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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

EMAH: Endokarditis, PH & Aortopathien (DGK Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Endokarditis-Risiko bei EMAH ist 27- bis 44-fach erhöht; eine Prophylaxe wird bei Hochrisikopatienten (z.B. Klappenprothesen, Zyanose) empfohlen.
  • Die pulmonale Hypertonie (PH) wird neu definiert ab einem mPAP > 20 mmHg; eine Rechtsherzkatheteruntersuchung ist zur Diagnosesicherung essenziell.
  • Routinemäßige Aderlässe bei zyanotischen Patienten mit sekundärer Erythrozytose sind kontraindiziert.
  • Aortopathien erfordern je nach Grunderkrankung (z.B. Marfan-Syndrom, bikuspide Aortenklappe) spezifische Grenzwerte für einen elektiven Aortenersatz.
  • Etwa ein Drittel der EMAH leidet an psychischen Störungen, was eine psychokardiologische Mitbetreuung erfordert.
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Hintergrund

Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) bedürfen einer lebenslangen, spezialisierten Nachsorge. Trotz operativer oder interventioneller Korrekturen verbleiben häufig Rest- und Folgezustände. Zu den wichtigsten Komplikationen zählen die infektiöse Endokarditis, die pulmonale Hypertonie, Aortopathien sowie Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz.

Infektiöse Endokarditis (IE)

Das Risiko für eine IE ist bei EMAH etwa 27- bis 44-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Bei unklaren echokardiographischen Befunden (TTE/TEE) kann eine 18F-FDG-PET/CT-Untersuchung erwogen werden, welche die Sensitivität der Diagnostik von 57,1 % auf 83,5 % erhöht.

Eine antibiotische Endokarditisprophylaxe wird auf Hochrisikopatienten beschränkt und sollte vor Eingriffen im Mund- und Rachenraum erfolgen:

Indikation zur IE-Prophylaxe (Hochrisiko)EmpfehlungsgradEvidenzgrad
Klappenprothesen (inkl. Transkatheterklappen) oder prothetisches MaterialIIaC
Überstandene EndokarditisIIaC
Zyanotische Vitien (unkorrigiert)IIaC
Bis 6 Monate nach Korrektur mit prothetischem MaterialIIaC
Lebenslang bei residuellem Shunt oder Klappeninsuffizienz nach KorrekturIIaC

Vor kardialen Eingriffen (z.B. Device-Implantation oder Klappenersatz) wird eine intravenöse Prophylaxe mit Cefazolin empfohlen (Empfehlungsgrad I-IIa), da Staphylokokken-Infektionen zunehmend dominieren.

Pulmonale Hypertonie (PH)

Etwa 4-8 % der an Zentren angebundenen EMAH haben eine klinisch relevante pulmonalarterielle Hypertonie (PAH). Die Definition der PH wurde aktualisiert auf einen pulmonalarteriellen Mitteldruck (mPAP) > 20 mm Hg.

Klassifikation der PH bei EMAHBeschreibung
1. Eisenmenger-SyndromGroße Shunts mit PVR-Anstieg und bidirektionalem Shunt/Shuntumkehr (Zyanose)
2. Links-Rechts-ShuntsMittelgroße bis große Defekte ohne Zyanose in Ruhe (korrigierbar oder nicht)
3. PAH zufällig mit AHF assoziiertPVR-Erhöhung bei kleinen Defekten (ähnlich idiopathischer PAH)
4. PAH nach reparativer BehandlungPersistierende oder wiederkehrende PAH nach Shuntverschluss

Kernaussagen zur Therapie:

  • Eine invasive Herzkatheteruntersuchung ist zur Diagnosesicherung erforderlich.
  • Routinemäßige Aderlässe bei Zyanose und sekundärer Erythrozytose sind zu unterlassen, da sie zu Eisenmangel und reduzierter Leistungsfähigkeit führen.
  • Bei Eisenmenger-Syndrom profitieren Patienten von Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (ERA) oder Phosphodiesterase-Hemmern.
  • Von einer Schwangerschaft ist bei hohem mütterlichem Risiko (Mortalität 30-50 %) abzuraten.

Aortopathien

Aortopathien (Erweiterung der Aorta) treten häufig bei syndromalen Erkrankungen (z.B. Marfan, Loeys-Dietz) oder spezifischen AHF (z.B. bikuspide Aortenklappe, Fallot-Tetralogie, Aortenisthmusstenose) auf. Die Indikation zum elektiven Aortenersatz richtet sich nach der Grunderkrankung:

GrunderkrankungOP-Indikation (Aortenweite)EmpfehlungsgradEvidenzgrad
Normalbevölkerung≥ 5,5 cmIIaC
Marfan-Syndrom (ohne Risikofaktoren)≥ 5,0 cm oder Wachstum > 3 mm/JahrIC
Marfan-Syndrom (mit Risikofaktoren)≥ 4,5 cmIIaC
Bikuspide Aortenklappe (ohne Risikofaktoren)≥ 5,5 cmIC
Bikuspide Aortenklappe (mit Risikofaktoren)≥ 5,0 cmIC

Herzchirurgische und Psychokardiologische Aspekte

Herzchirurgische Eingriffe bei EMAH sind meist komplexe Reoperationen (Resternotomien). Ein erhöhter pulmonaler Gefäßwiderstand stellt dabei einen isolierten Risikofaktor dar.

Zudem leiden etwa ein Drittel der EMAH an relevanten psychischen Störungen (Depressionen, Ängste, posttraumatische Belastungsstörungen), oft bedingt durch frühe Traumata durch Operationen im Kindesalter. Eine Anbindung an spezialisierte EMAH-Zentren mit psychokardiologischer Mitbetreuung ist daher essenziell.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei zyanotischen EMAH-Patienten mit sekundärer Erythrozytose keine routinemäßigen Aderlässe durch. Diese physiologische Adaptation schützt den Patienten; ein induzierter Eisenmangel verschlechtert die Prognose und Leistungsfähigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Hochrisikopatienten: Dazu zählen Patienten mit Klappenprothesen, überstandener Endokarditis, unkorrigierten zyanotischen Vitien sowie bis zu 6 Monate nach Korrektur mit prothetischem Material (oder lebenslang bei residuellem Shunt).
Die PH ist neu definiert als ein pulmonalarterieller Mitteldruck (mPAP) von > 20 mmHg. Für die präkapilläre PH (PAH) gilt zusätzlich ein Wedge-Druck < 15 mmHg und ein PVR > 2 bzw. 3 Wood-Einheiten.
Ein elektiver Aortenersatz wird ab einer Weite von 5,0 cm (oder > 3 mm Wachstum/Jahr) empfohlen. Bei Vorliegen von Risikofaktoren (z.B. Familienanamnese für Dissektion, Schwangerschaftswunsch) bereits ab 4,5 cm.
Bei unklaren echokardiographischen Befunden (besonders bei Prothesen oder Devices) kann ein 18F-FDG-PET/CT die Sensitivität der Diagnostik von 57,1 % auf 83,5 % signifikant erhöhen.

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