Biomarker-Tests bei Brustkrebs: Therapieentscheidung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) evaluiert den Einsatz von Biomarker-Tests bei frühem Brustkrebs. Ziel ist es, eine fundierte Entscheidungshilfe für oder gegen eine adjuvante Chemotherapie zu bieten.
Bei primärem Mammakarzinom hängt der Nutzen einer vorbeugenden Chemotherapie maßgeblich vom individuellen Rezidivrisiko ab. Dieses wird standardmäßig anhand klinisch-pathologischer Kriterien wie Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Hormonrezeptorstatus ermittelt.
Biomarker-Tests werden zunehmend angeboten, um das Rückfallrisiko präziser einzuschätzen. Der Bericht beleuchtet die Aussagekraft dieser Tests und stellt sie den etablierten klinischen Parametern gegenüber.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert zentrale Erkenntnisse zur Risikobewertung und zum Einsatz von Biomarker-Tests beim primären Mammakarzinom.
Bestimmung des Rezidivrisikos
Die routinemäßige Bestimmung des Rückfallrisikos erfolgt laut Bericht primär über klinisch-pathologische Kriterien. Dazu gehören unter anderem der Differenzierungsgrad, die Wachstumsgeschwindigkeit (Ki67-Wert) und das Alter der betroffenen Person.
Der Bericht teilt das 10-Jahres-Rezidivrisiko in drei Kategorien ein:
-
Niedriges Risiko: Unter 5 % bis 10 % (Chemotherapie wird meist nicht empfohlen).
-
Mittleres Risiko: Zwischen 5 % und 20 % (individuelle Abwägung erforderlich).
-
Hohes Risiko: Über 15 % bis 20 % (Chemotherapie wird in der Regel empfohlen).
Nutzen und Risiken der Chemotherapie
Es wird angenommen, dass eine adjuvante Chemotherapie das relative Rezidivrisiko um durchschnittlich 30 Prozent senkt. Dem gegenüber stehen signifikante Nebenwirkungen, die in die Therapieentscheidung einfließen müssen.
Der Bericht kategorisiert die Nebenwirkungen wie folgt:
-
Häufige, nicht lebensbedrohliche Beschwerden (Übelkeit, Haarausfall).
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Akute, potenziell lebensbedrohliche Komplikationen (ca. 10 % Hospitalisierungsrate im ersten Jahr, oft infolge von Immunsuppression).
-
Langfristige Schäden (Nervenschäden, Herzinsuffizienz bei ca. 3 %, selten sekundäre Leukämien).
Bewertung der Biomarker-Tests
Laut IQWiG-Bericht ist derzeit nicht nachgewiesen, dass Biomarker-Tests das Rückfallrisiko zuverlässiger vorhersagen als klinisch-pathologische Kriterien. Es gibt keinen Beleg für einen patientenrelevanten Nutzen einer biomarkerbasierten Entscheidungsstrategie.
Es wird betont, dass die Testergebnisse eine ärztliche Beratung und die Berücksichtigung individueller Präferenzen nicht ersetzen können. Die Tests berechnen lediglich statistische Wahrscheinlichkeiten und können nicht vorhersagen, ob eine spezifische Person ein Rezidiv erleidet.
Übersicht ausgewählter Biomarker-Tests
Der Bericht beschreibt exemplarisch vier häufig genutzte Genexpressionstests und Protein-Assays. Die Einteilung der Risikogruppen basiert auf den jeweiligen Herstellerangaben.
| Testname | Analysemethode | Zielgruppe | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| MammaPrint | Genexpression (70 Gene) | Tumor ≤ 5 cm, max. 3 befallene Lymphknoten | Unterscheidet in niedriges (≤ 10 % Fernrezidivrisiko) und hohes Risiko. |
| Oncotype DX | Genexpression (21 Gene) | HR-positiv, HER2-negativ, max. 3 befallene Lymphknoten | Ermittelt einen Recurrence Score, der in ein niedriges, mittleres oder hohes Risiko übersetzt wird. |
| Prosigna (PAM50) | Genexpression (58 Gene) | HR-positiv | Berechnet einen Punktwert zur Einteilung in drei Risikokategorien. |
| Femtelle | Protein-Assay (uPA/PAI-1) | Mäßig veränderte Zellen, keine befallenen Lymphknoten | Benötigt frisches/gefrorenes Gewebe. Misst zwei Eiweiße zur Risikoeinschätzung. |
Kontraindikationen
Der IQWiG-Bericht formuliert deutliche Warnhinweise bezüglich der Interpretation von Biomarker-Tests:
-
Unterschätzung des Gesamtrisikos: Viele Biomarker-Tests beziehen sich bei ihrer Risikoberechnung ausschließlich auf Fernrezidive. Lokale oder lokoregionale Rückfälle werden oft nicht abgebildet.
-
Fehlende individuelle Vorhersagekraft: Die Tests liefern lediglich statistische Wahrscheinlichkeiten für Kohorten. Es kann nicht vorhergesagt werden, ob eine individuelle Person tatsächlich ein Rezidiv erleidet oder zwingend eine Chemotherapie benötigt.
-
Irreführende Kategorisierung: Die starre Einteilung in ein "niedriges" oder "hohes" Risiko suggeriert eine Eindeutigkeit, die wissenschaftlich nicht belegt ist. Die Grenzwerte werden von den Herstellern selbst festgelegt.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht sollte die Entscheidung für oder gegen eine adjuvante Chemotherapie niemals allein auf dem Ergebnis eines Biomarker-Tests basieren. Es wird betont, dass die herstellerspezifischen Risikokategorien individuelle Faktoren, persönliche Präferenzen und die Belastbarkeit der betroffenen Person nicht abbilden. Ein ausführliches ärztliches Aufklärungsgespräch unter Einbeziehung aller klinisch-pathologischen Kriterien bleibt unerlässlich.
Häufig gestellte Fragen
Laut Bericht übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für diese Tests in der Regel nicht standardmäßig. Es wird empfohlen, im Einzelfall vorab bei der jeweiligen Krankenkasse eine mögliche Kostenübernahme zu erfragen.
Der IQWiG-Bericht geht davon aus, dass eine adjuvante Chemotherapie das relative Rezidivrisiko um durchschnittlich 30 Prozent (etwa ein Drittel) reduzieren kann. Der absolute Nutzen hängt jedoch stark vom individuellen Ausgangsrisiko ab.
Ein mittleres Rezidivrisiko liegt vor, wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall in 10 Jahren zwischen 5 % und 20 % geschätzt wird. In diesen Fällen ist die ärztliche Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie besonders schwierig, da klinische Kriterien oft in unterschiedliche Richtungen weisen.
Nein, der Bericht stellt klar, dass Biomarker-Tests nicht mit Sicherheit vorhersagen können, ob eine spezifische Person ein Rezidiv erleidet. Sie liefern lediglich statistische Wahrscheinlichkeiten und können die Entscheidung nur ergänzend begleiten.
Neben häufigen Beschwerden wie Übelkeit und Haarausfall weist der Bericht auf potenziell lebensbedrohliche Komplikationen hin, die bei etwa 10 % der Behandelten zu einer Hospitalisierung führen. Zudem können langfristige Schäden wie Nervenschädigungen oder Herzinsuffizienz (bei ca. 3 %) auftreten.
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Quelle: IQWiG P17-03: Entscheidungshilfe zu Biomarker-Tests bei Brustkrebs - Addendum zum Auftrag D14-01 (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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