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EHEC-Erkrankung und HUS: Leitlinie (RKI-Ratgeber)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Übertragung von EHEC erfolgt fäkal-oral, oft durch Wiederkäuer oder kontaminierte Lebensmittel, bei einer sehr geringen Infektionsdosis (< 100 Erreger).
  • Bei 5-10 % der symptomatischen Kinder entwickelt sich als schwere Komplikation ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS).
  • Die Diagnostik basiert auf dem Nachweis von Shigatoxinen bzw. Toxingenen (stx1/stx2) mittels PCR.
  • Antibiotika, die eine Shigatoxin-Freisetzung induzieren (z.B. Beta-Laktame), sind in der Akutphase zu vermeiden.
  • Für die Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen gelten strenge, vom stx-Subtyp abhängige IfSG-Regeln.
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Hintergrund

Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) bzw. Shigatoxin-produzierende E. coli (STEC) sind gramnegative Stäbchenbakterien. Ihr Hauptmerkmal ist die Bildung von Shigatoxinen (stx1 und stx2). Schwere Krankheitsverläufe werden fast ausschließlich durch stx2-positive Stämme (v.a. Subtypen stx2a, stx2c, stx2d) verursacht.

Das Hauptreservoir bilden Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen). Die Übertragung erfolgt fäkal-oral durch direkten Tierkontakt, kontaminierte Lebensmittel (Rohmilch, rohes Fleisch, Sprossen) oder von Mensch zu Mensch. Die Infektionsdosis ist sehr gering (< 100 Erreger).

Klinische Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 3 bis 4 Tage (Spannweite 2-10 Tage). Eine EHEC-Infektion kann asymptomatisch verlaufen oder sich in verschiedenen Schweregraden manifestieren:

VerlaufsformHäufigkeitSymptomatik
Unkomplizierte GastroenteritisHäufigste FormWässriger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Abdominalschmerzen
Hämorrhagische Kolitis10-20 %Krampfartige Bauchschmerzen, blutiger Stuhl, teils Fieber
Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)5-10 % (v.a. Kinder)Nierenversagen, hämolytische Anämie, Thrombozytopenie

Symptome eines HUS beginnen meist 5 bis 13 Tage nach Beginn des Durchfalls.

Diagnostik

Das wichtigste diagnostische Merkmal ist der Nachweis der Shigatoxine bzw. Toxingene (stx1/stx2), idealerweise mittels PCR aus dem Stuhl. Eine EHEC-Diagnostik ist in folgenden Fällen indiziert:

  • Blutiger Durchfall
  • Wegen Diarrhö hospitalisierte Kinder (bis zum 6. Lebensjahr)
  • Endoskopisch nachgewiesene hämorrhagische Kolitis
  • HUS oder akutes Nierenversagen bei pädiatrischen Patienten
  • Kontaktpersonen von HUS-Patienten
  • Erkrankte Personen, die im Lebensmittelbereich tätig sind (§ 42 IfSG)

Therapie

Die Behandlung der EHEC-Gastroenteritis erfolgt primär symptomatisch.

WirkstoffgruppeEmpfehlungBegründung
Beta-Laktame, Fluorchinolone, CotrimoxazolVerzicht in AkutphaseInduzieren Shigatoxin-Freisetzung, erhöhen Risiko für TMA/HUS
Gezielte AntibioseNur bei manifestem HUSBei klarer infektiologischer Indikation (gemäß S3-Leitlinie)
AzithromycinEinzelfallentscheidungGgf. zur Verkürzung der Ausscheidungsdauer bei Langzeitausscheidern

Meldepflicht und Wiederzulassung

Nach § 6 und § 7 IfSG sind der Krankheitsverdacht, die Erkrankung und der Tod an HUS sowie der direkte/indirekte Nachweis von EHEC namentlich meldepflichtig.

Für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen (§ 34 IfSG) ist der nachgewiesene EHEC-Stamm entscheidend:

EHEC-StammKriteriumWiederzulassung
Nicht-HUS-assoziiert (stx2-negativ)48h nach klinischer GenesungOhne Stuhlkontrolle möglich
HUS-assoziiert (stx2a/c/d positiv oder stx-Typ unbekannt)Frühestens 48h nach GenesungNur nach zwei negativen Stuhlproben (Abstand mind. 24h)

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Verdacht auf eine akute EHEC-Infektion auf den empirischen Einsatz von Beta-Laktam-Antibiotika oder Fluorchinolonen, da diese die Shigatoxin-Freisetzung triggern und das HUS-Risiko deutlich erhöhen können.

Häufig gestellte Fragen

Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 3 bis 4 Tage (Spannweite 2 bis 10 Tage). Ein HUS tritt meist 5 bis 13 Tage nach Durchfallbeginn auf.
Bei blutigem Durchfall, HUS-Verdacht, hospitalisierten Kindern unter 6 Jahren mit Durchfall sowie bei Ausbrüchen und betroffenen Mitarbeitern im Lebensmittelbereich.
Schwere Verläufe und HUS werden fast ausschließlich durch stx2-positive Stämme (insbesondere die Subtypen stx2a, stx2c und stx2d) verursacht.
Die Infektionsdosis ist sehr gering; bei EHEC O157 reichen bereits weniger als 100 Erreger für eine Infektion aus.

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