Bakterielle Meningoenzephalitis: Diagnostik & Antibiose
Hintergrund
Die S2k-Leitlinie der AWMF behandelt die Diagnostik und Therapie der ambulant erworbenen bakteriellen Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. Die Erkrankung ist weiterhin mit einer hohen Letalität verbunden, insbesondere bei Infektionen durch Pneumokokken oder Listerien.
Zu den häufigsten Erregern in Mitteleuropa zählen Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis und Listeria monocytogenes. Die klassischen Kardinalsymptome umfassen Kopfschmerzen, Meningismus, Fieber und eine Vigilanzminderung.
Das Fehlen einzelner Symptome schließt eine bakterielle Meningitis jedoch nicht aus. Eine rasche Diagnosestellung und ein sofortiger Therapiebeginn sind laut Leitlinie entscheidend für die Prognose der Betroffenen.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Praxisaspekt der Leitlinie ist das strikte Zeitmanagement bei der Antibiotikagabe. Es wird nachdrücklich davor gewarnt, die lebensrettende Therapie durch bildgebende Diagnostik zu verzögern. Falls eine CCT vor der Lumbalpunktion zwingend erforderlich ist, wird die sofortige empirische Gabe von Antibiotika und Dexamethason noch vor dem Transport ins CT empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie deuten eine granulozytäre Pleozytose über 1000 Zellen/µl, ein stark erniedrigter Liquor-Serum-Glukose-Quotient und ein erhöhtes Liquorlaktat über 3,5 mmol/l auf eine bakterielle Genese hin. Zudem ist das Gesamteiweiß meist deutlich auf über 1000 mg/l erhöht.
Die Leitlinie empfiehlt eine vorherige kraniale Bildgebung nur bei schwer bewusstseinsgestörten Personen, bei fokal-neurologischen Defiziten oder bei neu aufgetretenen epileptischen Anfällen. Bei unauffälligem neurologischem Status soll die Punktion ohne vorheriges CT erfolgen.
Es wird eine adjuvante Gabe von 10 mg Dexamethason intravenös viermal täglich empfohlen. Die erste Dosis sollte unmittelbar vor oder zeitgleich mit der ersten Antibiotikagabe verabreicht werden.
Die initiale kalkulierte Therapie besteht gemäß Leitlinie aus einer Kombination von Ampicillin und einem Cephalosporin der Gruppe 3a, wie beispielsweise Ceftriaxon oder Cefotaxim. Bei Verdacht auf eine Herpes-Enzephalitis wird zusätzlich Aciclovir empfohlen.
Eine Chemoprophylaxe wird für enge Kontaktpersonen, wie beispielsweise Haushaltsmitglieder, empfohlen. Diese sollte schnellstmöglich, maximal bis zehn Tage nach dem letzten Kontakt, mit Substanzen wie Rifampicin oder Ciprofloxacin erfolgen.
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Quelle: Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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