Ceftolozan/Tazobactam: Therapie nosokomialer Pneumonie
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A20-26 aus dem Jahr 2020 bewertet den Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Ceftolozan/Tazobactam. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Personen mit im Krankenhaus erworbener (nosokomialer) Pneumonie, einschließlich der beatmungsassoziierten Pneumonie.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine patientenindividuelle antibiotische Therapie festgelegt. Diese muss das lokale Erregerspektrum, Resistenzprofile sowie das Risiko für multiresistente Erreger (MRE) berücksichtigen.
Der pharmazeutische Unternehmer reichte für die Bewertung Daten aus der Phase-III-Studie PN008 sowie In-vitro-Daten ein. Das IQWiG prüfte, inwiefern diese Daten einen Vorteil gegenüber der etablierten Standardtherapie belegen können.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zur Nutzenbewertung:
Bewertung des Zusatznutzens
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Ceftolozan/Tazobactam nicht belegt. Die vorgelegten Studiendaten wurden als ungeeignet eingestuft, da die Vergleichstherapie nicht den Vorgaben einer patientenindividuellen Behandlung entsprach.
Kritik an der Studienmethodik
In der herangezogenen Studie PN008 wurde als Komparator standardmäßig Meropenem eingesetzt. Das IQWiG bemängelt hierbei folgende Punkte:
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Es fand keine regelhafte patientenindividuelle Abwägung der kalkulierten Therapie statt.
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Bei hohem MRE-Risiko wurde die von Leitlinien empfohlene Kombinationstherapie gegen gramnegative Erreger meist nicht umgesetzt.
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Nach Vorliegen des Antibiogramms erfolgte keine konsequente Deeskalation auf eine gezielte Therapie mit schmalerem Wirkspektrum.
Bewertung der In-vitro-Daten
Die zusätzlich eingereichten In-vitro-Daten wurden ebenfalls als nicht geeignet bewertet, um einen Zusatznutzen abzuleiten. Der Bericht nennt dafür folgende Gründe:
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Es wurden nicht alle relevanten Wirkstoffe der zweckmäßigen Vergleichstherapie berücksichtigt.
-
Empfindlichkeitsmessungen gegenüber Wirkstoffkombinationen fehlten vollständig.
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Die Daten zeigten nicht, dass alle bisher verfügbaren Behandlungsoptionen unwirksam wären.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgende Dosierungen aus den Fachinformationen und Studienprotokollen für die Behandlung der nosokomialen Pneumonie:
| Wirkstoff | Dosierung | Behandlungsdauer |
|---|---|---|
| Ceftolozan/Tazobactam | 3000 mg alle 8 Stunden (intravenös) | 8 bis 14 Tage (Studie PN008) |
| Meropenem | 500 mg bis 1000 mg alle 8 Stunden (bis zu 2 g 3-mal täglich) | 7 bis 8 Tage (laut S3-Leitlinie) |
| Cefepim | k.A. zur Einzeldosis | 7 bis 14 Tage |
Kontraindikationen
Der Bericht nennt basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise:
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Schwerwiegende und gelegentlich tödlich verlaufende Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie) sind möglich.
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Während der Behandlung kann es zu einem positiven direkten Antiglobulintest (DAGT) kommen.
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Die Anwendung kann das übermäßige Wachstum von nicht empfindlichen Mikroorganismen (Superinfektionen) fördern.
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Der Wirkstoff ist nicht wirksam gegen Bakterien, die Beta-Laktamase-Enzyme bilden, welche nicht von Tazobactam gehemmt werden.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht unterstreicht die Wichtigkeit einer leitliniengerechten, patientenindividuellen Antibiotikatherapie. Es wird betont, dass nach Vorliegen eines Antibiogramms (meist nach 72 Stunden) eine Reevaluation und konsequente Deeskalation auf eine gezielte Therapie mit möglichst schmalem Wirkspektrum erfolgen sollte. Eine pauschale Fortführung der kalkulierten Initialtherapie entspricht laut Bewertung nicht dem medizinischen Standard.
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG stellte fest, dass die Vergleichstherapie in der Zulassungsstudie nicht den Kriterien einer patientenindividuellen Behandlung entsprach. Daher konnte kein valider Vergleich zur Standardversorgung gezogen werden.
Laut Bericht richtet sich die Therapie unter anderem gegen gramnegative Erreger wie Pseudomonas aeruginosa und verschiedene Enterobacterales. Gegen Staphylococcus aureus ist das Medikament hingegen nicht wirksam.
Die S3-Leitlinie empfiehlt laut IQWiG-Bericht eine regelhafte Behandlungsdauer von 7 bis 8 Tagen. Bei speziellen Erregern wie Staphylococcus aureus kann eine längere Therapiedauer von mindestens 14 Tagen angezeigt sein.
Bei invasiver Beatmung und hohem Risiko für multiresistente Erreger (MRE) wird eine kalkulierte Kombinationstherapie empfohlen. Diese besteht meist aus einem Pseudomonas-wirksamen Betalaktam und einem zusätzlichen Wirkstoff gegen gramnegative MRE.
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Quelle: IQWiG A20-26: Ceftolozan/Tazobactam (nosokomiale Pneumonie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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