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HUS im Kindesalter: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das HUS ist definiert durch die Trias aus mikroangiopathischer hämolytischer Anämie, Thrombozytopenie und akutem Nierenversagen.
  • Bei ca. 90 % der Kinder liegt ein STEC-HUS vor, bei dem eine EHEC-gerichtete antibiotische Therapie kontraindiziert ist.
  • Bei Verdacht auf ein Komplement-vermitteltes HUS ist Eculizumab (C5-Inhibitor) die First-Line-Therapie.
  • Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die TTP, die umgehend mittels ADAMTS-13-Aktivität ausgeschlossen werden muss.
  • Aufgrund der Komplexität soll die Behandlung immer in einem spezialisierten Zentrum erfolgen.
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Hintergrund

Das Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine häufige Ursache des akuten, dialysepflichtigen Nierenversagens im Kindesalter. Es ist definiert durch die Trias aus:

  • Mikroangiopathischer, hämolytischer Anämie (MAHA)
  • Thrombozytopenie
  • Akuter Nierenfunktionseinschränkung (AKI)

Histologisch liegt der Erkrankung eine thrombotische Mikroangiopathie (TMA) zugrunde. In der Diagnostik bei HUS soll auch an extrarenale Manifestationen gedacht werden (Starker Konsens, ↑↑).

Einteilung und Ursachen

Die alte Einteilung in typisches (D+) und atypisches (D-) HUS wird den pathophysiologischen Erkenntnissen nicht mehr gerecht. Aktuell wird wie folgt klassifiziert:

HUS-FormHäufigkeitUrsache
STEC-HUSca. 90%Infektion mit Shigatoxin-bildenden E. coli (EHEC), meist nach blutiger Diarrhoe
Komplement-vermitteltes HUS5-10%Genetische oder erworbene Dysregulation des alternativen Komplementwegs
Andere FormenseltenPneumokokken, DGKE-Mutation, Cobalamin-C-Mangel, sekundär (z.B. Medikamente)

Diagnostik und Differenzialdiagnosen

Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP), die unbehandelt eine hohe Letalität aufweist. Die Diagnostik muss zügig erfolgen, darf aber notwendige Therapien nicht verzögern.

VerdachtsdiagnoseDiagnostischer PfadLeitlinien-Empfehlung
TTPADAMTS-13-Aktivität (<10%)Bei Verdacht auf TTP soll schnellstmöglich die Bestimmung der ADAMTS-13 Aktivität veranlasst und mit einer Plasmapherese begonnen werden (Starker Konsens, ↑↑).
STEC-HUSStuhlkultur, PCR (Toxin-Gene), ggf. IgM-SerologieDer Erregernachweis soll mittels Stuhlkultur und molekularbiologischem Nachweis erfolgen (Starker Konsens, ↑↑).
Komplement-HUSC3, C4, Komplementfaktoren, Genetik, AntikörperBei Verdacht soll weiterführende Komplementdiagnostik durchgeführt werden (Starker Konsens, ↑↑).
Pneumokokken-HUSBlutkultur, Liquor, Pleurapunktat/BALMittels direktem Erregernachweis soll die Diagnose bestätigt werden (Starker Konsens, ↑↑).

Therapie

Die Therapie ruht auf zwei Säulen: der supportiven Behandlung des akuten Nierenversagens und der ursachenspezifischen Therapie.

Supportive Therapie

  • Flüssigkeitsmanagement, Bilanzierung und Blutdruckkontrolle.
  • Nierenersatztherapie (bei Kleinkindern meist Peritonealdialyse) bei nicht beherrschbarer Hyperkaliämie, Azidose oder Volumenüberladung.
  • Die Indikation zur Transfusion von Erythrozyten- und Thrombozyten-konzentraten sollte streng gestellt werden und sich an der klinischen Symptomatik orientieren (Starker Konsens, ↑↑). (EK-Gabe meist bei Hb < 5-7 g/dl).
  • Eine antithrombotische Therapie ist nicht indiziert.

Spezifische Therapie

HUS-FormTherapie der WahlLeitlinien-Empfehlung
STEC-HUSRein supportivBei einem manifesten STEC-HUS ist eine EHEC-gerichtete, antibiotische Therapie nicht indiziert (Starker Konsens, ↑↑).
Komplement-HUSEculizumab (oder andere C5-Inhibitoren)Eculizumab soll als First-Line-Therapie verwendet werden (Starker Konsens, ↑↑).
CFH-Antikörper-HUSEculizumab + ImmunsuppressionBeim Nachweis von CFH-Antikörpern soll zusätzlich zur Komplementinhibition eine immunsuppressive Therapie erfolgen (Starker Konsens, ↑↑).

Besonderheiten unter Eculizumab

Eculizumab blockiert die terminale Komplementaktivierung, was das Risiko für Infektionen mit bekapselten Bakterien (v.a. Meningokokken) stark erhöht. Bei einer Therapie mit Eculizumab sollen eine Impfung gegen bekapselte Bakterien sowie eine antibiotische Prophylaxe bis 2 Wochen nach der letzten Impfung durchgeführt werden (Starker Konsens, ↑↑).

Nachsorge und Versorgungsstruktur

  • Auf Grund der Komplexität in Diagnostik und Therapie eines HUS soll die Behandlung der Kinder in einem hierfür spezialisierten Zentrum erfolgen (Starker Konsens, ↑↑).
  • Auf Grund der hohen Anzahl an renalen Residuen soll eine regelmäßige kindernephrologische Nachsorge durchgeführt werden (Starker Konsens, ↑↑).

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie bei Verdacht auf ein Komplement-vermitteltes HUS oder eine TTP niemals den Therapiebeginn (Eculizumab bzw. Plasmapherese) durch das Warten auf aufwendige Laborergebnisse.

Häufig gestellte Fragen

Das HUS ist definiert durch die Trias aus mikroangiopathischer, hämolytischer Anämie (MAHA), Thrombozytopenie und akuter Nierenfunktionseinschränkung.
Nein, bei einem manifesten STEC-HUS ist eine EHEC-gerichtete, antibiotische Therapie nicht indiziert.
Eculizumab (oder andere zugelassene C5-Inhibitoren) soll bei Patienten mit Komplement-vermitteltem HUS als First-Line-Therapie eingesetzt werden.
Bei der TTP steht eine ausgeprägte Thrombozytopenie mit oft neurologischen Symptomen im Vordergrund, während die Nierenfunktion meist nur mild eingeschränkt ist. Beweisend ist eine ADAMTS-13-Aktivität von unter 10 %.

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