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AWMFS32019Suchtmedizin

S1-Leitlinie Internetnutzungsstörungen (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Computerspielstörung (Gaming Disorder) ist in der ICD-11 offiziell als Suchterkrankung (6C51) anerkannt.
  • Für alle Unterformen der Internetnutzungsstörungen wird primär eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie (KVT) empfohlen.
  • Bei Kindern und Jugendlichen sollen Eltern und Angehörige zwingend in die Behandlung einbezogen werden.
  • Für das Screening stehen spezifische validierte Fragebögen (z.B. CIUS, IGDS9-SF, SMDS) zur Verfügung.
  • Eine rein medikamentöse Therapie wird bei der Shoppingstörung explizit nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die Nutzung des Internets ist für die meisten Menschen unproblematisch, kann jedoch bei einem Teil der Nutzer zu schwerwiegenden psychischen, sozialen und finanziellen Problemen führen. Der Begriff Internetnutzungsstörungen (INS) dient als Oberbegriff für verschiedene Formen der suchtartigen Nutzung.

In der ICD-11 werden diese Störungen wie folgt klassifiziert:

StörungAbkürzungICD-11 Kodierung
ComputerspielstörungCSS6C51 (Gaming Disorder)
Soziale-Netzwerke-NutzungsstörungSNS6C5Y (Andere spezifizierte Störungen)
Unspezifische VerhaltenssuchtUVS6C5Z (Unspezifizierte Störungen)

Die Glücksspielstörung (6C50) ist ebenfalls anerkannt, wird in dieser Leitlinie jedoch aufgrund einer separaten Evidenzbasis ausgeklammert.

Diagnostische Kriterien (ICD-11)

Für die Diagnosestellung der Computerspielstörung nach ICD-11 müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Verminderte Kontrolle über das Spielverhalten (z.B. Dauer, Intensität, Kontext).
  • Steigende Priorität des Spielens und Vernachlässigung anderer Alltagsaktivitäten.
  • Fortsetzung oder Eskalation trotz des Erlebens negativer Konsequenzen (z.B. schulische oder berufliche Probleme).
  • Zwingend erforderlich: Das Verhalten führt zu funktionellen Beeinträchtigungen im Alltag und/oder signifikantem Leidensdruck.

Screening und Diagnostik

Für das Screening in der Praxis werden spezifische validierte Instrumente empfohlen. Für die weiterführende Diagnostik sollte das Strukturierte Klinische Interview zu Internetbezogenen Störungen (AICA-SKI:IBS) oder das vollstrukturierte I-CAT eingesetzt werden.

StörungsbildEmpfohlene Screening-InstrumenteSpezifisch für Kinder/Jugendliche
INS (generisch)CIUS, OSV-S-
Computerspielstörung (CSS)IGDS9-SF, GDTCSAS, GADIS
Soziale-Netzwerke (SNS)SMDSSOMEDIS
Shoppingstörung (ShS)PBS, COSS-
Pornografie (PNS)BPS, PPCS-6-

Therapieempfehlungen

Die Basis der Behandlung bildet bei allen Unterformen die störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sollen Eltern und Angehörige miteinbezogen werden.

StörungsbildPsychotherapie & ErgänzungenMedikamentöse Therapie (Ergänzend)
INS (allgemein)KVT, Entspannungsverfahren, Sport-/Bewegungstherapie, ElektroakupunkturBupropion kann erwogen werden
ComputerspielstörungKVTBupropion, Escitalopram; bei ADHS: Atomoxetin
Soziale NetzwerkeKVT, Modifikation kognitiver Verzerrungen, (teil-)abstinenzorientierte VerfahrenKeine spezifische Empfehlung
ShoppingstörungKVTKeine rein medikamentöse Behandlung!
PornografieKVTSSRI (wenn Psychotherapie nicht den erwünschten Effekt zeigt)

Frühintervention

Für die Frühintervention bei Internetnutzungsstörungen sollen indizierte Präventionsmaßnahmen mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Elementen angeboten werden. Diese Maßnahmen sollen bevorzugt direkt in Bildungseinrichtungen stattfinden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie für das erste Screening im Praxisalltag validierte Kurzfragebögen wie den CIUS (generisch) oder den IGDS9-SF (Computerspiele). Beziehen Sie bei minderjährigen Patienten stets die Eltern in die Anamnese und Therapie ein.

Häufig gestellte Fragen

In der ICD-11 ist spezifisch die Computerspielstörung (Gaming Disorder) als Suchterkrankung anerkannt. Andere Formen, wie die Social-Media-Sucht, können als 'Andere spezifizierte Störungen aufgrund süchtigen Verhaltens' klassifiziert werden.
Primär wird für alle Formen eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie (KVT) empfohlen.
Begleitend zur Psychotherapie können bei der Computerspielstörung Bupropion oder Escitalopram erwogen werden. Bei einer komorbiden ADHS sollte Atomoxetin erwogen werden.
Für das Screening wird die Social Media Disorder Scale (SMDS) empfohlen, bei Jugendlichen die SOMEDIS. Zur Diagnostik dient das strukturierte Interview AICA-SKI:IBS.

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