Aromatherapie in der Onkologie: Evidenz & Indikation
Hintergrund
Die Onkopedia-Leitlinie (Stand März 2022) fasst den aktuellen Kenntnisstand zur Aromatherapie in der Onkologie zusammen. Das Verfahren umfasst die kontrollierte Anwendung ätherischer Öle aus Pflanzen wie Lavendel, Rosmarin oder Pfefferminze.
Die Anwendung erfolgt üblicherweise in Form von Massagen, Inhalationen oder als Badezusatz. Ziel der komplementärmedizinischen Methode ist die Verbesserung des körperlichen, geistigen und emotionalen Wohlbefindens von Krebspatienten.
Laut Leitlinie basieren die postulierten Wirkmechanismen auf psychologischen Aspekten oder neurochemischen Effekten über das limbische und olfaktorische System. Die S3-Leitlinie Komplementärmedizin spricht jedoch aufgrund der geringen oder widersprüchlichen Datenlage keine generelle Empfehlung für die Aromatherapie aus.
Klinischer Kontext
Komplementärmedizinische Verfahren, einschließlich der Aromatherapie, werden von einem signifikanten Anteil onkologischer Patienten begleitend zur Standardtherapie genutzt. Schätzungen zufolge greifen viele Krebspatienten im Verlauf ihrer Erkrankung auf solche supportiven Maßnahmen zurück, um die Lebensqualität zu verbessern.
Die Aromatherapie nutzt ätherische Öle, die über den Geruchssinn das limbische System stimulieren oder bei topischer Anwendung über die Haut resorbiert werden. Dies kann neurophysiologische Prozesse beeinflussen, die zur Modulation von Stress, Angst und Schmerzempfinden beitragen.
In der Onkologie dient die Aromatherapie primär der Linderung von therapie- und krankheitsbedingten Symptomen wie Übelkeit, Schlafstörungen und psychischer Belastung. Sie stellt eine unterstützende Maßnahme dar, die das subjektive Wohlbefinden steigern kann, ohne die tumorspezifische Behandlung zu ersetzen.
Die Indikation zur Aromatherapie ergibt sich aus der klinischen Erfassung der Symptomlast und den individuellen Präferenzen der Patienten. Eine sorgfältige Anamnese bezüglich Allergien und Hautempfindlichkeiten ist vor der Anwendung ätherischer Öle essenziell.
Wissenswertes
Die Aromatherapie wird in der Onkologie hauptsächlich zur supportiven Behandlung von Begleitsymptomen eingesetzt. Dazu gehören insbesondere Übelkeit, innere Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen. Sie dient der Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität während der Krebstherapie.
Bekannte Allergien gegen Inhaltsstoffe der ätherischen Öle stellen eine absolute Kontraindikation dar. Bei strahlengeschädigter Haut oder offenen Wunden sollte auf eine topische Anwendung verzichtet werden. Zudem ist bei hormonabhängigen Tumoren Vorsicht bei Ölen mit potenziell phytoöstrogenen Eigenschaften geboten.
Bei rein inhalativer Anwendung sind pharmakologische Interaktionen mit Zytostatika äußerst unwahrscheinlich. Bei großflächiger dermaler Anwendung oder oraler Einnahme könnten theoretisch Wechselwirkungen über den hepatischen Metabolismus auftreten. Daher wird die orale Einnahme ätherischer Öle in der Onkologie meist vermieden.
Einige ätherische Öle, wie beispielsweise Pfefferminz- oder Ingweröl, zeigen in klinischen Beobachtungen positive Effekte bei der Linderung von leichter Übelkeit. Sie werden oft als ergänzende Maßnahme zur etablierten antiemetischen Pharmakotherapie eingesetzt. Ein Ersatz für leitliniengerechte Antiemetika sind sie jedoch nicht.
Bei der topischen Anwendung können ätherische Öle Hautreizungen, Rötungen oder allergische Kontaktdermatitiden auslösen. Dies gilt besonders, wenn die Öle unverdünnt aufgetragen werden oder die Haut durch onkologische Therapien bereits kompromittiert ist. Eine ausreichende Verdünnung in Trägerölen ist daher zwingend erforderlich.
In der Palliativversorgung wird die Aromatherapie häufig zur Entspannung, Angstlösung und zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens genutzt. Sie kann über Raumbeduftung, Waschungen oder sanfte Einreibungen appliziert werden. Ziel ist die ganzheitliche Symptomlinderung am Lebensende.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, eine Inhalations-Aromatherapie bei Patienten mit Asthma anzuwenden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Lavendel- und Teebaumöl hormonelle Effekte haben können, weshalb bei Patienten mit östrogenabhängigen Tumoren besondere Vorsicht geboten ist. Es wird empfohlen, bei der Kombination mit zentral dämpfenden Analgetika oder Sedativa auf eine verstärkte Schläfrigkeit zu achten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie lässt die aktuelle Datenlage keine eindeutige Schlussfolgerung zur Wirksamkeit bei Schmerzen zu. Die Ergebnisse der vorliegenden Studien sind widersprüchlich und weisen eine sehr niedrige Ergebnissicherheit auf.
Die Leitlinie beschreibt Anhaltspunkte, dass Mundspülungen mit Kamille und Pfefferminze bei Stammzelltransplantationen helfen können. Bei einer strahleninduzierten Mukositis wird ein möglicher Nutzen von Manuka- und Kanukaöl erwähnt.
Es wird zur Vorsicht bei östrogenabhängigen Tumoren geraten, da bestimmte Öle wie Lavendel- und Teebaumöl hormonelle Effekte auslösen können. Die Leitlinie empfiehlt, diese potenziellen Risiken bei der Auswahl der Öle zu berücksichtigen.
Ja, die Leitlinie weist auf Interaktionen mit zentral dämpfenden Medikamenten hin. Bei gleichzeitiger Gabe von Opioiden wie Morphin oder Sedativa wie Diazepam kann die Aromatherapie zu verstärkter Schläfrigkeit führen.
Für eine sichere Anwendung bei Erwachsenen wird eine Maximalverdünnung von 2,5 Prozent angegeben. Dies entspricht etwa 2 Tropfen des ätherischen Öls auf 100 Tropfen eines Trägeröls.
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Quelle: Aromatherapie (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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