DMP Diabetes mellitus Typ 2: Leitlinie (G-BA)
📋Auf einen Blick
- •Die Diagnose erfordert Nüchtern-Glukose ≥ 7,0 mmol/l, Gelegenheits-Glukose ≥ 11,1 mmol/l oder HbA1c ≥ 6,5 %.
- •Das HbA1c-Ziel wird individuell festgelegt und liegt meist zwischen 6,5 % und 7,5 %, bei Multimorbidität bis 8,5 %.
- •Metformin ist die Erstlinientherapie bei unkompliziertem Verlauf.
- •Bei kardiovaskulären Begleiterkrankungen, Nephropathie oder Herzinsuffizienz werden SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten kombiniert.
- •Regelmäßige Kontrollen von Nierenfunktion (eGFR), Augen und Füßen sind obligatorisch.
Hintergrund
Als Diabetes mellitus Typ 2 wird die Form des Diabetes bezeichnet, die durch Insulinresistenz in Verbindung mit einem eher relativen als absoluten Insulinmangel gekennzeichnet ist. Die Therapie zielt darauf ab, die Lebenserwartung zu erhöhen, die Lebensqualität zu erhalten und mikro- sowie makrovaskuläre Folgeschäden zu vermeiden.
Diagnostik
Die Diagnose gilt als gesichert, wenn bei typischen Symptomen einer der folgenden Werte erreicht wird. Bei Abwesenheit von Symptomen müssen die Werte an mindestens zwei verschiedenen Tagen bestätigt werden:
| Parameter | Grenzwert |
|---|---|
| Nüchtern-Glukose (Plasma) | ≥ 7,0 mmol/l (≥ 126 mg/dl) |
| Nicht-Nüchtern-Glukose | ≥ 11,1 mmol/l (≥ 200 mg/dl) |
| HbA1c | ≥ 6,5 % (48 mmol/mol) |
| oGTT (2h nach 75g Glukose) | ≥ 11,1 mmol/l (≥ 200 mg/dl) |
Therapieziele und Kontrolluntersuchungen
Das HbA1c-Ziel ist individuell festzulegen. Dabei muss ein positives Verhältnis zwischen Nutzen und Schaden (Vermeidung schwerer Hypoglykämien) bestehen:
- 6,5 % bis 7,5 %: Standardzielbereich für die meisten Patienten.
- < 6,5 %: Bei jüngeren Patienten im frühen Krankheitsverlauf (unter Lebensstilmodifikation oder Metformin).
- Bis 8,5 %: Tolerabel bei fortgeschrittenem Alter, Multimorbidität, Hypoglykämiegefährdung oder kurzer Lebenserwartung (Symptomfreiheit steht im Vordergrund).
Folgende ärztliche Kontrolluntersuchungen sind regelmäßig durchzuführen:
| Untersuchung | Intervall |
|---|---|
| HbA1c-Messung | vierteljährlich, mindestens halbjährlich |
| Blutdruckmessung | vierteljährlich, mindestens halbjährlich |
| Nierenfunktion (eGFR) | mindestens einmal jährlich |
| Augenärztliche Untersuchung | ein- oder zweijährlich (risikoabhängig) |
| Fußinspektion | mindestens einmal jährlich (bei Risiko öfter) |
Medikamentöse Therapie
Die Auswahl der Wirkstoffe richtet sich nach dem Vorliegen kardiovaskulärer oder renaler Begleiterkrankungen. Metformin bildet in der Regel die Basis der medikamentösen Therapie.
| Patientengruppe | Primärtherapie | Therapieeskalation |
|---|---|---|
| Ohne kardiovaskuläre Erkrankung, Nephropathie oder Herzinsuffizienz | Metformin | + Sulfonylharnstoff (Glibenclamid/Gliclazid), dann + Basalinsulin |
| Mit manifester arteriosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung | Metformin + Liraglutid oder Empagliflozin | + Basalinsulin |
| Mit klinisch relevanter Nephropathie (eGFR < 45 oder AKR > 30) | Metformin + SGLT2-Inhibitor oder GLP-1-Rezeptor-Agonist | + Basalinsulin |
| Mit Herzinsuffizienz (LVEF < 40 %) | Metformin + Dapagliflozin (nachrangig Empagliflozin) | (Metformin bei dekompensierter Herzinsuffizienz kontraindiziert) |
Begleit- und Folgeerkrankungen
Arterielle Hypertonie
Ein Blutdruck von < 140/90 mmHg wird angestrebt. Mittel der ersten Wahl sind ACE-Hemmer (bei Unverträglichkeit AT1-Rezeptor-Antagonisten) sowie Thiaziddiuretika. Betablocker kommen bei manifester Herzinsuffizienz oder nach Myokardinfarkt zum Einsatz.
Diabetisches Fußsyndrom
Die Frequenz der Fußinspektion richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil:
| Risikoprofil | Inspektionsintervall |
|---|---|
| Keine sensible Neuropathie | mindestens jährlich |
| Sensible Neuropathie | mindestens alle 6 Monate |
| Neuropathie + pAVK, Fußdeformität oder Z.n. Ulkus/Amputation | alle 3 Monate oder häufiger |
💡Praxis-Tipp
Bei Patienten mit Herzinsuffizienz (LVEF < 40 %) sollte primär und unabhängig vom HbA1c-Wert eine Kombinationstherapie aus Metformin und Dapagliflozin oder Empagliflozin initiiert werden.