Frakturprophylaxe durch Training: S3-Leitlinie (AWMF/DVO)
📋Auf einen Blick
- •Körperliches Training reduziert niedrig-traumatische Frakturen signifikant (RR: 0,67).
- •Postmenopausale Frauen und Männer ab 45 Jahren mit erhöhtem Risiko sollen ein Frakturprophylaxe-Training durchführen (Empfehlungsgrad A).
- •Supervidierte Trainingsprogramme sind nicht-supervidierten Programmen signifikant überlegen (Empfehlungsgrad A).
- •Die Trainingsziele (Knochenfestigkeit vs. Sturzprophylaxe) müssen an das individuelle Risikoprofil angepasst werden.
Hintergrund
Osteoporose und niedrig-traumatische Frakturen stellen ein zentrales Problem im Gesundheitswesen dar. Körperliches Training gilt als kostengünstige und eigenverantwortlich durchführbare Maßnahme zur Frakturprophylaxe. Die S3-Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) liefert evidenzbasierte Empfehlungen für postmenopausale Frauen und Männer ab 45 Jahren.
Evidenz zur Frakturreduktion
Körperliches Training zeigt statistisch signifikante und klinisch relevante Effekte auf die Frakturinzidenz.
- Niedrig-traumatische Frakturen: Risikoreduktion (RR) von 0,67
- Osteoporotische Hauptfrakturen: Risikoreduktion (RR) von 0,69
Eine Subgruppenanalyse belegt zudem die Überlegenheit von supervidierten Trainingsprogrammen. Überwiegend supervidierte Programme zeigen signifikant bessere Frakturreduktionsdaten als nicht-supervidierte Heimprogramme.
Zentrale Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert klare Handlungsempfehlungen für die Praxis:
- Empfehlung 1: Postmenopausale Frauen und Männer ab 45 Jahren mit erhöhter Frakturgefährdung sollen ein geeignetes körperliches Training zur Frakturprophylaxe durchführen (Empfehlungsgrad A, Evidenzgrad 1a).
- Empfehlung 2: Das Trainingsprogramm zur Frakturprophylaxe soll nach Möglichkeit durch eine Bewegungsfachkraft supervidiert durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A, Evidenzgrad 1a).
Risikogruppen und Trainingsziele
Die Frakturprophylaxe erfordert eine zielgruppenspezifische Steuerung. Je nach Osteoporosestatus und Sturzrisiko ergeben sich unterschiedliche Trainingsziele:
| Risikogruppe | Klinisches Profil | Primäre Trainingsziele |
|---|---|---|
| Gruppe 1 | Erhöhter Knochenumbau, max. mäßige Osteopenie, kein Sturzrisiko | Erhalt/Erhöhung der Knochenfestigkeit |
| Gruppe 2 | Osteoporose ohne Fraktur, kein Sturzrisiko | Erhalt/Erhöhung der Knochenfestigkeit |
| Gruppe 3 | Osteoporose ohne Fraktur, wesentliche Sturzrisikofaktoren | Erhalt/Erhöhung der Knochenfestigkeit, Reduktion der Sturzhäufigkeit, Verbesserung des Sturzablaufes |
| Gruppe 4 | Osteoporose-assoziierte Frakturen, multiple Sturzrisikofaktoren | Reduktion der Sturzhäufigkeit, Verbesserung des Sturzablaufes, Erhalt/Erhöhung der Knochenfestigkeit |
| Gruppe 5 | Multiple Frakturen, hohes Sturzrisiko, sehr geringe Belastbarkeit | Reduktion der Sturzhäufigkeit, Verbesserung des Sturzablaufes |
Diagnostik der Knochenfestigkeit
Die Knochendichte (KMD) ist die wesentlichste Surrogatgröße der Knochenfestigkeit. Sie wird üblicherweise mittels Dual Energy X-Ray Absorptiometry (DXA) an der Lendenwirbelsäule (LWS) und der proximalen Femurregion gemessen. Die KMD erklärt bis zu 94 % der Varianz der Knochenfestigkeit. Es ist jedoch zu beachten, dass auch bei ausbleibender KMD-Veränderung durch Training eine verbesserte Bruchfestigkeit (z. B. durch verbesserte Mikroarchitektur) vorliegen kann.
💡Praxis-Tipp
Empfehlen Sie primär supervidierte Trainingsprogramme (z.B. Rehabilitationssport), da diese eine signifikant höhere Frakturreduktion zeigen als unbegleitetes Heimtraining.