Ceftolozan/Tazobactam: Indikation und Therapie bei kHWI

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2020 bewertet den Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Ceftolozan/Tazobactam. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Personen mit komplizierten Harnwegsinfektionen.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine patientenindividuelle antibiotische Therapie festgelegt. Diese muss das lokale Erregerspektrum, Resistenzprofile sowie das Risiko für multiresistente Erreger berücksichtigen.

Der pharmazeutische Unternehmer legte zur Bewertung Daten aus der Phase-III-Studie PN006 sowie In-vitro-Daten vor. Das IQWiG überprüfte, inwiefern diese Daten einen medizinischen Vorteil gegenüber den bisherigen Standardtherapien belegen können.

Empfehlungen

Zweckmäßige Vergleichstherapie

Laut IQWiG-Bericht wird Ceftolozan/Tazobactam mit einer patientenindividuellen antibiotischen Therapie verglichen. Bei der Wahl der Therapie müssen das lokale Erregerspektrum, Resistenzprofile und bei Vorliegen eines Antibiogramms die Erregersensibilität beachtet werden.

Bewertung der klinischen Daten

Die vom Hersteller vorgelegte Studie PN006 vergleicht Ceftolozan/Tazobactam ausschließlich mit Levofloxacin. Der Bericht stellt fest, dass Levofloxacin allein keine angemessene Umsetzung der patientenindividuellen Vergleichstherapie darstellt. Dies gilt sowohl für die kalkulierte Initialtherapie als auch für die gezielte Therapie nach Vorliegen eines Antibiogramms.

Es wird kritisiert, dass in der Studie bei nachgewiesenen Resistenzen gegen Levofloxacin häufig kein Therapiewechsel erfolgte. Zudem stellt Levofloxacin bei bestimmten Erregern, wie ESBL-bildenden Enterobacterales, keine geeignete Behandlungsoption dar.

Bewertung der In-vitro-Daten

Die zusätzlich eingereichten In-vitro-Daten (Untersuchung Kresken 2019) werden als nicht ausreichend für die Ableitung eines Zusatznutzens eingestuft. Der Bericht bemängelt folgende methodische Schwächen:

  • Es wurden nicht alle vom G-BA benannten Wirkstoffe der Vergleichstherapie berücksichtigt.

  • Es fehlten Empfindlichkeitsmessungen gegenüber relevanten Wirkstoffkombinationen.

  • Die lokalisationsübergreifende Auswertung erschwert die Interpretation für spezifische Harnwegsinfektionen.

Fazit zum Zusatznutzen

Zusammenfassend kommt die Bewertung zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Ceftolozan/Tazobactam nicht belegt ist. Es wurden keine geeigneten Daten vorgelegt, die einen Vorteil gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie beweisen.

Dosierung

Die folgende Tabelle fasst die im Bericht genannten Dosierungen aus den herangezogenen Studien und Fachinformationen zusammen:

WirkstoffDosierungAnmerkung
Ceftolozan/Tazobactam1500 mg 3-mal täglichIntravenös, Infusionsdauer 60 Minuten
Levofloxacin750 mg 1-mal täglichIn der Studie PN006 intravenös über 90 Minuten
Ciprofloxacin400 mg 2- bis 3-mal täglichIntravenös bei akuter Pyelonephritis
Meropenem500 mg bis 1 g alle 8 StundenIntravenös bei komplizierten Harnwegsinfektionen

Kontraindikationen

Laut Fachinformation kann die Anwendung von Ceftolozan/Tazobactam das übermäßige Wachstum von nicht empfindlichen Mikroorganismen fördern. Es wird darauf hingewiesen, dass bei Auftreten einer Superinfektion geeignete Maßnahmen zu ergreifen sind.

Zudem sind schwerwiegende und gelegentlich tödlich verlaufende Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktische Reaktionen) möglich. Bei einer schweren allergischen Reaktion ist das Arzneimittel sofort abzusetzen.

Während der Behandlung kann es zu einem positiven direkten Antiglobulintest (DAGT) kommen. Es gab in klinischen Studien jedoch keine Hinweise auf eine dadurch bedingte Hämolyse.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Bericht betont indirekt, dass bei der Behandlung komplizierter Harnwegsinfektionen eine rein kalkulierte Therapie mit Fluorchinolonen wie Levofloxacin aufgrund hoher Resistenzraten oft nicht ausreichend ist. Es wird hervorgehoben, dass nach Vorliegen eines Antibiogramms eine konsequente Deeskalation und Umstellung auf eine gezielte, erregerspezifische Therapie erfolgen sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vorgelegten Studiendaten wurden als ungeeignet eingestuft, da der Komparator Levofloxacin nicht der geforderten patientenindividuellen Therapie entsprach.

Die Bewertung zeigt, dass Levofloxacin bei nosokomialen Infektionen oder hohen lokalen Resistenzraten keine angemessene kalkulierte Initialtherapie darstellt. Zudem erfolgte in der Studie bei nachgewiesenen Resistenzen oft kein notwendiger Therapiewechsel.

Der Bericht beziffert die reinen Arzneimittelkosten für Ceftolozan/Tazobactam auf etwa 2286 Euro pro Behandlungsfall. Die Kosten der zweckmäßigen Vergleichstherapien variieren je nach Wirkstoff stark und liegen meist deutlich darunter.

Es wird darauf hingewiesen, dass bei Personen mit eingeschränkter Leberfunktion keine Dosisanpassung erforderlich ist. Die Dosierungsschemata basieren primär auf der Indikation und der Nierenfunktion.

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Quelle: IQWiG A20-28: Ceftolozan/Tazobactam (komplizierte Harnwegsinfektion) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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