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Autismus-Spektrum-Störungen: Diagnostik & Komorbidität (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Prävalenz von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) liegt aktuell bei etwa 0,9 bis 1,1 %.
  • Das Geschlechterverhältnis beträgt 2-3:1 (männlich zu weiblich), wobei Mädchen häufiger unerkannt bleiben.
  • Nach DSM-5 werden die bisherigen Subgruppen (z.B. Asperger) zu einer einzigen dimensionalen Diagnose (ASS) zusammengefasst.
  • Entwicklungsstörungen (Sprache, Motorik, Intelligenzminderung) sind die häufigsten komorbiden Störungen.
  • Es gibt keine generell erhöhte Delinquenzrate bei Personen mit ASS im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.
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Hintergrund

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind durch altersunabhängige Defizite in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch eingeschränkte, repetitive Verhaltensmuster gekennzeichnet. Die Symptome bestehen von frühester Kindheit an und bleiben lebenslang präsent.

  • Prävalenz: Aktuell wird von einer Prävalenz von 0,9 bis 1,1 % ausgegangen.
  • Geschlechterverteilung: Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen liegt bei ca. 2-3:1. Mädchen bleiben aufgrund besserer Anpassungsleistungen und Kompensationsmechanismen häufiger unerkannt oder erhalten die Diagnose später.

Klassifikation: ICD-10 vs. DSM-5

Während in Deutschland aktuell nach ICD-10 diagnostiziert wird, bringt das DSM-5 (und zukünftig die ICD-11) wesentliche konzeptionelle Änderungen mit sich. Die empirische Evidenz zeigt, dass sich Untergruppen (wie das Asperger-Syndrom) nicht verlässlich abgrenzen lassen.

MerkmalICD-10DSM-5
KategorienFrühkindlicher Autismus, Atypischer Autismus, Asperger-Syndrom u.a.Eine einzige Diagnose: Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Symptom-Domänen3 (Interaktion, Kommunikation, stereotypes Verhalten)2 (Soziale Kommunikation/Interaktion, restriktive/repetitive Verhaltensweisen)
SchweregradeIndirekt über die jeweilige Unterklassifikation3 Schweregrade je Domäne
BeginnVor dem 3. Lebensjahr (außer atypischer Autismus)Frühe Kindheit (Manifestation ggf. erst bei höheren sozialen Anforderungen)

Komorbide psychische und somatische Störungen

Entwicklungsstörungen bezüglich Sprache, Motorik und der kognitiven Entwicklung stellen die häufigsten komorbiden Störungen dar und liegen bei mehr als der Hälfte der Betroffenen vor.

Kinder und Jugendliche

StörungsbereichHäufige Komorbiditäten
PsychischADHS (bis 45 %), Angststörungen (bis 62 %), oppositionelles Verhalten (bis 23 %)
SomatischSchlafstörungen (bis 61 %), Epilepsie (bis 24 %), gastrointestinale Probleme
EntwicklungIntelligenzminderung (bis 76 %), motorische Störungen

Erwachsene

Das Profil der Komorbiditäten bei Erwachsenen unterscheidet sich stark in Abhängigkeit von der kognitiven Leistungsfähigkeit:

  • Ohne Intelligenzminderung: Sehr hohe Prävalenz von Persönlichkeitsstörungen, affektiven Störungen (Depressionen), Angststörungen, ADHS und Tic-Störungen.
  • Mit Intelligenzminderung: Häufiges Auftreten von Problemverhalten (verbal/körperlich aggressiv, selbstverletzend) und Epilepsie.

Autismus und Delinquenz

Es besteht keine überproportional erhöhte Rate an Delinquenz bei Personen mit ASS im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

  • Die höchste Rate an delinquentem Verhalten innerhalb des Spektrums findet sich beim Asperger-Syndrom, liegt aber nicht über der von Kontrollgruppen.
  • Wenn Straftaten auftreten, handeln diese häufiger von Gewalt gegen Personen in Auseinandersetzungen oder Straftaten im Schulkontext.
  • Eigentumsdelikte und Verletzungen von Bewährungsauflagen kommen bei Jugendlichen mit ASS signifikant seltener vor.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Diagnostik besonders auf Mädchen: Aufgrund besserer Anpassungsleistungen und Kompensationsmechanismen bleiben sie häufiger unerkannt oder erhalten die Diagnose später als Jungen.

Häufig gestellte Fragen

Die aktuelle Prävalenz wird auf 0,9 bis 1,1 % geschätzt, was etwa einem von 100 Kindern entspricht.
Das DSM-5 fasst alle Subgruppen (wie Asperger oder frühkindlicher Autismus) zu einer einzigen Diagnose der Autismus-Spektrum-Störung zusammen und reduziert die Symptombereiche von drei auf zwei.
Nein, Studien zeigen, dass die Delinquenzrate bei Personen mit ASS gleich hoch oder sogar niedriger ist als in der Allgemeinbevölkerung.
Besonders häufig sind Epilepsien (bis zu 24 %) und bei Kleinkindern ausgeprägte Schlafstörungen (bis zu 61 %).

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