AkdÄ2011

VTE-Risiko: AkdÄ-Warnung zu Drospirenon-Kontrazeptiva

Diese Leitlinie stammt aus 2011 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AkdÄ (2011)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) thematisiert in einer Sicherheitswarnung aus dem Jahr 2011 das Risiko venöser Thromboembolien (VTE) unter kombinierten oralen Kontrazeptiva (KOK). Anlass war der tödliche Verlauf einer fulminanten Lungenembolie bei einer jungen, sportlichen Patientin unter der Einnahme eines Drospirenon-haltigen Präparats.

Venöse thromboembolische Ereignisse sind bei jungen Frauen grundsätzlich selten. Die Basis-Inzidenz ohne hormonelle Kontrazeption liegt laut Publikation bei fünf bis zehn Fällen pro 100.000 Frauen pro Jahr.

Das Risiko steigt jedoch durch Faktoren wie Adipositas, Immobilisation, Rauchen und die Einnahme von KOK. Dabei wird das VTE-Risiko maßgeblich durch den in der Pille enthaltenen Gestagenbestandteil beeinflusst.

Empfehlungen

Die Publikation formuliert folgende Kernaspekte zur Risikobewertung und Verordnungspraxis:

Risikobewertung der Gestagene

Die AkdÄ weist darauf hin, dass das VTE-Risiko unter Drospirenon-haltigen KOK höher ist als unter Levonorgestrel-haltigen Präparaten. Es entspricht nach Reevaluation der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) vermutlich dem Risiko von KOK der dritten Generation.

Zur Einordnung des Risikos nennt die Publikation folgende Vergleichswerte:

Gestagen-Typ / GenerationVTE-Häufigkeit (pro 100.000 Frauen/Jahr)Risikobewertung laut AkdÄ
Keine hormonelle Kontrazeption5 bis 10Basisrisiko
Levonorgestrel (2. Generation)ca. 20Bevorzugte Option
Gestoden / Desogestrel (3. Generation)bis zu 40Erhöhtes Risiko
DrospirenonVergleichbar mit 3. GenerationErhöhtes Risiko (besonders bei Frauen < 30 Jahre)

Präparatewahl

Bei der Auswahl eines Kontrazeptivums wird empfohlen, das Thromboembolierisiko stets zu berücksichtigen. Dies gilt laut AkdÄ insbesondere beim Vorliegen weiterer Risikofaktoren.

Für die Verordnung werden folgende Empfehlungen ausgesprochen:

  • Bevorzugter Einsatz von Levonorgestrel: Insbesondere bei Frauen unter 30 Jahren sollte bevorzugt ein Levonorgestrel-haltiges Präparat eingesetzt werden.

  • Zurückhaltung bei kosmetischen Indikationen: Die Verordnung von Drospirenon aus rein kosmetischen Gründen (Gewichtsreduktion, verminderte Akneneigung) wird aufgrund des Risikoprofils kritisch gesehen.

Aufklärung der Anwenderinnen

Die Publikation betont die Wichtigkeit einer umfassenden Aufklärung vor der Verordnung. Frauen sollten über folgende Punkte zwingend informiert werden:

  • Das generelle Thromboembolierisiko unter der Medikation.

  • Mögliche Warnsymptome einer VTE, wie Schmerzen und Schwellungen in den Beinen.

  • Das synergistisch stark erhöhte Risiko bei der Kombination von Rauchen und der Einnahme von KOK.

Kontraindikationen

Die AkdÄ warnt vor dem synergistischen Effekt von Rauchen und der Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva. Diese Kombination erhöht das Risiko für ein thromboembolisches Ereignis signifikant (in einer zitierten Untersuchung um das 8,8-Fache).

Zudem wird davor gewarnt, Drospirenon-haltige Präparate bei Frauen unter 30 Jahren primär aus kosmetischen Gründen zu verordnen. In dieser Altersgruppe wurde in Studien eine fast fünffache Erhöhung des Thromboembolierisikos unter Drospirenon gegenüber Levonorgestrel beobachtet.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Die AkdÄ weist darauf hin, dass Wadenschmerzen bei jungen, sportlichen Frauen unter oraler Kontrazeption nicht vorschnell als harmlose Muskelzerrung fehlinterpretiert werden dürfen. Es wird betont, dass auch bei ansonsten gesunden, normalgewichtigen Nichtraucherinnen ohne Immobilisation eine fulminante Lungenembolie auftreten kann. Daher ist bei entsprechenden Warnsymptomen stets eine venöse Thromboembolie differenzialdiagnostisch in Betracht zu ziehen.

Häufig gestellte Fragen

Laut AkdÄ weisen kombinierte orale Kontrazeptiva der zweiten Generation mit dem Wirkstoff Levonorgestrel das geringste Risiko für venöse Thromboembolien auf. Sie sollten daher bei der Neuverordnung bevorzugt werden.

Das Risiko unter Drospirenon wird von der AkdÄ als vergleichbar mit Präparaten der dritten Generation (Gestoden, Desogestrel) eingestuft. Es liegt bei bis zu 40 Fällen pro 100.000 Frauen pro Jahr und ist damit etwa doppelt so hoch wie unter Levonorgestrel.

Die Publikation warnt ausdrücklich vor der Kombination aus Rauchen und der Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva. Diese Kombination erhöht das Risiko für ein thromboembolisches Ereignis synergistisch um fast das Neunfache.

Die AkdÄ sieht die Verordnung von Drospirenon-haltigen Präparaten aus rein kosmetischen Gründen, wie einer verminderten Akneneigung, kritisch. Insbesondere bei Frauen unter 30 Jahren wird aufgrund des erhöhten Thromboembolierisikos stattdessen Levonorgestrel empfohlen.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: AkdÄ Bekanntgabe: Risiko von venösen Thromboembolien bei Einnahme von Drospirenon-haltigen kombinierten oralen Kontrazeptiva (Yasmin®/Yasminelle®, Aida®, Yaz®, Petibelle®) (AkdÄ, 2011). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien