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Aortendissektion Typ A: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die akute Typ-A-Dissektion ist ein Notfall mit einer Mortalität von 1-2 % pro Stunde; eine sofortige Operation ist indiziert.
  • Goldstandard der Diagnostik ist die EKG-getriggerte CTA; eine Herzkatheteruntersuchung ist kontraindiziert.
  • Ziel der Operation ist der Verschluss des primären Entries, meist über einen Ersatz der Aorta ascendens.
  • Bei angeborenen Bindegewebserkrankungen (z.B. Marfan-Syndrom) sollte die gesamte Aortenwurzel klappenerhaltend ersetzt werden.
  • Postoperativ ist eine konsequente Blutdruckeinstellung mit Betablockern sowie eine lebenslange Bildgebungs-Nachsorge essenziell.
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Hintergrund

Die thorakale Aortendissektion Typ A (nach Stanford-Klassifikation) ist definiert durch die Beteiligung der Aorta ascendens, unabhängig vom Ort des primären Intimaeinrisses (Entry). Es handelt sich um einen absoluten herzchirurgischen Notfall. Die Inzidenz liegt bei 6/100.000 Einwohnern pro Jahr. Die Mortalität steigt ab dem Akutereignis um 1-2 % pro Stunde.

PhaseZeitraum
Akut0-14 Tage
Subakut15-60 Tage
Chronisch> 60 Tage

Klinisches Bild: Leitsymptom ist ein akuter, stechender und "wandernder" Thoraxschmerz mit Vernichtungscharakter.

Diagnostik

Die schnelle und zielgerichtete Diagnostik ist überlebenswichtig. Eine Herzkatheteruntersuchung soll nicht durchgeführt werden, da sie den rettenden Eingriff verzögert und Risiken birgt.

DiagnostikumStellenwert / Empfehlung
CTA (EKG-getriggert)Goldstandard. Zur exakten OP-Planung (Entry-Lokalisation, Malperfusion) bei stabilen Patienten.
TTESehr wertvoll für die schnelle Akutdiagnostik. Ein unauffälliges TTE schließt eine Dissektion jedoch nicht aus.
TEEGeeignet beim intubierten Patienten und als Standard für das intraoperative Monitoring.
D-DimerEin Wert < 0,1 µg/ml schließt eine akute Dissektion aus. Erhöhte Werte erfordern den Ausschluss einer Lungenembolie.

Komplikationen und Malperfusion

Grundsätzlich kann jedes Organsystem durch eine funktionelle Obstruktion (Malperfusion) betroffen sein. Das Erkennen des Mechanismus ist für die Therapieplanung essenziell.

  • Koronar: Bild eines ST-Hebungsinfarktes (häufige Fehldiagnose, die zur falschen Herzkatheter-Indikation führt).
  • Zerebral: Bild eines Schlaganfalls (Gefahr der fälschlichen Einweisung in eine Stroke Unit).
  • Extremitäten: Undulierendes Pulsdefizit.
  • Spinal: Sensibilitätsverlust bis hin zur kompletten Paraplegie.
  • Viszeral/Renal: Tritt bei ca. 20 % der Patienten auf, oft kombiniert.

Zudem drohen Perikardtamponaden (durch Transsudation oder gedeckte Ruptur). Bei hämodynamischer Relevanz können diese initial punktiert werden, dies darf den OP-Transport jedoch nicht wesentlich verzögern.

Operationsindikation und Zeitpunkt

Eine akute Typ-A-Dissektion soll umgehend operiert werden.

Ausnahmen (mögliche Rückstellung der Sofort-OP):

  • Bereits eingetretene schwere neurologische Schäden (im CCT demarkiert).
  • Schwere viszerale Malperfusionssyndrome (hier ggf. primär kathetertechnische Behebung der Ischämie, definitive OP im Intervall).

Operatives Vorgehen

Ziel: Verschluss des primären (bzw. proximalen) Entries und Exklusion vom Blutstrom.

MaßnahmeChirurgische Strategie
ZugangMediane Sternotomie.
KanülierungHäufig A. axillaris dextra (Vorteil für zerebrale Perfusion), aber keine harte Empfehlung.
OrganprotektionModerat hypothermer Kreislaufstillstand der unteren Körperhälfte (ca. 26°C). Selektive antegrade Hirnperfusion ist obligat.
MonitoringArterielle Druckmessung links radial (ggf. plus rechts radial/femoral), NIRS (Near Infra Red Spectroscopy), intraoperatives TEE.

Ausmaß der chirurgischen Sanierung

Das Ausmaß richtet sich nach der Lokalisation des Entries und der Dissektionsausdehnung.

  • Standard: Suprakoronarer Ersatz der Aorta ascendens und des partiellen Aortenbogens (ausreichend, wenn das Entry in der Aorta ascendens liegt).
  • Aortenwurzelersatz: Indiziert, wenn die Dissektion über den nonkoronaren Sinus hinausgeht oder Kommunikationen in der Wurzel bestehen. Bei angeborenen Bindegewebserkrankungen (z.B. Marfan-Syndrom) sollte ein klappenerhaltender Wurzelersatz (OP nach David) erfolgen.
  • Aortenbogen / Frozen Elephant Trunk (FET): Wenn das Entry im Bogen oder der Aorta descendens liegt (oft bei Malperfusion), ist eine Erweiterung des Eingriffs, häufig mittels FET-Technik, notwendig.

Postoperatives Management und Nachsorge

Auf der Intensivstation ist ein kontinuierliches Laktatmonitoring essenziell, um persistierende oder rezidivierende Malperfusionen zu erkennen.

Langzeit-Nachsorge:

  • Medikation: Konsequente Blutdruckeinstellung mit Betablockern als Grundpfeiler zur Prophylaxe einer Aneurysmabildung.
  • Bildgebung: CTA/MRT und TTE zweimal im ersten Jahr, danach jährlich. Die Anbindung an ein spezialisiertes Aortenzentrum wird dringend empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie bei Verdacht auf eine Typ-A-Dissektion die Diagnostik niemals durch eine Herzkatheteruntersuchung, auch wenn das EKG einen ST-Hebungsinfarkt zeigt (Gefahr der koronaren Malperfusion). Ein D-Dimer-Wert < 0,1 µg/ml schließt die Dissektion mit hoher Sicherheit aus.

Häufig gestellte Fragen

Bei bereits eingetretenen schweren neurologischen Schäden (im CCT sichtbar) oder bei schweren viszeralen Malperfusionssyndromen, die primär kathetertechnisch versorgt werden müssen, um die Ischämie vor der definitiven OP zu beheben.
Das TTE ist sehr wertvoll zur schnellen Verdachtserhärtung und zur Erkennung eines Perikardergusses. Ein unauffälliges TTE schließt eine Dissektion jedoch nicht aus. Goldstandard bleibt die EKG-getriggerte CTA.
Häufig wird die rechte A. axillaris genutzt, da sie selten disseziiert ist und eine optimale antegrade Hirnperfusion ermöglicht. Eine harte Leitlinien-Empfehlung für einen spezifischen Zugang gibt es jedoch aufgrund fehlender randomisierter Studien nicht.
Der Grundpfeiler ist die konsequente Blutdruckeinstellung, primär mit Betablockern, um eine Aneurysmabildung im Bereich der verbliebenen disseziierten Aorta zu verhindern.

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