Regelversorgung zu einer signifikanten Reduktion der Gesamt-, Positiv- und Negativsymptomatik. Zudem wird eine verbesserte Funktionsfähigkeit im Alltag beschrieben.
Die aktuelle Meta-Analyse konnte keinen signifikanten Unterschied bei der Rückfallquote zwischen der KVT-Gruppe und der Kontrollgruppe nachweisen. Die Evidenz für diesen Endpunkt wird jedoch als niedrig eingestuft.
Die Evidenz unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Behandlung in der Erstepisode oder bei neu aufgetretenen Psychosen. Bestehende Leitlinien empfehlen die KVT bereits in dieser frühen Krankheitsphase als Ergänzung zur Medikation.
Die Akzeptanz der Therapie wird als gut bewertet. Der Review zeigt keinen signifikanten Unterschied bei den Therapieabbrüchen zwischen der KVT-Gruppe und der alleinigen Regelversorgung.
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Quelle: Cochrane Review: Cognitive behavioural therapy added to standard care for first-episode and recent-onset psychosis (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.