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IgA-Vaskulitis (Purpura Schönlein-Henoch): Leitlinie AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Klassifikation erfolgt nach den Ankara-2008-Kriterien mit palpabler Purpura als obligatem Kriterium.
  • Bei Bauchschmerzen ist eine Sonografie zum Ausschluss einer Invagination zwingend erforderlich.
  • Eine prophylaktische Steroidgabe zur Verhinderung einer Nierenbeteiligung wird nicht empfohlen.
  • Steroide sind bei schweren Organmanifestationen (z.B. ZNS, Lunge, schwere gastrointestinale Beteiligung) indiziert.
  • Nach abgelaufener Erkrankung muss der Urin über 6 Monate kontrolliert werden.
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Hintergrund

Die IgA-Vaskulitis (früher Purpura Schönlein-Henoch) ist die häufigste Vaskulitis im Klein- und Schulkindalter. Es handelt sich um eine leukozytoklastische Vaskulitis der kleinen Gefäße mit Ablagerung IgA-haltiger Immunkomplexe, die vor allem Haut, Gastrointestinaltrakt und Glomeruli betrifft.

Klassifikation

Zur Klassifizierung sollen die Ankara 2008 Kriterien verwendet werden. Das obligate Kriterium ist eine palpable Purpura oder Petechien (vorwiegend an lageabhängigen Körperregionen). Zusätzlich muss mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:

KriteriumBeschreibung
BauchschmerzenDiffuse, akut beginnende kolikartige Schmerzen (mögliche Komplikationen: Invagination, Hämatochezie)
Arthritis/ArthralgieAkuter Beginn
Renale BeteiligungProteinurie, glomeruläre Hämaturie oder Erythrozytenzylinder
HistopathologieTypische leukozytoklastische Vaskulitis oder proliferative Glomerulonephritis mit IgA-Ablagerungen

Diagnostik

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Spezifische labormedizinische Parameter existieren nicht.

  • Abdomensonografie: Bei Bauchschmerzen obligatorisch zum Ausschluss einer Invagination (durch kinderradiologisch erfahrenen Untersucher).
  • Hautbiopsie: Nicht bei typischem Befund durchführen. Nur bei atypischer Konstellation zur Differenzialdiagnostik indiziert.
  • Urinstatus & Blutdruck: Zur Erfassung einer Nierenbeteiligung bei allen Patienten durchführen.

Therapie der extrarenalen Manifestationen

SymptomatikTherapieempfehlungBemerkung
Muskuloskelettale SchmerzenNSAR (Ibuprofen, Naproxen)Kontraindiziert bei aktiver GI-Blutung oder Niereninsuffizienz
Schwere OrganmanifestationenOrale Steroide (1-2 mg/kg/Tag, max. 80 mg)Indiziert bei Orchitis, ZNS-Vaskulitis, pulmonaler Hämorrhagie, schwerer GI-Beteiligung

Wichtig: Eine prophylaktische Gabe von Kortikosteroiden zur Prävention einer Nierenbeteiligung soll nicht erfolgen.

Diagnostik und Therapie der Nephritis

Bei Nierenbeteiligung sollte ein pädiatrischer Nephrologe hinzugezogen werden. Bei großer Proteinurie oder eingeschränkter eGFR wird eine Nierenbiopsie empfohlen.

Stufenschema der Nephritis-Therapie

SchweregradDefinitionTherapie der Wahl
MildNormale eGFR, kleine Proteinurie (< 2 g/g Crea)Zunächst 3 Monate Kontrolle ohne Immunsuppression
Mäßig< 50% akute Halbmonde, eingeschränkte eGFR und/oder große Proteinuriei.v. Methylprednisolonpulse, gefolgt von oralen Steroiden (ggf. + Azathioprin/MMF/Ciclosporin A)
Schwer> 50% akute Halbmonde, eingeschränkte eGFR und/oder große Proteinuriei.v. Cyclophosphamid kombiniert mit Methylprednisolonpulsen +/- orale Steroide

Bei persistierender Proteinurie (spätestens nach 3 Monaten) sollte eine Therapie mit RAAS-Inhibitoren (z.B. Ramipril, Enalapril) eingeleitet werden.

Nachsorge

Nach abgelaufener IgA-Vaskulitis soll der Urin – auch ohne vorherige Nephritis – immer mittels Urinstatus über 6 Monate (ca. 1x pro Monat) kontrolliert werden, da 97 % der Nephritiden in diesem Zeitraum auftreten.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem Patienten mit IgA-Vaskulitis initial und im Verlauf über 6 Monate einen Urinstatus durch, da 97 % der Nephritiden in diesem Zeitraum auftreten.

Häufig gestellte Fragen

Bei schweren Organmanifestationen wie Orchitis, ZNS-Vaskulitis, pulmonaler Hämorrhagie oder schwerer gastrointestinaler Beteiligung. Sie dienen nicht zur Prophylaxe einer Nephritis.
NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen, sofern die Nierenfunktion normal ist und keine gastrointestinalen Blutungen vorliegen.
Auch ohne vorherige Nephritis sollte der Urin über 6 Monate (ca. 1x pro Monat) kontrolliert werden.
Nur bei atypischer Befundkonstellation (z.B. Knoten, Nekrosen) oder zur Abgrenzung gegenüber anderen Vaskulitiden.

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