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Diagnostik bei Myalgien: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Myalgien sind meist unspezifisch, primäre muskuläre Ursachen müssen jedoch differenzialdiagnostisch bedacht werden.
  • Die MRT ist das bildgebende Verfahren der Wahl für die Beurteilung von Skelettmuskel-Pathologien.
  • Bei Statin-assoziierten Myopathien muss zwischen toxischen (reversibel) und immunvermittelten (HMGCR-Antikörper, immunsuppressionspflichtig) Formen unterschieden werden.
  • Eine Muskelbiopsie ist nur bei spezifischen Warnzeichen wie stark erhöhter CK, Paresen oder Myoglobinurie indiziert.
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Hintergrund

Muskelschmerzen (Myalgien) sind ein häufiges, oft unspezifisches Symptom bei einer Vielzahl neurologischer, internistischer und orthopädischer Erkrankungen. Eine strukturierte Diagnostik ist essenziell, um primäre muskuläre Ursachen zu identifizieren und den Patienten eine angemessene Therapie anbieten zu können.

Basisdiagnostik

Die Abklärung beginnt stets mit einer detaillierten Anamnese (Lokalisation, Schmerzcharakter, Belastungsabhängigkeit) und klinischen Untersuchung.

  • Labor-Basis: Differenzialblutbild, BSG/CRP, Kreatinkinase (CK), Leberenzyme und Elektrolyte (Na, K, Ca).
  • CK-Wert-Bestimmung: Zur Vermeidung falsch-hoher Werte sollte vor der Blutentnahme eine körperliche Schonung von mindestens einer Woche eingehalten werden. Intramuskuläre Injektionen und EMGs sollten für 2 Wochen vermieden werden.

Apparative Diagnostik

VerfahrenStellenwertBemerkung
MRTMethode der WahlSensitiv für pathologisches Muskelsignal (Ödem, Fettumbau), hilft bei der Festlegung des Biopsieortes.
SonographieScreeningSchnell verfügbar, gut zur Detektion von Faszikulationen und Atrophien.
EMGFakultativHilft bei der Eingrenzung (myopathisch vs. neurogen), kann aber auch bei fokalen Myopathien normal sein.

Differenzialdiagnosen

Die Ursachen für Myalgien sind vielfältig und erfordern oft eine interdisziplinäre Abklärung.

KrankheitsgruppeBeispieleKlinische Hinweise
Metabolische MyopathienM. McArdle, M. Pompe, CPT-II-MangelBelastungsabhängig, "Second-wind"-Phänomen (McArdle), Rhabdomyolyse bei Fasten/Kälte (CPT-II).
Entzündliche MyopathienDermatomyositis, Polymyositis, EinschlusskörpermyositisSubakute proximale Schwäche, CK oft deutlich erhöht (bis 50-fach).
Endokrine MyopathienHypothyreose, HypercortisolismusFatigue, proximale Paresen. CK bei Hypothyreose oft erhöht.
MyotonienDM2/PROMM, Myotonia congenitaVerzögerte Erschlaffung, Muskelsteifigkeit. Myalgien sehr häufig bei DM2.
RheumatologischPolymyalgia rheumatica (PMR)Alter >50, Schulter-/Beckengürtelschmerz, Sturzsenkung/hohes CRP, normale CK.

Toxische und medikamentöse Myopathien

Medikamente sind eine sehr häufige Ursache für Myalgien. Eine genaue Medikamentenanamnese ist obligat.

AuslöserKlinik und DiagnostikTherapie / Bemerkung
Statine (toxisch)Myalgien, CK < 10-fach erhöhtDosisreduktion oder Präparatewechsel. Meist reversibel.
Statine (immunvermittelt)Progrediente Schwäche, CK > 2.000 U/l, HMGCR-Antikörper positivStatin absetzen reicht nicht. Immunsuppression erforderlich.
Checkpoint-InhibitorenRasch progrediente Myositis, CK stark erhöhtBei schweren Verläufen Therapieabbruch und hochdosierte Steroide.
SteroideSchleichende proximale Schwäche, CK meist normalRisiko erhöht bei fluorierten Steroiden und >30 mg/d Prednison.

Indikation zur Muskelbiopsie

Die Muskelbiopsie ist invasiv und verliert durch moderne genetische Hochdurchsatzverfahren (z.B. Whole Exome Sequencing) an Bedeutung. Sie ist nur indiziert, wenn nicht-invasive Methoden ausgeschöpft sind und spezifische Warnzeichen vorliegen:

  • Myoglobinurie
  • "Second wind"-Phänomen
  • Muskelschwäche oder Muskelhypertrophie/-atrophie
  • HyperCKämie (> 3–5-fach erhöht)
  • Myopathische Veränderungen im EMG
  • Positive Familienanamnese

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie den CK-Wert erst nach mindestens einwöchiger körperlicher Schonung und vermeiden Sie i.m.-Injektionen sowie EMGs für 2 Wochen vor der Blutentnahme. Denken Sie bei Statin-assoziierten Myalgien, die sich nach Absetzen nicht bessern, an eine immunvermittelte nekrotisierende Myopathie (HMGCR-Antikörper bestimmen!).

Häufig gestellte Fragen

Nur bei spezifischen Warnzeichen wie einer CK-Erhöhung (>3-5-fach), Paresen, Myoglobinurie, pathologischem EMG oder positiver Familienanamnese.
Die toxische Form ist nach Absetzen reversibel. Die immunvermittelte Form (IMNM) progrediert weiter, weist extrem hohe CK-Werte (>2.000 U/l) sowie HMGCR-Antikörper auf und erfordert eine Immunsuppression.
Die MRT ist das Verfahren der Wahl zur Beurteilung von Skelettmuskel-Pathologien, auch wenn sie aufgrund von Überlappungen oft keine spezifische Diagnose liefert.
Eine Besserung der belastungsabhängigen Muskelschmerzen nach einer kurzen Ruhepause, typisch für die McArdle-Erkrankung (Glykogenose Typ V).
Nein. Bei einigen Myositiden, endokrinen Myopathien oder der Steroidmyopathie kann der CK-Wert völlig normal sein.

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