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Aortenerkrankungen: Diagnostik, Therapie und Screening

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) veröffentlichte 2014 erstmals eine umfassende Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen der gesamten Aorta. Zuvor existierten lediglich Empfehlungen zur isolierten Aortendissektion.

Der vorliegende Kommentar der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) fasst die wesentlichen Neuerungen zusammen. Ein zentraler Aspekt ist die Forderung nach einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit in spezialisierten Aortenteams.

Besondere Schwerpunkte der Leitlinie liegen auf der standardisierten CT-Bildgebung und der wachsenden Bedeutung endovaskulärer Therapieverfahren (TEVAR/EVAR). Zudem werden klare Algorithmen für das akute Aortensyndrom sowie angepasste Operationsindikationen definiert.

Klinischer Kontext

Aortenerkrankungen, insbesondere das Bauchaortenaneurysma (BAA) und die akute Aortendissektion, weisen eine signifikante Morbidität und Mortalität auf. Männer über 65 Jahre mit kardiovaskulären Risikofaktoren sind am häufigsten betroffen, wobei die Prävalenz des BAA in dieser Gruppe bei etwa fünf Prozent liegt.

Die Pathophysiologie umfasst degenerative Prozesse der Media, Atherosklerose, genetische Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom sowie entzündliche Veränderungen. Diese Faktoren führen zu einer Schwächung der Gefäßwand, was eine Dilatation, Ruptur oder eine Aufspaltung der Wandschichten begünstigt.

Für Ärzte ist die rasche Erkennung essenziell, da akute Aortensyndrome lebensbedrohliche Notfälle darstellen, die sofortiges Handeln erfordern. Die Diagnostik stützt sich primär auf bildgebende Verfahren wie die Echokardiografie, die Computertomografie-Angiografie (CTA) und die Magnetresonanztomografie (MRT), um Morphologie und Ausdehnung exakt zu beurteilen.

Wissenswertes

Ein Bauchaortenaneurysma wird in der Regel ab einem Querdurchmesser von 5,0 bis 5,5 Zentimetern bei Männern und oft schon ab 5,0 Zentimetern bei Frauen operativ versorgt. Auch ein rasches Größenwachstum von mehr als 0,5 Zentimetern in sechs Monaten stellt eine Operationsindikation dar.

Die Stanford-Klassifikation richtet sich nach der Beteiligung der Aorta ascendens. Eine Stanford-A-Dissektion betrifft die Aorta ascendens und erfordert meist eine sofortige Operation, während die Stanford-B-Dissektion auf die Aorta descendens beschränkt ist und oft primär konservativ oder endovaskulär behandelt wird.

In Deutschland haben gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren Anspruch auf eine einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Dies begründet sich durch die deutlich höhere Prävalenz in dieser Bevölkerungsgruppe.

Bei Patienten mit Marfan-Syndrom ist eine regelmäßige echokardiografische oder tomografische Kontrolle der Aortenwurzel und der gesamten Aorta unerlässlich. Die Intervalle richten sich nach dem aktuellen Durchmesser und der Wachstumsdynamik, erfolgen aber meist jährlich oder engmaschiger.

Das akute Aortensyndrom präsentiert sich typischerweise mit einem plötzlichen, vernichtenden und oft reißenden Schmerz in der Brust oder im Rücken. Begleitsymptome können Blutdruckentgleisungen, neurologische Ausfälle oder Zeichen einer Malperfusion von Organen sein.

In der Akutphase einer Aortendissektion ist eine rasche und konsequente Blutdrucksenkung entscheidend, um die Scherkräfte auf die Gefäßwand zu minimieren. Ziel ist meist ein systolischer Blutdruckwert zwischen 100 und 120 mmHg, oft erreicht durch den Einsatz von Betablockern und Vasodilatatoren.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein besonders relevanter Hinweis der Leitlinie für den kardiologischen Alltag betrifft das Screening auf abdominelle Aortenaneurysmen. Es wird empfohlen, bei jeder transthorakalen Echokardiographie (TTE) von Männern und Raucherinnen über 65 Jahren routinemäßig auch die Bauchaorta zu schallen. Dadurch können asymptomatische Aneurysmen frühzeitig und ohne großen Zusatzaufwand detektiert werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Operation bei Standardpatienten ab einem Durchmesser von 55 mm empfohlen. Bei Vorliegen von Risikofaktoren wie einem Marfan-Syndrom oder einer bikuspiden Aortenklappe sinkt der empfohlene Schwellenwert auf 50 mm oder sogar 45 mm.

Die ESC-Leitlinie empfiehlt für die unkomplizierte Typ-B-Dissektion der deszendierenden Aorta initial eine rein medikamentöse Therapie. Erst bei Komplikationen wie persistierenden Schmerzen oder einer Größenzunahme wird ein endovaskuläres Verfahren (TEVAR) angeraten.

Es wird ein Ultraschall-Screening für alle Männer ab 65 Jahren sowie für Raucherinnen ab 65 Jahren empfohlen. Die Leitlinie rät dazu, dieses Screening idealerweise direkt an eine routinemäßige Echokardiographie anzuschließen.

Nach einer endovaskulären Aortenreparatur (EVAR) empfiehlt die Leitlinie Kontrolluntersuchungen vor der Entlassung sowie nach 1, 6 und 12 Monaten. Im weiteren Verlauf sollten jährliche Verlaufskontrollen stattfinden, um Komplikationen wie Endoleaks frühzeitig zu erkennen.

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Quelle: Kommentar zur 2014-Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zur Diagnose und Therapie von Aortenerkrankungen (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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