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Stiff-Man-Syndrom (SPS): Leitlinie (DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Stiff-Man-Syndrom ist durch fluktuierende Rigidität, tonische Spasmen und gesteigerte Stimulus-Sensitivität gekennzeichnet.
  • Autoantikörper (v.a. GAD) sollten immer in Serum und Liquor bestimmt werden, da die Sensitivität im Liquor um ca. 25 % höher ist.
  • Bei einer Krankheitsdauer von unter 5 Jahren oder Nachweis spezifischer Antikörper (z.B. Amphiphysin) ist ein Malignom-Screening zwingend erforderlich.
  • Die Therapie stützt sich auf Immunmodulation (IVIG, Kortikosteroide) und symptomatische Spasmolyse (v.a. Benzodiazepine).
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Hintergrund

Das Stiff-Man-Syndrom (SMS), auch Stiff-Person-Syndrom genannt, ist eine chronische, autoimmun-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Es bildet zusammen mit dem Stiff-Limb-Syndrom (SLS, "Minusvariante") und der progressiven Enzephalomyelitis mit Rigidität und Myoklonien (PERM, "Plusvariante") das SMS-Spektrum.

Klinisches Bild

Die Erkrankung beginnt meist im mittleren Lebensalter (Mittel 46 Jahre) und betrifft zu zwei Dritteln Frauen. Der Verlauf ist oft schleichend progredient, bevor er sich stabilisiert.

  • Kernsymptome: Fluktuierende Rigidität und schmerzhafte Spasmen, meist symmetrisch an Rumpf und Beinen.
  • Stimulus-Sensitivität: Spasmen werden durch exterozeptive Reize (Berührung, Lärm, Schmerz) provoziert.
  • Orthopädische Folgen: Fixierte Hyperlordose, Ankylosen, teils Spontanfrakturen durch Spasmen.
  • Psychiatrische Symptome: Agoraphobisch anmutende Angstattacken ("task-specific phobia") beim freien Stehen oder Gehen.
  • Vegetative Entgleisungen: Schwitzen, Tachykardie, Mydriasis.

Diagnostik

Die Diagnose wird primär nach klinischen Kriterien gestellt. Apparative und laborchemische Untersuchungen sichern die Diagnose und schließen Differenzialdiagnosen aus.

  • EMG: Ununterdrückbare Aktivität normaler motorischer Einheiten. Elektrostimulation löst generalisierte Spasmen aus.
  • Liquor: Oligoklonale Banden oder autochthone IgG-Synthese bei ca. 60 % der Patienten.

Autoantikörper

Neuronale Autoantikörper sollten immer in Serum und Liquor untersucht werden, da die Sensitivität im Liquor um ca. 25 % höher ist.

AntikörperHäufigkeitKlinische Besonderheiten
GADca. 70 %Oft assoziiert mit Autoimmun-Endokrinopathien (z. B. Diabetes mellitus Typ 1)
GlyR10-15 %Häufig Urinretention, Hirnnervenausfälle; Malignom-Assoziation < 10 %
Amphiphysinca. 2 %Fast obligat paraneoplastisch (meist Mamma- oder Bronchialkarzinom)
DPPX< 2 %Oft gastrointestinale Störungen, Allodynie; Malignom-Assoziation ca. 7 %

Malignom-Screening

Ein Tumorscreening ist zwingend erforderlich bei:

  • Krankheitsdauer < 5 Jahre (unabhängig vom Antikörper-Status)
  • Exazerbation nach langjährig stabilem Verlauf
  • Vorliegen der PERM-Variante
  • Nachweis von Amphiphysin-, GlyR- oder DPPX-Antikörpern

Therapie

Die Behandlung erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen und ruht auf zwei Säulen: Immunmodulation und symptomatische Spasmolyse. Bei Einleitung einer Immuntherapie sollte die symptomatische Medikation konstant gehalten werden, um die Wirksamkeit beurteilen zu können.

TherapieansatzWirkstoff / MaßnahmeBemerkung
ImmuntherapieIVIG (1 g/kg an 2 Tagen/Monat)Rascher Wirkungseintritt, hält 2-3 Monate an
ImmuntherapieMethylprednisolon i.v. (500 mg/d)5 Tage, danach langsames Ausschleichen über 6-8 Wochen
SymptomatischDiazepam (5-50 mg/d) o. Clonazepam (1-6 mg/d)Mittel der Wahl; Toleranzentwicklung häufig, Sucht selten
SymptomatischBotulinum-ToxinLokal bei drohender Gelenkschädigung
NotfallMidazolam (1 mg/min) o. Propofol (10 µg/kg/min) i.v.Bei lebensbedrohlichem Status spasmodicus (Intensivstation!)
Ultima RatioBaclofen intrathekal (50-1500 µg/d)Pumpensystem; Cave: Letales Entzugssyndrom bei Unterbrechung

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie neuronale Autoantikörper stets parallel in Serum und Liquor, da die Sensitivität im Liquor um ca. 25 % höher liegt. Denken Sie bei einer Krankheitsdauer von unter 5 Jahren immer an ein Malignom-Screening.

Häufig gestellte Fragen

Am häufigsten sind GAD-Antikörper (ca. 70 %). Seltener finden sich Antikörper gegen GlyR, Amphiphysin, DPPX oder GABA-A-Rezeptoren.
Ein Malignom-Screening ist indiziert bei einer Krankheitsdauer < 5 Jahre, bei der PERM-Variante sowie bei Nachweis von Amphiphysin-, GlyR- oder DPPX-Antikörpern.
Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, der intensivmedizinisch mit einem Midazolam- oder Propofol-Perfusor behandelt werden muss.
Eine Toleranzentwicklung mit der Notwendigkeit einer Dosissteigerung ist häufig, ein süchtiger Fehlgebrauch ist jedoch auch bei hohen Dosierungen selten.

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