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Restless-Legs-Syndrom (RLS): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose des RLS wird rein klinisch anhand von fünf essenziellen Kriterien gestellt.
  • Bei allen Patienten muss der Eisenstoffwechsel (Ferritin, Transferrinsättigung) bestimmt werden.
  • Therapie der ersten Wahl bei leichtem RLS und Ferritin ≤ 75 µg/l ist die orale Eisensubstitution.
  • Non-Ergot-Dopaminagonisten (Rotigotin, Ropinirol, Pramipexol) sind Mittel der ersten Wahl bei unzureichender Eisenwirkung.
  • Levodopa darf wegen des hohen Augmentationsrisikos nur intermittierend (max. 100 mg) eingesetzt werden.
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Hintergrund

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische, sensomotorische Bewegungsstörung. Die genaue Pathophysiologie ist unvollständig geklärt, es handelt sich jedoch um eine multifaktorielle Erkrankung, bei der der Dopamin- und Eisenmetabolismus eine relevante Rolle spielen. Eine positive Familienanamnese ist besonders bei Patienten mit frühem Beginn (vor dem 45. Lebensjahr) mit einer Häufigkeit von 40 bis 92 % sehr oft zu finden.

Diagnostik

Die Diagnose des RLS wird klinisch gestellt. Eine Polysomnographie ist zur Diagnosestellung nicht zwingend erforderlich, kann aber hilfreich sein (z. B. zum Nachweis von periodischen Beinbewegungen im Schlaf, PLMS).

KriteriumBeschreibung
1. BewegungsdrangDrang, die Beine zu bewegen, meist begleitet oder ausgelöst durch Missempfindungen.
2. Ruhe/InaktivitätBeginn oder Verschlechterung der Symptome beim Liegen oder Sitzen.
3. Besserung durch BewegungTeilweise oder vollständige Besserung durch Laufen, Gehen oder Strecken.
4. Zirkadiane RhythmikAuftreten oder Verschlimmerung ausschließlich am Abend oder in der Nacht.
5. AusschlussSymptome sind nicht durch andere Erkrankungen (Mimics) erklärbar.

Labordiagnostik: Bei allen Personen mit RLS soll der Eisenstoffwechsel bestimmt werden (bei Diagnose, vor Therapiebeginn und bei Verschlechterung):

  • Serumferritin
  • Transferrin und Transferrinsättigung
  • Eisen und Eisenbindungskapazität
  • Blutbild

Differenzialdiagnosen und RLS-Mimics

Krankheitsbilder, die ähnliche Symptome verursachen, müssen abgegrenzt werden.

ErkrankungUnterscheidungsmerkmal zum RLS
Polyneuropathie (PNP)Symmetrisch sockenförmig, oberflächliches Brennen/Kribbeln, keine vollständige Besserung durch Bewegung.
Nächtliche WadenkrämpfePlötzliche Kontraktion einzelner Muskeln, Erleichterung durch Dehnen.
Claudicatio intermittensSchmerzzunahme beim Gehen, Erleichterung beim Stillstehen.
Venöse InsuffizienzZunahme bei langem Stehen, Besserung durch Hochlagern.

Therapie

Die Indikation zur medikamentösen Therapie richtet sich nach der Beeinträchtigung der Lebens- und Schlafqualität. Die kontinuierliche Behandlung sollte so spät wie möglich und in der niedrigstmöglichen Dosierung erfolgen.

Stufe / SituationTherapieempfehlungBemerkung
Leichtes RLS + Ferritin ≤ 75 µg/lOrale Eisensubstitution80-100 mg Eisen-Ionen (Fe2+) zweimal täglich mit Vitamin C.
Mittel- bis schweres RLS oder orale IntoleranzIntravenöse EisensubstitutionFerrocarboxymaltose (FCM), z.B. 1000 mg einmalig.
Unzureichende Eisenwirkung / Mittel-schweres RLSNon-Ergot-DopaminagonistenRotigotin, Ropinirol oder Pramipexol. Monotherapie anstreben!
Alternativ (Off-Label)GabapentinoideGabapentin oder Pregabalin (geringeres Augmentationsrisiko).
Therapieversagen / AugmentationOpioideOxycodon/Naloxon ret. als Mittel zweiter Wahl.

Wichtige medikamentöse Hinweise:

  • Levodopa: Darf nicht zur kontinuierlichen Behandlung eingesetzt werden (hohes Augmentationsrisiko). Nur intermittierend oder diagnostisch (max. 100 mg).
  • Kontraindizierte Medikamente: Neuroleptika und bestimmte Antidepressiva (z. B. Mirtazapin, Citalopram, Venlafaxin) können ein RLS auslösen oder verstärken.

Augmentation

Die Augmentation ist eine paradoxe Verschlechterung der Symptome unter dopaminerger Therapie.

Diagnostische Kriterien:

  • Vorverlagerung des Symptombeginns um ca. 2 Stunden.
  • Mögliche Ausbreitung auf andere Körperteile.
  • Zunahme der Intensität der Beschwerden.
  • Abnahme der Wirkung der dopaminergen Medikation.

Management der Augmentation:

  1. Eisenstatus kontrollieren: Substitution bei Ferritin ≤ 75 µg/l oder Transferrinsättigung < 20 %.
  2. Dosisreduktion: Dopaminerge Medikation bis zur zugelassenen Maximaldosis reduzieren oder aufteilen.
  3. Umstellung: Bei Levodopa auf Dopaminagonisten wechseln. Bei Dopaminagonisten auf ein langwirksames Präparat (Rotigotin-Pflaster) oder Opiate umstellen.

Besondere Patientengruppen

  • Schwangerschaft: Eisensubstitution bei Ferritin ≤ 75 µg/l. Eine intravenöse Gabe (FCM) ist ab dem zweiten Trimenon sicher. Dopaminagonisten sollten vermieden werden.
  • Kinder und Jugendliche: Die medikamentöse Therapie der ersten Wahl ist die Eisensubstitution (oral, bei Versagen i.v. unter stationärer Aufsicht).

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei jedem RLS-Patienten den Eisenstatus (Ferritin, Transferrinsättigung) nüchtern am Morgen. Setzen Sie Levodopa niemals als Dauertherapie ein, um das Risiko einer Augmentation zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Sie ist zur Diagnosestellung nicht zwingend erforderlich, aber hilfreich zum Ausschluss von schlafbezogenen Atmungsstörungen oder zum Nachweis von periodischen Beinbewegungen (PLMS).
Bei einem Serumferritin von ≤ 75 µg/l oder einer Transferrinsättigung < 20 % sollte eine Eisensubstitution (oral oder intravenös) erfolgen.
Eine paradoxe Verschlechterung der RLS-Symptome (z. B. früherer Beginn um ca. 2 Stunden, Ausbreitung, Intensitätszunahme) unter einer dopaminergen Therapie.
Nein, aufgrund des hohen Augmentationsrisikos darf Levodopa nur intermittierend oder diagnostisch mit einer Maximaldosis von 100 mg verwendet werden.
Insbesondere Neuroleptika (antidopaminerg) sowie bestimmte Antidepressiva wie Mirtazapin, Citalopram, Paroxetin oder Venlafaxin.

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