UEMF (Entwicklungsstörung Motorik): AWMF S3-Leitlinie
Hintergrund
Die Umschriebene Entwicklungsstörung motorischer Funktionen (UEMF), international auch als Developmental Coordination Disorder (DCD) bezeichnet, ist eine häufige neurologische Entwicklungsstörung. Die Prävalenz wird auf 5 bis 6 Prozent geschätzt, wobei Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen.
Die Störung äußert sich durch erhebliche Defizite beim Erwerb und der Ausführung koordinierter motorischer Fähigkeiten. Diese Beeinträchtigungen haben weitreichende negative Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens, die schulischen Leistungen sowie die soziale Teilhabe der betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Häufig treten bei der UEMF Begleiterkrankungen wie die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus-Spektrum-Störungen oder Lernstörungen auf. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für sekundäre psychosoziale Probleme wie ein vermindertes Selbstwertgefühl, Ängste oder depressive Symptome.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine formelle Diagnose der UEMF bei Kindern unter fünf Jahren aufgrund der großen Variabilität der normalen motorischen Entwicklung nur bei schweren Beeinträchtigungen gestellt werden sollte. In solchen Fällen wird empfohlen, die Diagnose auf mindestens zwei quantitative motorische Untersuchungen im Abstand von mindestens drei Monaten zu stützen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird für die objektive Beurteilung der motorischen Fähigkeiten der Einsatz standardisierter Tests wie des MABC-2 oder des BOT-2 empfohlen. Als Grenzwert für eine Auffälligkeit wird dabei die 16. Perzentile herangezogen.
Die Leitlinie empfiehlt primär aktivitäts- und teilhabeorientierte Therapieansätze wie das aufgabenspezifische Training, das Neuromotor Task Training (NTT) oder den CO-OP-Ansatz. Diese zielen direkt auf das Erlernen alltagsrelevanter Fertigkeiten ab.
Die Leitlinie stellt fest, dass die Evidenz für die Wirksamkeit der Sensorischen Integrationstherapie (SIT) bei Kindern mit UEMF nicht eindeutig ist. Daher wird primär zu aufgabenorientierten Ansätzen geraten.
Gemäß der Leitlinie ist ADHS die häufigste Begleiterkrankung der UEMF, wobei Studien von einer Überlappung von etwa 50 Prozent ausgehen. Es wird empfohlen, bei der Diagnostik stets auf entsprechende Komorbiditäten zu achten.
Die UEMF selbst wird nicht medikamentös behandelt. Die Leitlinie erwähnt jedoch, dass bei einer begleitenden ADHS der Einsatz von Methylphenidat erwogen werden kann, was sich positiv auf feinmotorische Symptome auswirken kann.
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Quelle: S3-Leitlinie Definition, Diagnostik, Behandlung und psychosoziale Aspekte bei Umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.