Autismus-Spektrum-Störung (ASS): Therapie-Empfehlungen
Hintergrund
Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen, die meist in der frühen Kindheit beginnen und über die gesamte Lebensspanne persistieren. Die Kernsymptomatik umfasst Einschränkungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie repetitive Verhaltensweisen und Sonderinteressen.
Die Therapieplanung erfordert eine individuelle Anpassung an das Alter, den Entwicklungsstand und die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen. Ein zentrales Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität und der Teilhabe durch die Förderung von Selbstständigkeit und alltagspraktischen Fertigkeiten.
Neben der Behandlung der autistischen Kernsymptomatik ist die Diagnostik und Therapie häufiger komorbider somatischer und psychischer Erkrankungen ein wesentlicher Bestandteil der umfassenden Versorgung. Hierzu zählen insbesondere Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Angststörungen, Depressionen sowie Schlaf- und Essstörungen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass herausforderndes oder aggressives Verhalten häufig durch unerkannte Schmerzen, kommunikative Defizite oder sensorische Überlastung ausgelöst wird. Es wird empfohlen, vor einem medikamentösen Eingriff stets eine differenzierte Verhaltensanalyse durchzuführen und primär die auslösenden Umweltfaktoren zu behandeln.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie existiert aktuell keine medikamentöse Therapie, die die sozialen Interaktions- und Kommunikationsdefizite bei Autismus verbessert. Der Einsatz von Psychopharmaka wird nur zur Behandlung von Komorbiditäten oder schweren Verhaltensauffälligkeiten empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt zunächst eine Psychoedukation der Eltern zur Schlafhygiene sowie das Führen eines Schlaftagebuchs. Bei unzureichendem Erfolg verhaltensorientierter Maßnahmen wird eine medikamentöse Therapie mit Melatonin empfohlen.
Es wird ausdrücklich davon abgeraten, gluten- oder casein-freie Diäten zur Behandlung der autistischen Kernsymptomatik einzusetzen. Die Leitlinie stuft solche Diäten ohne Vorliegen einer spezifischen medizinischen Indikation als potenziell gesundheitsschädlich ein.
Gemäß der Leitlinie sollen primär psychosoziale Interventionen und Elterntrainings auf Basis einer Verhaltensanalyse angeboten werden. Nur bei unzureichendem Erfolg oder schwerwiegender Gefährdung wird der befristete Einsatz von Antipsychotika wie Risperidon oder Aripiprazol erwogen.
Die Leitlinie rät vom Einsatz der gestützten Kommunikation ab. Es wird darauf hingewiesen, dass keine Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte und eine hohe Gefahr der Manipulation durch die stützende Person besteht.
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Quelle: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie (AWMF, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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