Kalkulierte Initialtherapie der bakteriellen Meningitis (PEG)
Hintergrund
Die bakterielle Meningitis ist laut der S2k-Leitlinie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG) eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die durch hohe Mortalitäts- und Invaliditätsraten gekennzeichnet ist. Das klinische Bild wird durch die Leitsymptome Fieber, Kopfschmerzen und Meningismus bestimmt, kann aber auch Verwirrtheitszustände, Vigilanzstörungen oder ein Koma umfassen.
Gemäß der Leitlinie sind Meningokokken und Pneumokokken die häufigsten Erreger der ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis. Seltener werden Haemophilus influenzae, Listerien und Mycobacterium tuberculosis nachgewiesen. Bei postoperativen Patienten, Trägern von Liquordrainagen oder unter Immunsuppression verweist die PEG-Leitlinie auf ein abweichendes Erregerspektrum, das Staphylokokken, Enterobakterien und Pseudomonaden einschließen kann.
Empfehlungen
Die PEG-Leitlinie formuliert klare Vorgaben für das diagnostische und therapeutische Vorgehen bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis.
Diagnostik und Therapiebeginn Laut Leitlinie sollen bei allen Patienten zunächst Blutkulturen entnommen werden. Die diagnostische Sicherung erfolgt über eine Lumbalpunktion. Typische Liquor-Befunde umfassen gemäß den Experten eine granulozytäre Pleozytose über 1.000 Zellen/µl, ein Liquor-Eiweiß über 100 mg/dl, ein Liquor-Laktat über 3,5 mmol/l sowie einen Liquor-Serum-Glucose-Quotienten unter 0,3.
Eine sofortige Einleitung der Initialtherapie (parenterale Antibiotika und Dexamethason) direkt nach der Blutkulturabnahme wird empfohlen bei:
- Schwer bewusstseinsgestörten Patienten
- Fokal-neurologischen Defiziten (z. B. Hemiparese)
- Epileptischen Anfällen in den letzten Tagen
- Immunsupprimierten Patienten In diesen Fällen erfolgt die Schädel-CT und anschließende Liquorpunktion laut Expertenkonsens erst nach Therapiebeginn.
Kalkulierte Antibiotikatherapie Aufgrund des Erregerspektrums empfiehlt die S2k-Leitlinie für die ambulant erworbene Meningitis eine Kombination aus einem Cephalosporin der Gruppe 3a und Ampicillin (zur Listerien-Abdeckung). Bei nosokomialer Meningitis oder infizierten Liquordrainagen besteht die empfohlene Initialtherapie aus Vancomycin plus Meropenem oder Vancomycin plus Ceftazidim.
Therapiedauer Die Leitlinie gibt folgende Mindestbehandlungsdauern vor:
- Meningokokken: mindestens 7 Tage
- Unbekannter Erreger, H. influenzae, S. pneumoniae: mindestens 10 Tage
- Listerien, S. aureus, P. aeruginosa, Enterobakterien: 3 Wochen
Adjuvante Therapie und Begleitmaßnahmen Zur Reduktion von Letalität und neurologischen Folgeschäden wird bei erwachsenen Patienten mit Verdacht auf bakterielle Meningitis die adjuvante Gabe von Dexamethason empfohlen. Zusätzlich wird eine Thrombose-Prophylaxe (Low-dose-Heparinisierung) und ein Magenschutz mit Protonenpumpen-Inhibitoren angeraten.
Dosierung
Die S2k-Leitlinie enthält spezifische Dosierungsangaben für die adjuvante Therapie sowie für die Postexpositionsprophylaxe von Kontaktpersonen.
Adjuvante Dexamethason-Therapie (Erwachsene)
| Indikation | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|
| Verdacht auf bakterielle Meningitis (Initialtherapie) | 10 mg i.v., 4-mal täglich | 4 Tage |
Postexpositionsprophylaxe bei Meningokokken-Meningitis Die Prophylaxe soll laut Leitlinie bis zu 10 Tage nach dem letzten Patientenkontakt erfolgen.
| Patientengruppe | Wirkstoff | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (außer Schwangere) | Ciprofloxacin | 500–750 mg p.o. | Einmalgabe |
| Erwachsene (Alternative) | Rifampicin | 600 mg p.o. alle 12 Stunden | 2 Tage |
| Schwangere | Ceftriaxon | 250 mg i.m. | Einmalgabe |
| Kinder | Rifampicin | 10 mg/kg KG p.o. alle 12 Stunden | 2 Tage |
Postexpositionsprophylaxe bei Haemophilus-influenzae-Meningitis
| Patientengruppe | Wirkstoff | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (außer Schwangere) | Rifampicin | 600 mg p.o. alle 24 Stunden | 4 Tage |
| Kinder unter 12 Jahren | Rifampicin | 20 mg/kg KG p.o. alle 24 Stunden | 4 Tage |
Kontraindikationen
Die PEG-Leitlinie benennt spezifische klinische Situationen, in denen bestimmte Therapien nicht angewendet werden sollen:
Adjuvantes Dexamethason
Wird bei Patienten mit nosokomialen Meningitiden sowie bei immunsupprimierten Patienten aufgrund unzureichender Datenlage nicht empfohlen. *
Paracetamol, Glycerol und Hypothermie
Aufgrund publizierter negativer Studien wird eine routinemäßige adjuvante Therapie mit diesen Maßnahmen bei der bakteriellen Meningitis nicht empfohlen. *
Therapieverlängerung
Fieber oder eine Zunahme der Pleozytose im sterilen Liquor stellen laut Leitlinie allein keinen Grund für eine Verlängerung der Antibiotikatherapie dar.
💡Praxis-Tipp
Laut der PEG-Leitlinie ist ein verzögerter Beginn der Antibiotikatherapie mit einer ungünstigen Prognose vergesellschaftet. Daher wird bei Patienten mit Bewusstseinsstörungen oder fokal-neurologischen Defiziten empfohlen, die parenterale Antibiotikagabe und Dexamethason unmittelbar nach der Blutkulturabnahme zu starten, noch bevor eine bildgebende Diagnostik oder Lumbalpunktion erfolgt.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der S2k-Leitlinie sind Meningokokken und Pneumokokken die häufigsten Erreger der akuten, außerhalb des Krankenhauses erworbenen bakteriellen Meningitis.
Die Leitlinie empfiehlt eine Kombination aus einem Cephalosporin der Gruppe 3a und Ampicillin, um auch Listerien therapeutisch abzudecken.
Nach Angaben der Experten ist eine Abschlusspunktion am oder nach Ende der Behandlung bei einem komplikationslosen Verlauf nicht erforderlich.
Laut Leitlinie wird vor einer Milzentfernung eine aktive Impfung durch eine Pneumokokken-, Hib- und Meningokokken-Vakzine empfohlen, da Streptococcus pneumoniae der häufigste Erreger einer Meningitis nach Splenektomie ist.
Die Behandlungsdauer bei einer durch Streptococcus pneumoniae verursachten Meningitis soll nach Empfehlung der PEG-Leitlinie nicht weniger als zehn Tage betragen.
Quelle: PEG S2k Kalkulierte parenterale Initialtherapie - Bakterielle Meningitis (PEG). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.