Atypische Ketoazidose unter SGLT-2-Hemmern: AkdÄ-Warnung
Hintergrund
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert über das Risiko atypischer diabetischer Ketoazidosen im Zusammenhang mit SGLT-2-Hemmern (Gliflozinen). Diese Medikamente verbessern die Blutzuckerkontrolle, indem sie die renale Glukoserückresorption hemmen.
Durch den renalen Glukoseverlust sinkt der Blutzuckerspiegel, was zu einer verminderten Insulinausschüttung und einer vermehrten Glukagonsekretion führt. Dies kann eine verstärkte Lipolyse und die Bildung von Ketonkörpern in der Leber auslösen.
Eine Besonderheit der Gliflozin-assoziierten Ketoazidose ist, dass der Blutzucker durch die vermehrte Glukoseausscheidung oft nur mäßig erhöht oder sogar normal ist. Zudem bewirken Gliflozine eine vermehrte Rückresorption von Ketonkörpern in der Niere, weshalb diese im Urin fehlen können.
Empfehlungen
Die Publikation formuliert folgende Kernempfehlungen zum Umgang mit SGLT-2-Hemmern:
Diagnostik
Laut AkdÄ-Sicherheitswarnung wird empfohlen, bei unspezifischen Symptomen unter Gliflozin-Therapie an eine Ketoazidose zu denken. Dies gilt ausdrücklich auch bei normwertigen oder nur mäßig erhöhten Blutzuckerspiegeln.
Folgende Symptome sollten gemäß der Publikation den Verdacht lenken:
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Übelkeit, Erbrechen und Anorexie
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Bauchschmerzen und starker Durst
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Schwierigkeiten beim Atmen
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Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit oder Schläfrigkeit
Die Publikation nennt folgende Kriterien für die Diagnose einer diabetischen Ketoazidose:
| Parameter | Diagnostischer Grenzwert |
|---|---|
| pH-Wert | ≤ 7,3 |
| Serumbicarbonat | ≤ 15 mmol/l |
| Anionengap | > 12 mmol/l |
Therapie und Management
Bei Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose oder bei gesicherter Diagnose muss die Behandlung mit Gliflozinen sofort abgesetzt werden (Kernaussage).
Ein erneutes Ansetzen wird laut Warnung nur dann empfohlen, wenn ein anderer eindeutiger auslösender Faktor für die Ketoazidose identifiziert und beseitigt wurde.
Perioperatives Management und Risikosituationen
In Situationen mit erhöhtem Insulinbedarf oder relativem Insulinmangel ist das Risiko für eine Ketoazidose erhöht. Dazu zählen größere operative Eingriffe, akute schwere Erkrankungen, Infektionen oder niederkalorische Diäten.
Die Publikation empfiehlt für diese Fälle:
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Unterbrechung der Gliflozin-Behandlung bei stationärer Aufnahme wegen schwerer Krankheit oder Operationen
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Erwägung eines Absetzens bereits drei Tage vor großen chirurgischen Eingriffen (Empfehlung einiger Autoren aufgrund der Halbwertszeit)
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Wiederaufnahme der Therapie erst, wenn die behandelte Person klinisch stabil und normhydriert ist sowie eine normale Ernährung toleriert
Kontraindikationen
Die AkdÄ-Warnung formuliert klare Vorgaben zum Therapieabbruch. Bei einer diagnostizierten oder vermuteten diabetischen Ketoazidose stellt die weitere Gabe von SGLT-2-Hemmern eine absolute Kontraindikation dar.
Zudem wird von der Einnahme in Phasen akuter schwerer Erkrankungen oder rund um größere chirurgische Eingriffe abgeraten.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Fallstrick im klinischen Alltag ist die euglykämische Ketoazidose unter SGLT-2-Hemmern. Die AkdÄ warnt davor, eine Ketoazidose aufgrund normaler Blutzuckerwerte oder fehlender Ketonkörper im Urin vorschnell auszuschließen. Es wird empfohlen, bei unklaren Symptomen wie Übelkeit oder Dyspnoe stets an diese seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation zu denken und das Medikament sofort zu pausieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut AkdÄ-Warnung soll die Behandlung bei größeren chirurgischen Eingriffen unterbrochen werden. Einige Autoren empfehlen aufgrund der Halbwertszeit der Medikamente ein Absetzen bereits drei Tage vor der Operation.
Die Medikamente führen zu einer kontinuierlichen Glukoseausscheidung über die Nieren. Dadurch bleibt der Blutzuckerspiegel laut Publikation oft im Normbereich oder ist nur mäßig erhöht, obwohl metabolisch eine schwere Ketoazidose vorliegt.
Ja, die AkdÄ weist darauf hin, dass Gliflozine die Rückresorption von Ketonkörpern in der Niere verstärken. Daher kann eine Ketoazidose vorliegen, ohne dass Ketonkörper im Urin nachweisbar sind.
Ein erneutes Ansetzen wird gemäß der Warnung nur dann empfohlen, wenn ein anderer, eindeutiger Auslöser für die Ketoazidose gefunden und erfolgreich beseitigt wurde. Andernfalls sollte die Therapie dauerhaft beendet bleiben.
Die Publikation nennt unspezifische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, starken Durst und Atembeschwerden. Auch Verwirrtheit oder ungewöhnliche Müdigkeit sollten den Verdacht auf eine Ketoazidose lenken.
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Quelle: AkdÄ Bekanntgabe: Atypische diabetische Ketoazidosen im Zusammenhang mit SGLT-2-Hemmern (Gliflozine) (AkdÄ, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.