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Crampi & Muskelkrämpfe: Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Symptomatische Muskelkrämpfe müssen vor der Diagnose idiopathischer Crampi ausgeschlossen werden.
  • Im akuten Fall soll der verkrampfte Muskel gedehnt oder der Antagonist statisch angespannt werden.
  • Die Wirksamkeit von Magnesium bei idiopathischen Crampi ist nicht ausreichend belegt, ein Mangel sollte aber ausgeglichen werden.
  • Chinin ist mäßig wirksam, darf wegen schwerer Nebenwirkungen aber nur bei starken, therapieresistenten Krämpfen als Ultima Ratio eingesetzt werden.
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Hintergrund

Der Muskelkrampf (Crampus) ist eine akute, schmerzhafte und unwillkürliche Kontraktion eines Muskels oder einer Muskelgruppe, die mit einer tastbaren Verhärtung einhergeht. Er dauert Sekunden bis Minuten und ist selbstlimitierend. Man unterscheidet idiopathische (oft nachts, Waden und Fußgewölbe) und symptomatische Muskelkrämpfe.

Ursachen und Risikofaktoren

Risikofaktoren für Crampi sind höheres Alter, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum, venöse oder arterielle Gefäßerkrankungen sowie Leber- und Niereninsuffizienz.

Zahlreiche Medikamente können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe auslösen:

Medikamentengruppe / WirkstoffBemerkung
StatineRisiko gering erhöht, kaum dosisabhängig
DiuretikaHäufige Ursache, ggf. durch Elektrolytverschiebung
Asthmatherapieβ-adrenerge Agonisten
WeitereCalciumantagonisten (Nifedipin), Lithium, Opioide, Kontrazeptiva, Donepezil

Diagnostik

Vor einer symptomatischen Therapie müssen behandelbare Ursachen (z.B. Hypothyreose, Elektrolytstörungen, Polyneuropathien) ausgeschlossen werden.

DiagnostikstufeEmpfohlene Parameter
BasisdiagnostikBlutbild, Elektrolyte (Na, K, Mg, Ca), Nüchternblutzucker, Kreatinin, CK, GOT, TSH
Erweiterte DiagnostikfT3, fT4, Vitamin D, Parathormon, HbA1c, Medikamentenspiegel, Rheumafaktor, Autoantikörper
Apparativ (bei Verdacht)Elektromyographie (EMG), Elektroneurographie, Duplexsonographie der Beingefäße

Allgemeine Therapieprinzipien

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Akut: Statische Dehnung der verkrampften Muskulatur und/oder Anspannung der Antagonisten.
  • Prophylaxe: Bei nächtlichen Wadenkrämpfen sollten regelmäßige passive Dehnübungen der Wadenmuskulatur durchgeführt werden (z.B. mehrmals täglich Vorbeugen an einer Wand).

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie sollte erst nach Ausschöpfen konservativer Maßnahmen und bei hohem Leidensdruck erfolgen.

WirkstoffDosierungEvidenz & Bemerkung
Magnesium100–520 mg/dNicht ausreichend belegt. Messbarer Mangel sollte ausgeglichen werden. Kontraindiziert bei Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder Myasthenie.
Chinin (Chininsulfat/Hydrochinin)200–400 mg zur NachtMäßig wirksam. Strenge Indikation! Nur bei sehr schmerzhaften/häufigen Krämpfen. Gefahr schwerer Nebenwirkungen (Thrombozytopenie, QT-Verlängerung).

Wichtige Hinweise zu Chinin:

  • Die Indikation ist stark eingeschränkt (Rezeptpflicht, Ultima Ratio).
  • Vor Therapiebeginn: Häufigkeit und Schwere über 4–8 Wochen dokumentieren.
  • Bei fehlender Besserung nach 4 Wochen absetzen.
  • Komedikation prüfen (keine QT-Zeit-verlängernden Medikamente wie Antiarrhythmika oder Neuroleptika!).
  • Patienten über Blutungsneigung (Thrombozytopenie) aufklären.

Spezifische Patientengruppen

Für die meisten symptomatischen Crampi gibt es keine ausreichend belegte pharmakologische Therapie:

  • Körperliche Belastung: Flüssigkeitsdefizite vermeiden. Dehnübungen. Chinin wird nicht empfohlen.
  • Schwangerschaft: Wirksamkeit von Magnesium ist unsicher.
  • Dialyse: Dehnübungen und aerobes Training zur Prophylaxe empfohlen.
  • Leberzirrhose: Gurkensaft (PICCLES-Studie) linderte in einer Studie die Schwere der Krämpfe. Medikamente haben noch keine ausreichende Evidenz.
  • Polyneuropathien: Botulinumtoxin A zeigte in kleinen Studien bei diabetischer Polyneuropathie positive Effekte, reicht aber nicht für eine generelle Empfehlung.

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie Chinin niemals unkritisch. Lassen Sie Patienten zunächst ein Schmerztagebuch führen und konsequente Dehnübungen durchführen. Klären Sie bei Chinin-Gabe zwingend über Blutungsneigung (Thrombozytopenie) auf.

Häufig gestellte Fragen

Die Wirksamkeit von Magnesium bei idiopathischen Crampi ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Ein messbarer Magnesiummangel sollte jedoch ausgeglichen werden.
Chinin darf nur bei sonst nicht behandelbaren, sehr häufigen oder sehr schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen eingesetzt werden, wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen versagt haben.
Häufige Auslöser sind Statine, Diuretika, Beta-Mimetika, Calciumantagonisten (wie Nifedipin) und Lithium.
Die sofortige statische Dehnung des verkrampften Muskels oder die Anspannung des antagonistischen Muskels.

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