Abemaciclib (Mammakarzinom): Indikation und Therapie
Hintergrund
Dieser Artikel fasst die Ergebnisse der IQWiG-Dossierbewertung (A18-72) zum Wirkstoff Abemaciclib zusammen. Bewertet wird der Zusatznutzen von Abemaciclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer (Anastrozol oder Letrozol).
Die bewertete Indikation umfasst postmenopausale Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. Die Kombinationstherapie wird hierbei als initiale endokrine Therapie eingesetzt.
Datengrundlage der Bewertung ist die randomisierte, doppelblinde Phase-3-Studie MONARCH 3. In dieser wurde Abemaciclib plus Aromatasehemmer direkt mit Placebo plus Aromatasehemmer verglichen.
Empfehlungen
Das IQWiG formuliert basierend auf den Studiendaten folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Gesamtaussage
In der Gesamtschau der Ergebnisse zeigt sich kein positiver Effekt für Abemaciclib in Kombination mit Anastrozol oder Letrozol gegenüber der Monotherapie. Aufgrund vermehrter Nebenwirkungen leitet das IQWiG einen Hinweis auf einen geringeren Nutzen der Kombinationstherapie ab.
Überleben und Lebensqualität
Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Ein Zusatznutzen ist in Bezug auf das Überleben somit nicht belegt.
Auch für die gesundheitsbezogene Lebensqualität und den allgemeinen Gesundheitszustand ergeben sich keine signifikanten Unterschiede. Ein Zusatznutzen ist hierfür ebenfalls nicht belegt.
Nebenwirkungen und Morbidität
Die Auswertung der Nebenwirkungen zeigt deutliche Nachteile für die Kombinationstherapie mit Abemaciclib:
-
Diarrhö: Es zeigt sich ein relevanter negativer Effekt zum Nachteil von Abemaciclib.
-
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE): Bei Frauen ab 65 Jahren gibt es einen Anhaltspunkt für einen höheren Schaden.
-
Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3): Es zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden bei Frauen ab 65 Jahren sowie ein Anhaltspunkt für einen höheren Schaden bei jüngeren Frauen.
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Neutropenie (CTCAE-Grad ≥ 3): Das relative Risiko ist unter Abemaciclib signifikant erhöht (Hinweis auf höheren Schaden).
-
Therapieabbrüche: Abbrüche wegen unerwünschter Ereignisse traten im Abemaciclib-Arm signifikant häufiger auf.
Dosierung
Die Fachinformation und das Studienprotokoll geben folgende Standarddosierungen für die Kombinationstherapie vor:
| Wirkstoff | Dosis | Einnahme |
|---|---|---|
| Abemaciclib | 150 mg | 2-mal täglich (alle 12 Stunden), kontinuierlich |
| Anastrozol | 1 mg | 1-mal täglich (alle 24 Stunden), kontinuierlich |
| Letrozol (alternativ) | 2,5 mg | 1-mal täglich (alle 24 Stunden), kontinuierlich |
Bei Auftreten von Toxizitäten (z. B. Diarrhö, hämatologische Toxizität) ist eine schrittweise Dosisreduktion von Abemaciclib auf 100 mg oder 50 mg zweimal täglich vorgesehen. Auch bei gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren wird eine Dosisreduktion auf 100 mg zweimal täglich empfohlen.
Kontraindikationen
Die Fachinformation nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile.
-
Besondere Warnhinweise bestehen für Neutropenie, Infektionen, venöse Thromboembolien, erhöhte Aminotransferasen und Diarrhö.
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Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren sollte aufgrund einer verminderten Wirksamkeit von Abemaciclib vermieden werden.
-
Es liegen keine Daten zur Wirksamkeit bei Patientinnen mit viszeraler Krise vor.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht hebt hervor, dass unter der Kombinationstherapie mit Abemaciclib ein signifikant erhöhtes Risiko für schwere Neutropenien und Diarrhö besteht. Insbesondere bei Patientinnen ab 65 Jahren zeigen die Studiendaten eine deutliche Zunahme schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. Ein engmaschiges klinisches Monitoring dieser Nebenwirkungen wird in den Zulassungsunterlagen als essenziell beschrieben.
Häufig gestellte Fragen
Laut der IQWiG-Bewertung der MONARCH-3-Studie konnte für das Gesamtüberleben kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Abemaciclib plus Aromatasehemmer und der Monotherapie gezeigt werden. Ein Zusatznutzen in Bezug auf das Überleben ist somit nicht belegt.
Der Bericht identifiziert Diarrhö und Neutropenien als besonders häufige und relevante Nebenwirkungen. Zudem kam es im Abemaciclib-Arm signifikant häufiger zu Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Ereignissen.
Ja, die Auswertung zeigt eine Effektmodifikation durch das Alter. Bei Frauen ab 65 Jahren wurde ein deutlich höherer Schaden durch schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt.
Die Standarddosierung in Kombination mit einer endokrinen Therapie beträgt 150 mg zweimal täglich. Bei Auftreten von Toxizitäten oder der gleichzeitigen Gabe von starken CYP3A4-Inhibitoren ist eine Dosisreduktion vorgesehen.
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Quelle: IQWiG A18-72: Abemaciclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß §35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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